Dr. Martin Siewert: Gesund in die Zukunft

Die gesamte Pharmaindustrie steht vor großen Herausforderungen wie etwa dem Ab­­lauf von Patenten bei gleichzeitigem Mangel an Nachschub von neuen Medi­ka­men­­ten aus der eigenen Forschung und Ent­­wicklung. Pharmakonzerne sind daher gut beraten, ein umfangreiches Trans­for­mationsprogramm zu starten, um neue Wachstumsplattformen zu entwickeln und nachhaltiges Wachstum sicherzustellen. Das bisher stark auf sogenannte „Blockbuster“ und auf die traditionellen Märkte in Europa und den USA aus­gerichtete Geschäfts­modell muss diver­si­fi­­ziert und an die Vielfalt der Unter­neh­mens­­­aktivitäten und die globale Präsenz angepasst werden.

Wichtig ist für Pharmaunternehmen, das eigene Forschungsportfolio kontinuierlich auf die aussichtsreichsten Projekte und Wirkstoffkandidaten hin zu überprüfen, um den optimalen Einsatz der Res­sour­cen zu gewährleisten. Ziel ist es, innova­tive Lösungen für gezielte, noch nicht gedeckte Bedürfnisse von Patienten zu entwickeln und einen kreativen und pro­duktiven Forschungsansatz zu verfolgen.

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Forschung und Entwicklung sind eine wesentliche Säule im Unternehmen. Klug beraten ist, wer auf verschreibungspflich­tige Produkte setzt und dafür Forschung und Entwicklung betreibt, dabei verstärkt externe Innovationen sucht und sich mehr als bisher für Kooperationen und Part­ner­­schaften mit Universitäten, außeruniver­sitären Forschungseinrichtungen und Biotech-Unternehmen öffnet.

Das Geschäft in den Schwellenländern wird ebenfalls an Bedeutung gewinnen. In diesen Ländern besteht ein stark wach­­sender immenser Bedarf an Medikamenten. Die Men­­schen in diesen Ländern mit rasant wach­­sen­der Bevölkerung brauchen eben­so wie wir in den westlichen Industrie­­na­tio­nen inno­­vative Medika­mente und wollen ebenso am medizinischen Fort­schritt teilhaben. Gleichermaßen wichtig ist das Geschäft mit frei verkäuflichen Arzneimitteln (OTC) und Generika.

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Darüber hinaus setzt sanofi-aventis als internationales Pharmaunternehmen auf starkes Wachstum in den Bereichen Impfstoffe, Diabetes und Onkologie. Dia­­betes mellitus sowie seine Begleit- und Folgeerkrankungen sind ein besonderer Schwerpunkt, nicht nur in der Forschung und Entwicklung, sondern ebenso in der Produktion und Fertigung. Dieser Umstand geht zurück bis auf das Jahr 1923, in dem in Frankfurt-Höchst erste Schritte für eine erfolg­reiche Diabetes-Therapie unternommen wurden. Die Geschäftseinheit Diabetes ist sogar ein wichtiger Teil der weltweiten strategischen Neuaus­richtung des Pharmakonzerns.
Das Unternehmen setzt dabei auf flexiblere Strukturen, kleinere unternehme­ri­­sche Einheiten und eine stärkere Ori­­en­­tierung am Patienten sowie die vermehrte Öffnung zu externen Quellen und den Austausch mit wissenschaftlichen In­­s­ti­­tutionen. Ein Trend, der sich auch in anderen Bereichen der Ent­wick­lung neu­­er Medikamente beobachten lässt. Die Forschung und Entwicklung in Frankfurt-Höchst konzentriert sich dabei nicht nur auf Diabetes. Weitere For­schungs­­schwer­­punkte in Höchst sind unter anderem Alterserkrankungen, Schmerz und Osteo­arthrose (degenerative Gelenk­erkrankungen). Frankfurt-Höchst ist ein im Vergleich mit anderen Unternehmen außergewöhnlicher Ver­bund, denn hier werden von den ersten Forschungs­ansätzen bis zum Versand der Fertig­arzneimittel alle Produk­tions­­schritte umgesetzt und der deutsche Markt ebenso wie 85 weitere Länder welt­­weit mit Medikamenten versor­gt. Wenn die forschenden Pharma­unter­neh­men einige der hier genannten Grund­sätze be­­achten und sich zu ihren Forschungs- und Produktions­stand­or­ten bekennen, kann die Branche trotz ab­­laufender Pa­­tente optimistisch in die Zukunft blicken.

_HAU4252Der Autor ist Vorsitzender der Geschäfts­­führung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH und trägt seit dem Jahr 2004 die konzernweite Ver­ant­wortung für die welt­­weite Fertigung der Steril­produkte und Inhalations­präparate. Der promovierte Pharmazeut trat 1992 bei der Hoechst AG ein. Zuvor hielt er verschiedene Posi­­tionen beim Zentral­labo­­ra­to­rium Deutscher Apotheker.