Dr. Markus Söder, MdL: Heimat und Internationalität – Erfolgsrezept statt Widerspruch

Kaum eine deutsche Region wird international so mit regionaler Kulturtradition in Verbindung gebracht und geschätzt wie Bayern. Tradition und Innovation sind kein Widerspruch, sondern gehen in Bayern Hand in Hand.

 

Bayern ist ein starker Standort. Seit Jahren liegen der Freistaat und einzelne bayerische Regionen in internatio­nalen Vergleichen auf Spitzenplätzen, wie etwa aktuelle Studien der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) belegen. Bayern hat nicht nur eine starke Wirtschaft und eine hervorragende Infrastruktur, sondern insgesamt auch eine hohe Lebensqualität. Eine Zufriedenheits­studie der ARD hat bestätigt, dass die glücklichsten Menschen in Deutschland in Bayern leben. Mehr als 90.000 Menschen sind allein 2012 nach Bayern gezogen – Tendenz steigend. Dies ist ein weiterer Beleg für die Attraktivität und Stärke unserer Heimat. Bayern ist einmalig und einzigartig. Es ist eine Insel der Stabilität und zugleich Motor des Fortschritts. Bayern ist Freiheit und Geborgenheit, Heimat und Internationalität. Eigen­­schaften, die in ihrer Kombination den Erfolg Bayerns ausmachen.

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Das Bekenntnis und die Liebe zur Heimat sind grundlegend und unverzichtbar – und entsprechend fest ver­ankert in der Politik der Bayerischen Staatsregierung. Heimat ist der Gegenpol zur Globalisierung; Heimat ist im Trend. Aus unserer Herkunft und unseren Wurzeln schöpfen wir die Kraft zur Zukunft. Damit prägen wir das Gesicht Bayerns: aus der Verbindung von Heimat­liebe und Weltoffenheit, von Tradition und eben auch von Fortschritt.

Damit die entsprechenden Rahmenbedingungen gesichert und weiterentwickelt werden, hat die Bayerische Staatsregierung das Heimatministerium geschaffen. Es ist aus der Erweiterung des bayerischen Finanzministe­riums um die Zuständigkeiten für Landesentwicklung und Heimat entstanden und in seinem Zuschnitt als Zu­­kunftsministerium einmalig in Deutschland. Es hat – auch durch die Zuständigkeit für Digitalisierung – eine umfassende fach- und ressortübergreifende Koordi­nierungskompetenz.

Finanzministerium und Heimat waren schon immer eng miteinander verbunden, bei ihm liegt die Zuständigkeit für Bayerns Schlösser und Burgen. Sie sind Sinnbild unserer Heimat und Denkmäler von Weltruf. Mehr als 4,8 Millionen Menschen besuchten im vergangenen Jahr bayerische Schlösser, Burgen und Residenzen. Kern­aufgabe des neuen Heimatministeriums ist es, den in der Bayerischen Verfassung verankerten Auftrag der gleichwertigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in allen Landesteilen konsequent umzusetzen. Das heißt, wir wollen alle Teile und Regionen Bayerns gleichermaßen am erfolgreichen Weg des Freistaats teilhaben lassen. Wir wollen dabei insbesondere den ländlichen Raum weiter stärken und Chancengerechtigkeit in Stadt und Land. Die Menschen sollen gerade auch im ländlichen Raum gleiche Lebenschancen haben, zum Beispeil bei der Möglichkeit, weiterbildende Schulen zu besuchen oder einen Arbeitsplatz zu finden. Wir wollen kein Bayern der zwei Geschwindigkeiten. Konkret bedeutet dies vor allem, den digitalen Aufbruch voranzubringen, die notwendige Infrastruktur insbesondere zur Daseinsvorsorge vorzuhalten und dafür zu sorgen, dass „Arbeit zu den Menschen“ kommt. Straßen und Datenautobahnen sind die Lebensachsen des ländlichen Raums. Für den Aus­bau von schnellem Internet investiert die Staatsregie­rung 1,5 Milliarden Euro – die mit Abstand größte Summe deutscher Länder.

Wir wollen strukturschwachen Kommunen im ländlichen Raum noch besser helfen. Jede Kommune muss in der Lage sein, ihren Aufgaben zukunftsorientiert gerecht zu werden. Der kommunale Finanzausgleich 2014 in Bayern ist dafür mit der Rekordsumme von über 8 Mil­­liarden Euro einzigartig.

Speziell für den im Landesentwicklungsprogramm Bay­­ern 2013 festgelegten Raum mit besonderem Hand­lungsbedarf hat die Staatsregierung zudem bereits 2011 den „Aktionsplan demografischer Wandel“ ge­­startet. Auf diesen Raum vor allem in Nord- und Ost­bayern entfällt rund ein Drittel der Fläche Bayerns, hier wohnt jeder fünfte Bürger im Freistaat. Bayern investiert alleine mit dem „Aktionsplan Demografischer Wandel“ jährlich weitere 1,5 Milliarden Euro in die Stär­kung des ländlichen Raums.

Der Staat fördert gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Bayern außerdem auch durch eine gezielte Be­­schäftigungspolitik. Durch eine dezentrale Verlagerung von staatlichen Behörden und Einrichtungen in strukturschwächere Räume werden hilfsbedürftige Regionen gestärkt. Die Bayerische Staatsregierung steht zu ihren Städten und Gemeinden. Sie sind unsere Partner, dort sind unsere Werte und Stärken verankert. Sie prägen unser Bild von Heimat.

Heimat bedeutet in Bayern die Vielfalt aus Stadt – Land – Region. Diese Vielfalt wollen wir bewahren und ihre jeweiligen Stärken auch nach außen hin noch stärker ans Tageslicht bringen und gegenseitig vernetzen.

Die Europäischen Metropolregionen München und Nürn­berg verkörpern diese Verwurzelung und internationalen Flair, das Zusammenspiel aus Tradition und Moderne, die Kooperation von Stadt und Land; auf den Punkt gebracht als „Heimat für Kreative“ (Metropolregion Nürn­­berg) und Heimat für „Hightech, Handwerk, Hidden Champions“ (Metropolregion München). Dort verschmelzen hervorragende Infrastruktur, kulturelles Angebot und bayerische Lebensart mit einer internationalen Aus­­richtung und vielen internationalen Unternehmen.

Global Player findet man in Bayern aber auch dort, wo man sie nicht auf den ersten Blick vermuten würde. So ist Grafenau in Niederbayern untrennbar mit Baustoff­produktion verbunden, Rehau im Nord-Osten Oberfran­kens beheimatet Global Player im Industriesektor Auto­mobilzulieferer. Attraktive Standortfaktoren, wie niedrige Flächenpreise und Lebenshaltungskosten verbunden mit bayerischer Lebenskultur und einzigartigen Landschaften, sind Anreiz auch für internationale Un­­ternehmen sich hier niederzulassen; und Grundlage für motivierte, firmentreue Mitarbeiter.

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Der ländliche Raum birgt mit den jeweiligen regionalen Besonderheiten hohe Lebensqualität und ist mit einer Vielzahl an klein- und mittelständischen Unternehmen das Rückgrat der bayerischen Wirtschaftskraft. Hohe Innovationskraft und gute Exportquoten belegen den unternehmerischen Erfolg.

Heimat bedeutet in Bayern aber auch Offenheit und Toleranz. Nicht nur an unseren Landesgrenzen nach Tschechien und Österreich als unmittelbarer Kontakt zur internationalen Bühne. Wir sehen eine grenzenlose Zusammenarbeit als große Chance, darin liegen noch tiefergehende Potentiale.

Diese Aufgeschlossenheit haben wir aber auch innerhalb Bayerns. Wir sind uns des Vorzuges funktionierender Netzwerke zwischen Metropolen und Umfeld, zwischen verdichteten und ländlichen Regionen bewusst. Sie ver­einen und verstärken die jeweiligen Vorzüge gegenseitig. Sie sind zu einem wichtigen Standortfaktor in Bayern geworden. Unsere Vielfalt kommt durch sie erst so richtig zur Geltung.

Das Heimatministerium unterstützt die Eigeninitiative der Kommunen, eine regionale Identität und regionale Stärken von innen heraus zu entwickeln, um sie dann auch nach außen zu kommunizieren. Mit dem Regional­management gibt es ein flexibles, umsetzungsorientiertes Instrument der Landesentwicklung, das den Kommunen dabei zur Seite steht: regionale Netzwerke und Kreisläufe aktivieren, Antworten auf gemeinsame Zukunftsfragen erkennen, Chancen und Stärken weiter­entwickeln und Defizite mit innovativen Ansätzen be­seitigen. Auf 75 Prozent der Fläche Bayerns wurden seit 2007 Regionalmanagements mit rund 18,5 Millionen Euro gefördert. Regionalmanagements wurden vor allem im ländlichen Raum, aber auch als Partnerschaft zwischen ländlichem Raum und Verdichtungsraum oder grenzüberschreitend eingerichtet.

Heimat ist dort, wo es mir gut geht, wo ich gerne bin, wo ich mich wohlfühle. Heimat und Internationalität – für Bayern ist das klar ein Erfolgsmodell, das wir in Zukunft gezielt und mit gebündelten Kräften weiterentwickeln werden.

30000201_10_soeder_1Der 1967 in Nürnberg geborene Autor ist studierter Jurist und hat an der Fried­rich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg promoviert. Dr. Söder ist seit 1994 Mitglied des Bayerischen Landtags und seit 2007 Mitglied der Landesregierung, seit 2013 Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.