Dr. Maria Fekter: Österreich ist innovativ, wirtschaftlich stabil und profitabel für Investoren

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat welt­­weit große Herausforderungen mit sich gebracht und schonungslos Schwächen sowie Versäumnisse aufgezeigt. Über die engen Verflechtungen haben sich in kurzer Zeit die Wirtschaftsräume gegen­­seitig „angesteckt“. Vielfach wurden bereits erzielte Wohlstandsgewinne wieder zer­­stört. Das zunehmende Misstrauen auf den Finanzmärkten hat darüber hinaus den Kapitalfluss und die Investitions­bereitschaft eingeschränkt. Die größten Gefahren mussten durch umfangreiche Konjunkturpakete und vertrauensstärkende Maßnahmen abgewendet werden.

Durchstarten aus guter Position. Im Nachklang dieser turbulenten Ereignisse müssen nun die Weichen für neue wirtschaftliche Erfolge gestellt werden. Der Wachstumseinbruch in Österreich hat sich durch die Konjunkturmaßnahmen auf einen kurzen Zeitraum beschränkt und ist vergleichsweise mild ausgefallen. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt war auch in den schwierigen Zeiten stabil, mit knapp über vier Prozent weist Österreich innerhalb der EU eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten auf. Die Finanz­markt­­stabilisierung hat die Liquidität für Unter­­nehmen, insbesondere für heimische KMU, gesichert und das Vertrauen wieder hergestellt. Österreich weist bereits seit Ende 2009 wieder ein positives Wirt­schaftswachstum auf. Auch der Blick in die Zukunft verspricht ein weiterhin starkes „Comeback“: Mit rund drei Prozent liegt 2011 das realen Wachstum des Brutto­inlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent­­punkte deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone. Dieser „Konjunktur­rücken­wind“ wird auch weiterhin konsequent genützt, um das Budget zu konsolidieren und damit die Investitionssicherheit zu gewährleisten. Die Voraussetzungen dafür haben wir mit einer Haushalts­rechts­reform und einer Verschärfung des Öster­­reichischen Stabilitätspakts geschaffen, die für alle Regierungsebenen klare Ausgabengrenzen festlegen.

Portraitfoto-FBM-Dr--Maria-Fekter-KopieDie Autorin absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften und das Studium der Betriebswirtschaftslehre. Ihre bisherigen politischen Stationen führten sie vom Österreichischen Wirtschaftsbund über das Amt der Staatssekretärin im Bundes­ministerium für wirtschaftliche Angelegen­­heiten bis hin zur Bundesministerin für Inneres. Seit April 2011 ist Dr. Maria Fekter österreichische Finanzministerin.

Starker Standort als Wachstumsquelle. Diese erfreulichen Entwicklungen liefern die Basis für die Erschließung neuer Wachstumsquellen. Die Attraktivität und Innovationskraft des Wirtschafts­standortes Österreich sind dabei wichtige strategische Elemente unserer Wirtschafts­politik. Eine wesentliche Rolle spielen die Bereiche Forschung, Bildung und Innovation. Diese sind die Fundamente eines nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolgs. Bis 2014 stellen wir daher jährlich für die Forschungs­förderung zusätzlich 100 Millionen Euro bereit. Bestandteil ist dabei die Anhebung der Forschungsprämie von acht auf zehn Prozent der betrieblichen Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Damit können alle Unternehmen einen Teil des Risikos von innovativen Investitionen in ihre Produkte, Verfahren und Dienst­leistungen abdecken. Der bereits mit der Steuerreform 2009 umgesetzte ausgeweitete Gewinnfreibetrag für Unter­nehmen ist weiterhin gültig. Da gut ausgebildete Arbeitnehmer ein wichtiger Faktor für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sind, werden die jährlichen Bildungs­inves­ti­tionen bis 2014 um 160 Millionen Euro erhöht. Ein Ausbau der Ganztags­be­treuung sowie Infrastrukturverbesserungen für Universitäten und Fachhochschulen bilden hier den Kern der Maßnahmen. Zudem hat sich Österreich im Rahmen der Europa 2020 Strategie verpflichtet, die Gesamt­ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 3,7 Prozent des BIP zu erhöhen und den Anteil der 30 – 34-Jährigen mit höherem Bildungsabschluss auf 38 Prozent zu steigern. Unser Ziel ist klar: Österreich will zur Innovationspitze gehören. Dieses Vorhaben wird in der beschlossenen FTI- Strategie mit Schwerpunkten und Reformen für die nächsten Jahre untermauert. In einer aktuellen Erhebung der Europäischen Kommission reiht sich Österreich auf Grund einer überdurchschnittlichen Innovationsleistung bereits in die Gruppe der Innovationsverfolger ein. Als Stärke wird insbesondere die Innovationskraft der KMU angeführt. 


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 Vorsprung bleibt erhalten. Neben den zukunftsorientierten Maßnahmen werden in den kommenden Jahren auch Österreichs traditionelle Stärken weiter­­hin den heimischen Wirtschaftsstandort prägen. Mit einem BIP pro Kopf von rund 31.000 Euro liegt die Kaufkraft in Österreich im internationalen Vergleich in den vorderen Rängen. Dazu kommen eine hohe Lebensqualität durch ein viel­­fältiges kulturelles Angebot und ein hohes Sicherheitsniveau, geringe Büro­immo­bilienpreise in attraktiven Lagen sowie eine hohe soziale Stabilität. Eine exzellente Transport- und Kommunikations­infra­struk­­tur sowie ein hohes Maß an Energie­sicher­­­­­­heit garantieren reibungslose Abläufe. Über das duale Bildungssystem und die höheren technischen Lehranstalten werden angehende Fachkräfte optimal und bedarfsorientiert auf das Berufsleben vorbereitet. Unternehmen können daher in Österreich aus einem großen Pool an Qualifikationen schöpfen. Die hohe Rechts­­sicherheit und Transparenz der Gesetze erleichtern unternehmerische Entschei­dungen, bei der Durchsetzung von Ver­­trägen. Laut Doing Business Report 2011 der Weltbank nimmt Österreich eine Platzierung unter den Top 10 ein. Ein attraktives Steuersystem mit einem moderaten Körperschaftssteuersatz von 25 Prozent und der Möglichkeit zur Gruppenbesteuerung, das heißt des grenzüberschreitenden Gewinn- und Ver­­lust­ausgleichs, unterstützt Expansions­vor­haben und Kooperationen.

Wettbewerbsposition an der Spitze. Die moderate Entwicklung der Lohn­stück­­kosten wird sich laut Prognosen der euro­­päischen Kommission weiter fortsetzen. Bereits jetzt liegt die Arbeits­pro­duk­tivi­­tät je geleisteter Arbeitsstunde in Österreich rund 15 Prozent über dem EU Durch­schnitt. Diese hohe Wettbewerbs­fähigkeit spiegelt sich seit 2002 in Leis­­tungs­bilanz­­­­überschüssen von durchschnitt­­lich 2,2 Prozent wieder. Die beeindruckende Exportdynamik mit einem durchschnitt­lichen jährlichen Wachstum in den letzten zehn Jahren von sechs Prozent unterstreicht die Spitzenposition der österreichischen In­­­dustrie. Insbesondere die Bereiche Ma­­schinenbau, Elektronik und Umwelt­tech­­nologien erzeugen auf dem Weltmarkt gefragte Produkte. Leistungen dieser Art erfordern optimale Rahmen­bedingungen. In Österreich arbeiten wir daher laufend an effizienten Verwaltungs- und Infor­ma­­tionslösungen: Projekte wie das Unter­­nehmensserviceportal als „one-stop-shop“ für gesetzliche Meldeverpflichtungen oder Finanzonline zur elektronischen Abgabe von Steuererklärungen haben zur Vor­­bildfunktion Österreichs im Bereich des E-Gouvernment beigetragen. Ab 2013 wird zudem im Zuge der zweiten Etappe der Haushaltsrechtreform eine wirkungs­­orientierte Folgenabschätzung und die Evaluierung von Regelungsvorhaben ver­­pflichtend eingeführt. Mit der neuen Rot-­Weiß-Rot Card wurde ein kriteriengeleitetes Zuwanderungssystem realisiert, das eine effiziente Ergänzung des österreichischen Arbeitsangebots um qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten ermöglicht.

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Wertvoller Partner der CEE-Orien­tierung. Durch die fortschreitende euro­­päische Integration wird Österreichs Funktion als Drehscheibe und Head­quarter­­stand­­ort für wirtschaftliche Aktivitäten im dynamischen Wachstumsraum der CEE (Central Eastern Europe) Staaten weiter an Be­­­deu­­tung gewinnen. Für die kommenden Jahre werden dieser Region ein fortgesetzter Auf­­hol­­prozess und ein realer BIP Zuwachs von rund 3,5 Prozent prognostiziert. Öster­­reich zeichnet neben der eigenen Exper­­tise als Investor und «first mover» auch die historisch ge­­wachsene enge Ver­bun­den­­heit mit diesen Ländern aus. Viele Ar­­beits­­kräfte in Öster­­reich weisen auf Grund ihrer Herkunft Ostsprachen-Kennnisse auf. Nicht ohne Grund haben sich die ausländischen Direkt­­investitionen in Österreich als idealem Koordinationsstützpunkt seit der großen EU–Beitrittsrunde 2004 mit zuletzt rund 200 Milliarden Euro in etwa vervierfacht. Mehr als 1.000 internationale Unter­neh­­men steuern ihre Aktivitäten in Zentral- und Osteuropa bereits von Österreich aus. Eine große Zahl an be­­­stehenden Joint Ventures mit Unter­neh­­men der Region zeigt die gute gemeinschaftliche Arbeits­­­­­basis. Entscheidend dafür ist auch die ausgezeichnete Ver­­kehrs­­anbindung durch den leistungsstarken Flug­­hafen Wien. Der anvisierte Beitritt von Ländern wie Kroa­­tien oder Montenegro wird diesbezüglich zusätzliche Impulse verleihen und Chancen generieren.

Österreich und seine Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren durch Innovationskraft, Unternehmer­geist und Gestaltungswillen bestmöglich in Europa positioniert – einer Fort­setzung der rot-­weiß-roten Erfolgs­­­story steht somit auch in Zukunft nichts im Wege.