Dr. Klaus Harste & Dr. Paul Belche: Gekocht, geschmiedet und innovativ – Stahl der Premiumklasse von der Saar

Die beiden Saarhütten in Völklingen und Dillingen haben im letzten Jahr­­­­­­zehnt Ni­­schen gefunden, in de­­nen sie auf dem hart umkämpften Weltmarkt „Spitze“ sind. Stähle aus dem Saar­land sind mit­­tler­wei­­le international an­­er­kan­­n­­te Pre­mium-Produkte. Diese hel­­fen der AG der Dil­­lin­­ger Hüttenwerke sowie der Saar­­stahl AG ihre erfolgreiche Strategie nah an den Märkten und nah an den Kunden umzusetzen, weltweit. Die Dillinger Hütte nahm als Flach­stahl­her­­steller mit dem Schwer­­punkt Grob­bleche in der Stahlbranche schon im­­mer eine Sonderstellung ein. Ob für den Maschinen- oder Kes­sel­­bau, den Stahlbau, den Baumaschinen-Sek­­tor oder für die Offshore-Industrie und den Line­­pipe-Bau, die Hightech-Ble­che der Dil­­linger Hütte gehen heute in viele Groß­projekte rund um die Welt ein. Vom Shang­­hai World Financial Cen­­­­ter (China) über die Golden Ears Bridge in Vancouver (Ka­­nada), vom Viaduc de Millau in Frank­­reich über den Heron Tower in London bis hin zu Windkraft-Offshore-Anlagen wie Alpha Ventus vor der ostfriesischen Insel Borkum. Vor allem aber nimmt sie etwa durch ihre Qualitätslieferungen an das 50- prozentige Beteiligungs­unter­neh­­men Euro­­pipe (weltweit führender Her­­stel­­ler von Großrohren für den Transport von Öl und Gas) am allgemeinen En­­er­­­­­­gie­­­­boom teil.


GroßrohrEupec-klein

Vornehmlich wenn es um an­­spruchsvolle Leitungsrohre, beispielswei­­se in großen Meerestiefen oder in arkti­­schen Regio­nen geht. Es gibt weltweit praktisch kein in­­ter­­nationales Pipeline-Großprojekt, bei dem Dillinger Blech nicht zum Einsatz kommt. Die Saarstahl AG mit Sitz in Völ­­klingen und Standorten in Neunkirchen und Saar­­­brü­­cken-Bur­bach konnte sich als Lang­­stahlproduzent in den letzten Jah­­ren auf dem internationalen Markt vom tradi­­tionellen Mas­sen­hersteller zum Spe­­zia­­lis­­ten mausern. Saarstahl-Walz­pro­duk­­te gehen zu 60 Pro­zent in den Auto­mo­tive-Sektor, unter anderem als Reifen­draht, Schrauben oder Bolzen. Stahl aus Völklin­­­gen geht in Hightech-Produkte der Auto­­­mo­bil­in­dus­­trie und ihrer Zulieferer (etwa Com­mon-Rail-Systeme von Bosch Hom­­burg) ebenso ein wie in die internationale Raum­­fahrt (Ariane). Als ein besonderes High­light innerhalb des Saarstahl-Kon­­zerns gilt die Saarschmiede als Pre­­mium-Lie­ferant von Freiformschmiede-Stücken für den Energie-Sektor. Darüber hinaus wird die im Bau befindliche neue Frei­form­­­schmie­­de (Forge Saar) mit einer 12.000-Tonnen-Presse und zwei Mani­pu­­latoren die Völ­k­­lin­­ger Schmiede­kapa­­­zi­­tät verdoppeln und die heute schon herausragende Markt­­stell­­ung in­­ternational untermauern. Seit Mitte 2010 ist die neue Schmiede mit einem Investitions­volu­men von 450 Mil­­­­lio­nen Euro und 500 neuen Arbeits­plät­zen in Betrieb. Die unter­nehme­­rischen Kon­­zep­­t­­i­­onen der beiden Saar­­hütten sind mittler­­weile ziemlich ähnlich. Sowohl Saarstahl als auch die Dil­­lin­ger Hütte haben sich als Premium-Her­­­­steller etabliert, weg vom Massen­stahl hin zu hoch­­wertigen Spezialstählen mit immer an­­spruchs­­voll­­e­­ren Anwen­dun­­­gen. In­­ten­­sive For­­schungs- und Entwick­lungs­arbeiten flie­­ßen in beträchtliche Zu­­­­kunfts­­in­­ves­ti­tionen ein, um Produkte für die Märk­­te von morgen gemeinsam mit den Kunden zu entwickeln. Beide Un­­ter­­­neh­­men zu­­sammen realisieren von 2007 bis 2011 ein Investitions­vo­lu­men von über 800 Millionen Euro. Darunter sind wich­­tige Gemein­schafts­projekte wie die Sa­­nie­­rung der Zentralkokerei Saar GmbH (ZKS) (Er­­neuerung der dritten Koks­­batterie), der Bau des Gicht­­­gas­­kraft­­werkes sowie der Bau einer drit­­ten Koh­­lenmühle zur Er­­weiterung der Koh­­­­len­mahl­­anlage bei der ROGESA. Dabei wird besonderer Wert auf den Schutz der Um­­welt ge­­legt, mindestens ein Drit­­tel aller In­­ves­titionen wird dem Thema gewidmet.

10-Neues-Porschemuseum
Aufgrund ihrer unterschiedlichen Produkte treten Dillinger Hüt­­te und Saarstahl auf den Märkten ge­­trennt auf, suchen aber möglichst viele Ge­­mein­samkeiten zu entwickeln, um Syn­­­er­­gien zu heben. Das gilt für die ge­­mein­­­­samen Tochtergesellschaften Zen­tral­ko­­kerei Saar GmbH (ZKS) ebenso wie für die ROGESA Roheisengesellschaft Saar mbH, beide mit Sitz in Dillingen. Die wachsende Zusammenarbeit zwischen Dillinger Hütte und Saarstahl drückt sich auch in einer zunehmenden Verzahnung der Führungsebene aus. Arbeitsdirektor Dr. Karlheinz Bles­sing und Finanzchef Fred Metzken sitzen ebenso im Dillinger Vorstand unter der Leitung von Dr. Paul Belche wie auch im Völklinger Vorstand unter der Lei­­tung von Dr. Klaus Harste. Einen be­­­son­­deren Schwerpunkt beider Un­­ter­­neh­­men bildet die Ausbildung jun­­ger Menschen. Saarstahl und Dillinger Hüt­te wollen sich einen Stamm von qua­­lifizierten Facharbeitern für die Zukunft sichern. Beide zählen zu den mit Ab­­stand größten Ausbildungs­­be­­trieben an der Saar.
Da das Saarland eine Re­­gion mit großer Industrietradition ist, gelingt es der Saar-Stahlindustrie nach wie vor, viele junge Leute für sich zu gewinnen. Die Nach­­fra­­ge nach Lehr­stellen bei der Dillinger Hüt­­te und der Saarstahl AG ist nach wie vor sehr groß.


SAG_Werk_Neunkirchen_Garrethaspel_01

Die saarländische Stahl­­industrie hat sich strategisch für ei­­nen von internationalen Groß­kon­zer­­nen un­­­­abhängigen Weg ent­­schieden. Durch den Verkauf von mehr als 20 Prozent der Anteile an der DHS – Dillinger Hütte Saar­­stahl AG, Dillingen – sei­­tens des größ­­ten Stahlkonzerns der Welt, Arce­lorMittal, an saarländische An­­teils­eigner, haben die Luxemburger die vormalige nominelle Ak­­tienmehrheit an Dillingen verloren, sie hal­­ten nur noch 30,08 Pro­­zent der Anteile. Alle anderen Aktien der Saarstahl AG und der AG der Dillinger Hüttenwerke sind in saar­­län­di­scher Hand.

 

019Dr.-Ing. Klaus Harste hat in Clausthal studiert und promoviert. Zunächst wissen­schaft­lich an der Technischen Universität Claus­thal tätig, wechselte er 1989 zur AG der Dillinger Hüttenwerke und 2001 zu Saarstahl. Er ist seit 2009 Vorsitzender des Vorstandes der Saarstahl AG.

 

 

Belche-2Dr. rer. nat. Paul Belche trat nach dem Studium der Physik und der Pro­motion 1983 in die da­­malige Arbed-Grup­­pe mit Sitz in Lu­­xemburg ein. Seit 2005 gehört Belche dem Vorstand an und ist seit 2006 Vorsitzender des Vorstandes der AG der Dillinger Hüttenwerke.