Dr. Klaus-Dieter Pohl: Rundgang durch das Hessische Landesmuseum

Das Hessische Landesmuseum vereint die Kunst- und Kulturgeschichte sowie Natur­­ge­­schichte unter einem Dach. Es wurde von Großherzog Ludewig I. begründet, der seine natur- und kunst­­ge­­schicht­­lichen Sammlungen 1820 dem Staat übereignete – zur „Beförderung wahrer Auf­­klärung und Verbreitung nützlicher Kenntnisse“. Im Jahr 1906 wurde der heutige Museumsbau von Alfred Messel eröffnet.

Die Gemäldegalerie umfasst Werke altkölnischer und nieder­­rheinischer Schule, darunter Stefan Lochners be­­rühmte „Darbringung Christi im Tempel“. Die ältere mittelrheinische Malerei ist mit Altarwerken in einzigartiger Weise vertreten. Im Mittelpunkt der holländischen Malerei steht „Die Elster auf dem Galgen“ von Pieter Bruegel dem Älteren. 1924 gelangte eine Werk­­samm­­lung zu Arnold Böcklin in das Museum. In der Zeit nach 1945 wurde die Kunst des 20. Jahrhunderts gepflegt – unter anderem Corinth, Kirchner, Beckmann, Polke, Richter, Baselitz.


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Unter den Bildwerken der Skulpturensammlung ist die Kreuzigungsgruppe des Tilman Riemenschneider hervor­­zuheben. Für das 19. und 20. Jahrhundert stehen Werke von Klinger, Archipenko, Lipchitz und Arp im Zentrum. Der „Block Beuys“ – seit 1970 zunächst als Leihgabe im Museum – ist mit 290 Arbeiten von 1949 bis 1972 der größte bestehende Werkkomplex von Joseph Beuys. 2004 kam über eine Schenkung die Sammlung Simon Spierer mit 40 Skulpturen der Klassischen Moderne in das Museum.

Die Sammlung „Kunsthandwerk“ zeigt mittelalter­­liche Gegenstände aus Elfenbein und Edel­­metall, darunter frühmittelalterliche Diptychen, ein Täfelchen vom sogenannten Magdeburger Antependium und das Kuppelreliquiar vom Meister des Gregorius-Trag­­altars. Der Jugendstil kann mit den bedeutends­­ten Künstlern wie Olbrich, Behrens, Lalique, Gallé, Ashbee, van de Velde und Hoffmann gezeigt werden.

Die archäologischen Sammlungen umfassen Boden­­funde der Heimat und des Rheinlands. Eindrucks­­voll ist zum Beispiel das Figurenmosaik aus Bad Vilbel vom Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. Die Graphische Sammlung umfasst etwa 30.000 Blätter. Schon 1803 wurden Stiche und Holzschnitte von Dürer und Rembrandt erworben. Das 19. Jahrhundert wurde für die Darmstädter und süddeutschen Künstler gepflegt.

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Zu den deut­­schen Zeichnungen gesellten sich italienische, französische und niederländische des 16., 17. und 18. Jahrhunderts mit Werken von Michel­angelo und Botticelli. Grafik der Pop Art und Zeichnungen von Joseph Beuys stehen für das 20. Jahrhundert.

Den Sammlungen der Geologisch-Paläontologischen und Mineralogischen Abteilung sind die stratigraphische Sammlung und die Paläontologie – die fossile Funde be­­inhalten – sowie Funde aus der Grube Messel, wie das berühmte „Messeler Urpferd“, zuge­­ordnet. Die Mineralien­­sammlung enthält einmalige Stücke aus der Sammlung Ruppenthal. Den Schwer­­punkt der Zoologischen Schau­­sammlung bil­­den seit 1906 die einmaligen Dioramen. In zehn tiergeogra­­fi­­schen Gruppen wird die Verbreitung der Tiere über die Erde gezeigt. In diesen Gruppen sind Tiere eines ganzen Kontinents oder einer charakteristi­­schen Landschaft zusammengefasst. Hier in der Tierwelt schließt sich für den Rundgang der Kreis.

Wenn sich die Besucher vor den Objekten dieses Museums der natur-, menschheits- und kulturgeschichtlichen Ent­­wicklung bewusst würden – auch in Verbindung mit dem historischen Hintergrund, dann hätte das Hessische Landes­­museum auch im Sinne seiner Gründer seine Aufgabe erfüllt.

Pohl-14.9.10_12Dr. Klaus-Dieter Pohl, Jahrgang 1950, studierte Kunstgeschichte, Neuere Geschichte und Publizistik in Göttingen und Berlin. Er war anschließend für die Öffent­lich­­keits­­arbeit an der Nationalgalerie zuständig und promovierte 1986 an der Uni­­ver­­sität Osnabrück. Nach seinem Volontariat am Germanischen National­­museum Nürnberg war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Museum Berlin tätig. Seit 1991 ist Dr. Klaus-Dieter Pohl Kustos für Malerei und Plastik des 19. und 20. Jahrhunderts am Hessischen Landesmuseum Darmstadt.