Dr. Karl-Ludwig Kley: Weltweit unterwegs, in Darmstadt zu Hause

Deutschland ist allen Unkenrufen zum Trotz ein international bedeutender Stand­­ort in der Forschung und Entwicklung (F&E) neuer Medikamente. In den letzten Jahren haben die forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland stetig stei­­gende Beträge für diesen Bereich aufge­­wendet, jährlich mehr als fünf Milliarden Euro. Sie geben hierzulande also Tag für Tag 14 Millionen Euro für die Entwick­lung neuer Medikamente aus. Das zeigt, dass Deutschland für international agierende pharmazeutische Unternehmen nach wie vor ein wichtiger Standort ist. Für die deutsche Volkswirtschaft hat die Branche mit einer Nettowertschöpfung von über 100.000 Euro pro Mitarbeiter – so viel wie in kaum einer anderen Branche – einen bedeutenden Stellenwert. Die forschen­den Pharmaunternehmen haben immer wieder durch hohe Investitionen und das Schaffen neuer Arbeitsplätze bewiesen, dass sie auf den Standort Deutschland setzen.

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In einer globalisierten Welt, in der die Standorte im Wettbewerb miteinander stehen, ist dies aber nur möglich, wenn innovationsfreundliche und verlässliche Rahmenbedingungen gegeben sind. An Herausforderungen, vor denen die Branche in Deutschland, aber auch international steht, mangelt es wahrlich nicht: immer kompliziertere Gesundheitsreformen in immer kürzeren Abständen, die Konkur­­renz durch Generika, zunehmender Preis­druck oder gestiegene zulassungsrecht­liche Anforderungen an Sicherheit und nachgewiesenen Nutzen neuer Medi­ka­­mente. Für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland ist Forschung von zentraler Bedeutung, um international wettbewerbs­fähig zu bleiben und damit den Wohl­stand zu sichern.

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Ein deutsches Unternehmen, das von Forschergeist, Innovationsfreude und Schaffenskraft angetrieben wird, aber dabei nie seine Firmenkultur und seine Werte preisgegeben hat, ist Merck mit dem Stammsitz in Darmstadt. Neben der Produktion verschiedener Arznei­mittel und Chemikalien sind hier auch zahlreiche Abteilungen beheimatet, deren Mitarbeiter die Länder­gesell­schaften welt­­weit unterstützen und zentrale Dienst­leistungen erbringen. Einige Tochter­firmen sind ebenfalls ansässig: Merck Serono GmbH, Merck Consumer Health Care Holding GmbH, Merck Selbstmedikation GmbH und Merck Shared Services Europe GmbH. 2010 erzielte Merck Gesamterlöse von rund 9,3 Milliarden Euro; das operative Ergebnis betrug 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt arbeiten rund 40.000 Men­schen in 67 Ländern für die Merck-Gruppe. In Darmstadt arbeiten rund 8.900 Mitarbeiter, hinzu kommen mehr als 450 Auszubildende.
In seiner fast 350-jährigen Geschichte hat das Unternehmen stets die Balance zwischen Bewährtem und Neuem, zwischen Tradition, Fortschritt und neuem Denken gehalten. „Bewahren – verändern – wachsen“ sind denn auch die Grund­festen des Unternehmens, das heute als börsennotierter, globaler Konzern auf den Weltmärkten agiert. Die Merck’sche Unternehmenskultur fußt auf Werten, die für alle Mitarbeiter jederzeit verbind­lich sind: Mut, Leistung, Respekt, Verant­­wortung, Integrität und Transparenz sind der Kompass, an dem sich das wirtschaft­­liche und soziale Handeln des Manage­ments und der Mitarbeiter ausrichtet.

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Mit Geschäften in Chemie, Pharma und Life Science verfügt das Darmstädter Unternehmen nicht nur über profunde Expertise, sondern auch über hohes Synergiepotenzial. Die Geschäftsfelder besitzen viele Gemeinsamkeiten und befruchten sich wechselseitig. So agiert Merck sowohl bei Pharma als auch bei Chemie auf regulierten Märkten, die sich durch eine hohe Spezialisierung und Innovationsfreudigkeit auszeichnen. Mit der Akquisition des US-amerikanischen Life-Science-Unternehmens Millipore im Jahr 2010 sind weitere Synergie­effekte hinzugekommen, beispielsweise bei neuen Methoden zum gezielten Ein­­satz von Biopharmazeutika oder bei der Suche nach neuen Wegen in der biotechnologischen Produktion. Außer­dem ist Merck mit der Übernahme zu einem weltweit führenden Partner der Life-Science-Industrie geworden. Das Portfolio erstreckt sich nun von Labor­chemikalien bis zu Komplettlösungen zur Herstellung von biopharmazeutischen Arzneimitteln – insgesamt mehr als 40.000 Produkte und Verfahren. Ganz allgemein gesagt: Den Kunden werden Problemlösungen geboten und den Industriekunden Hightech-Produkte im Materialbereich geliefert.

In vielen Bereichen ist Merck führend tätig. Zwei Beispiele hierzu aus der Chemie: Bei den Flüssigkristallen, die in flachen Fernsehern, in Notebooks oder in Mobil­­­telefonen eine Schlüssel­rolle spielen, ist das Unternehmen Tech­no­logietreiber und Weltmarkt­führer. Die Wahrschein­lich­­­keit, dass in den attraktiven Flach­bild­schir­men der welt­­weit füh­­renden Display­­her­stel­ler dessen Flüssig­kristalle zum Einsatz kom­­men, ist hoch. Ein anderes Beispiel sind Perlglanz-Effekt­pigmente, eine hoch­spe­zia­­lisierte Nische des Pig­ment­markts, die zum Beispiel in Druck­­farben, Lacken, Kunst­stoffen sowie deko­­rativen und pfle­­gen­den Kos­metika Verwendung finden.

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Auch an neuen Technologien wird gearbeitet. Hierzu gehören beispielsweise Materialien für die Energiespeicherung in Hybridfahrzeugen, Produkte für die Fotovoltaikindustrie oder innovative Leuchtstoffe auf Basis von Leuchtdioden (LEDs) sowie von organischen Leucht­dioden (OLEDs). Letztere bestehen aus ultradünnen Schichten, die Licht aussenden, sobald man Spannung anlegt. Speziell um diese Innovationen weiterzuentwickeln, hat das Unternehmen im September 2010 für rund 50 Mil­li­o­nen Euro in Darmstadt ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für 340 Mit­arbei­ter in Betrieb genommen. Die beiden sechs­­geschossigen Gebäude sowie das Rein­raum-Technikum sind die bislang größte Einzelinvestition für Forschung und Ent­­wicklung in der Chemie.
In den beiden Pharmasparten wurden im Jahr 2010 rund 6,2 Milliarden Euro mit verschreibungspflichtigen und rezept­­freien Arzneimitteln umgesetzt (Chemie: rund 3,1 Milliarden Euro) – das sind rund zwei Drittel der Gesamt­erlöse.

Der Name Serono im Spartennamen ist eine Reminiszenz an den Kauf des Schweizer Biotechnologie­unter­nehmens Anfang 2007; dadurch wurde Merck zu einem weltweit führenden Biopharma­zeutikaunternehmen. Zum Portfolio der Sparte, die mit 92 Prozent den größten Teil des Pharmaumsatzes ausmacht, ge­­hören so bedeutende verschreibungspflichtige Medikamente wie Rebif und Erbitux: Diese kommen Patienten zu­­gute, die an Multipler Sklerose oder Krebs erkrankt sind. Darüber hinaus werden Arzneimittel zur Thera­pie von Unfrucht­barkeit, Wachstums­stö­run­gen, Herz-Kreis­­lauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen ange­­boten – Indikationen, die vor allem von Fachärzten betreut werden. Mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzes gene­­riert die Sparte Merck Serono mit bio­­tech­­­no­logisch hergestellten Medikamenten.

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Während die rezeptpflichtigen Produkte der Sparte Merck Serono helfen, schwerwiegende Krankheiten zu heilen und die Lebensqualität der Patienten zu ver­bes­­sern, zielen die Selbstmedikations­prä­pa­­rate der Sparte Consumer Health Care darauf, Erkrankungen vorzubeugen und leichte Beschwerden zu lindern.

Merck investiert kontinuierlich in die phar­­mazeutische Forschung und Ent­wick­lung: Im vergangenen Jahr waren das knapp 1,2 Milliarden Euro. Weltweit engagieren sich rund 3.000 Mitarbeiter dafür, neue Medikamente zu erforschen und zu ent­­wickeln – in erster Linie in Darmstadt, Genf und Boston. Zudem investiert das Unter­­nehmen an seinem Hauptsitz. In Darmstadt wurden 2010 insgesamt 609 Millionen Euro für For­schung und Ent­wick­­lung ausgegeben (44 Prozent der ge­­sam­­ten F&E-Ausgaben); die Investitionen in Sach­an­­la­gen betrugen 168 Millionen Euro (42 Prozent der Gesamtausgaben in Sachanlagen).

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Seine besondere Wertschätzung für den Standort Darmstadt zeigt das Chemie- und Pharmaunternehmen auch in der lokalen Verantwortung in den Bereichen Bildung, Kultur, Sport sowie in sozialem Engage­ment. Um den wissenschaft­li­chen Nach­wuchs besonders in den Natur­wis­­sen­­schaften zu unterstützen, veranstaltet Merck am Standort Darmstadt seit 15 Jahren gemeinsam mit der Stif­tung „Jugend forscht“ den hessischen Landes­­entscheid des bekanntesten Nach­­wuchs­wettbewerbs Deutschlands. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen seit vielen Jahren rund 40 Schulen rund um die Stand­­orte Darmstadt und Gerns­heim. Seit 2008 wird in Zusammenarbeit mit der Tech­nischen Universität Darmstadt das soge­­nannte Juniorlabor betrieben. In diesen neu geschaffenen Räumen an der Uni­ver­sität können Schüler von Grund­­schul­klassen bis zum Abitur unter Anleitung von Universitätsmitarbeitern und Chemie­­studenten auf über 200 Quadratmetern selbst experimentieren und die Welt der Chemie kennenlernen. Da Bewegung ein wichtiger Ausgleich zum beruflichen All­­tag ist, fördert das Unternehmen mehr als 150 Sport­ver­eine in Darmstadt und der Region. Um das sportliche und gemeinschaftliche Inte­r­­esse der Menschen aus der Region sowie das allgemeine Gesund­­heits­bewusst­sein zu steigern, unterstützt Merck unter anderem das jährlich im Darmstädter Herrngarten stattfindende Sport- und Spiel­­fest. Das Unternehmen fördert zu­­dem kulturelle Ver­­anstal­tungen in der Region in Zusam­men­­arbeit mit orts­­an­sässi­­gen Kultur­ein­rich­tungen, zum Beispiel der Central­­station. Zahlreiche Beispiele, die deutlich machen: Merck ist zwar weltweit unterwegs, aber in Darmstadt zu Hause. Hier kommen wir her, hier gehören wir hin.

02289HIGH_KLEY_PORTRAIT-KopieDer 1951 geborene Autor hat in München Jura studiert. Er war für die Bayer AG in verschiedenen leitenden Positionen tätig. 1998 wechselte Kley in den Vor­stand der Lufthansa AG. Im Jahr 2006 wurde er stell­­vertretender Vorsitzender und 2007 Vorsit­zender der Geschäfts­leitung der Merck KGaA.