Dr. Jürgen Wummel: Lebenselixier Wasser – Grundelement und Wirtschaftsfaktor!

Die Sachsen Wasser GmbH ist seit zehn Jahren als Berater und Betriebsführer international in bisher 28 Staaten er­­folg­­reich aktiv. Das 100-prozentige Tochter­­unternehmen der KWL-Kommunale Wasser­­werke Leipzig GmbH aus Leipzig hat sich auf kaufmännische und technische Dienst­­leistungen im Sektor Trinkwasser/Abwasser spezialisiert. Von Beginn an engagiert sich die Sachsen Wasser GmbH sowohl in von Dürre und Wasserarmut betroffenen Regionen als auch in politischen Krisen­­gebieten. In diesen Gebieten wird Hilfe zur Selbsthilfe dringend be­nötigt. So auch in Afghanistan, wo sauberes Trink­­wasser und die Reinigung des Abwassers noch nicht zum Alltag aller Menschen gehören.

Globale Verpflichtung heißt für das Leipziger Unternehmen, dort aktiv zu werden, wo der Mangel an Strukturen, Organisation, Fachpersonal, Technik und Geld täglich präsent ist. Wo eine extreme Wasserknappheit herrscht, stellen sich das Leben, die Gesundheit und die Ernährung der Menschen als stark gefährdet dar. In der Wieder­herstellung der Versorgung mit sauberem Trink­wasser, dem nachhaltigen Schutz der Ressource Wasser und der Reduzierung von Wasserverlusten sieht die Sachsen Wasser GmbH ihre Kernkompetenzen.

Die Verbesserung der Ver- und Ent­sor­gungssituation im Nahen und Mittleren Osten bildet seit vielen Jahren den Schwer­­punkt der internationalen Projekt­­arbeit – neben Afghanistan war das Unter­­nehmen in Ägypten, Kuwait, Palästina, Syrien, Jor­­danien, Pakistan, dem Libanon und den Vereinigten Arabischen Emiraten aktiv.

Wasser für den Hindukusch. Afghanistan zählt zu den ärmsten Ländern unserer Welt – die Spuren von 30 Jahren Krieg sind allgegenwärtig. Die Errichtung einer intakten Infrastruktur stellt eine grundlegende Voraussetzung für den Wieder­aufbau dar. Nur ein äußerst geringer, privilegierter Anteil der Kabuler Bevöl­ke­rung ist an das zentrale und auch nur sporadisch funktionierende Trinkwassernetz angeschlossen. Die meisten der knapp vier Millionen Ein­­wohner sind auf die rund 300 Brunnen im Stadtgebiet angewiesen. Die 2.500 Jahre alte Stadt verfügt zudem über kein Kanalnetz.

Versorgungsnotstand, Hygienemängel und Wasserverluste sind vorrangig die Folgen von Vernachlässigung der Instand­haltung, Wartung, Pflege und Reparatur wasser­­wirtschaftlicher Anlagen in politischen Krisengebieten – und genau hier setzten die Aktivitäten des Leipziger Unter­nehmens an: „Im Mittelpunkt unseres Engagements stand die Verbesserung der Versorgungs­­situation in Kabul. Unsere technischen und kaufmännischen Kompetenzen in Sachen Trinkwasser gaben wir an unsere Kabuler Kollegen weiter“, erklärt der Geschäftsführer der Sachsen Wasser GmbH, Dr. Jürgen Wummel.

Die Voraussetzungen für eine nachhaltige Trinkwasserversorgung zu schaffen – darin sahen die Sachsen Wasser GmbH und das Partnerunternehmen Rodeco Consulting GmbH ihre vorrangige Zielstellung. Das gemeinsame Projektteam unterstützte von 2006 bis 2009 im Auftrag der Wasser­­behörde Authority for Water Supply and Sani­­tation Afghanistan (AWSS) das Wasser­­ver­sorgungsunternehmen Kabul Water Supply (KWS) vor Ort als Berater und Betriebs­­führer bei dessen institutioneller Stärkung.

„Bei unserer Arbeit vor Ort war es wichtig, sich immer wieder auf die speziellen Bedingungen einzustellen, um einen nach­­haltigen Erfolg zu erzielen. Da einige Techniker und Handwerker nicht schreiben und lesen konnten, hatten es unsere Experten bei der Übermittlung einfachster Zusammenhänge teilweise sehr schwer. So entwickelten sie außergewöhnliche Trainings- und Beratungsmethoden: Sie erstellten ein Handbuch zur Pumpen­­steuerung mit bildlichen und farbigen (grün-gelb-rot) Handlungs­anweisungen“, berichtet Jens Liebelt, Projektmanager der Sachsen Wasser GmbH. Das Projekt, das von der KfW Bankengruppe finanziert wurde, umfasste ein Auftrags­­volumen von 1,5 Millionen Euro.

Instandsetzungsarbeiten an Wasserpumpen.

Instandsetzungsarbeiten an Wasserpumpen.

Entwicklung und Transformation. Auf dem internationalen Versorgungssektor sind die Erfahrungen der KWL-Gruppe im Rahmen der Modernisierung wasserwirt­­schaftlicher Anlagen sehr gefragt. Diese Erfahrungen wurden während des Trans­­formationsprozesses gewonnen, als das Unternehmen von einem staatlich kon­­trollierten Betrieb der DDR – ohne Zwang zu kostendeckendem Handeln – zu einer marktwirtschaftlich und kundenorientiert arbeitenden Unternehmensgruppe umgebaut wurde. Unter anderem werden diese Kenntnisse heute an internationale Auf­­traggeber vermittelt, die ähnliche Ent­­wicklungen durchschreiten.

Der kommunale Hintergrund der Sachsen Wasser GmbH, ihre regionale Ein­gebun­den­­­heit und ihre Kontakte zu wirtschaftlichen und politischen Auf­gaben- und Ent­schei­­dungsträgern wurden auch von den afghanischen Projekt­partnern sehr positiv bewertet. Die beratende Beglei­tung von Transfor­mations­prozessen inner­halb der KWS bildete eines der Haupt­tätig­keits­felder der Leipziger Experten vor Ort. Neben der Wiederinbetrieb­nahme und Aufrecht­erhaltung des Betriebs der wasser­­wirtschaftlichen An­­lagen zählen hierzu auch die Durchfüh­rung von Trainings­kursen für Ingenieure und Manager.

Zu den Leistungen der Sachsen Wasser GmbH gehörten im Einzelnen:

  • die Unterstützung der Geschäfts­führung bei der Bewältigung des Transforma­tions­­­prozesses von einer zentralen und hier­archischen Struktur zu einem dezentralen und marktorientierten System,
  • die Be­­ratung in den Bereichen organi­­satorische Neustruk­turierung, Personal und Unter­­nehmens­regle­­ment/Ver­gü­tungs­­­­­strukturen,
  • die Beratung und Weiterbildung des Personals zu Themen aus dem technischen Management, unter anderem Mess- und Zähler­wesen, Wasser­verlust­­­­­reduzierung, elektrische Systeme für wasser­wirtschaft­­liche Anlagen, Wasser­­güte und Qualitäts­management,
  • die Beratung und Weiter­bildung des Personals zu Themen der institutionellen Stärkung, unter anderem strate­­gische Geschäfts­planung und  Manage­­­­ment­informations­systeme,
  • die Ver­bes­serung des Anlagen­ma­­nage­­ments bei der Betriebsführung/Wartung der Wasser­­anlagen und des Rohr­­netzes einschließ­­lich Weiter­­­bil­­­dung des tech­­nischen Fach­­personals,
  • die Überwachung technischer Leis­­tungs­­­­parameter einschließlich der Berichter­stattung zu Leistungs­indi­katoren,
  • die technische Machbarkeits­analyse für die Erweiterung des Rohrnetzes,
  • die Orga­­nisation von Studienreisen für die Geschäftsführung von CAWSS, KWS und Repräsentanten des afgha­­nischen Ministeriums für Ent­­­wick­lungs­­­­­ zusammen­­arbeit nach Jordanien und Deutschland.

Qualifikation und Erfahrung. Im November 2007 veranstaltete das Unternehmen für führende Repräsentanten von KWS, AWSS und des afghanischen Ministeriums für Stadtentwicklung (Ministry of Urban Development Affairs, MUDA) einen Praxis-­Workshop in Leipzig. Zum Programm gehörten Seminare und Anlagen­besich­tigungen. Die Dozenten von der KWL-Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH und der Sachsen Wasser GmbH diskutierten mit den Teilnehmern Aspekte des Anlagen-, Grundwasser- und Kunden­­­manage­­ments, der Qualitätsprüfung sowie verschiedene Privatisierungs­modelle.

Die in Kabul stattfindenden Trainings­programme vermittelten den technischen und kauf­männischen Fachkräften von KWS das organisatorische Know-how im Bereich Betriebsführung mit den Schwer­­punkten Kostenrechnung und Effizienz­steigerung. Die angebotenen Kurse wurden sehr gut angenommen. Das Interesse am Fachwissen der Partner aus Deutschland ist außerordentlich groß. Mit Fleiß und Ehrgeiz werden die Trainingsergebnisse zeitnah in die Praxis umgesetzt.

Kooperation und Daseinsvorsorge. Für die Dauer des Projektes führte die Sachsen Wasser GmbH in Kabul ein eigenes Büro. Die Fachkompetenzen, ein anpassungsfähiger Umgang mit den besonderen Rahmenbedingungen vor Ort wie regio­nale Gegebenheiten, die Rücksicht auf religiöse Besonderheiten und der Respekt gegenüber fremden Kulturen sind die Grund­­lagen für die erfolgreiche Umsetzung solcher Projekte. Dies gilt nicht nur in Afghanistan, sondern auch in anderen Ländern.

Der Schutz der für den Menschen lebens­­notwendigen Ressource Wasser sowie eine zweckmäßige und effiziente Wasser­­wirtschaft sind für die langfristige wirtschaftliche, umweltbewusste und soziale Entwicklung krisengeschüttelter Regionen wie Afghanistan von existenzieller Be­­deutung. Das Engagement privater Unter­­nehmen in diesem wie anderen Bereichen spielt dabei für den dauerhaften Erfolg beim Wiederaufbau eine entscheidende Rolle.

09-07-06-Dr--Wummel-Kopie

Der Autor ist seit der Gründung des Unternehmens der Geschäftsführer der Sachsen Wasser GmbH mit Sitz in Leipzig. Davor war er als Prokurist der KWL-Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH zuständig für die technische Unter­­nehmensplanung und Unternehmens­entwicklung der KWL-Gruppe. Dem Wechsel nach Leipzig gingen berufliche Tätigkeiten in Köln, Düsseldorf und Essen voraus.