Dr. Jörg Mielke: Metropole Nordwest – Vernetzt handeln, erfolgreich wirtschaften

Wirtschaftsschwerpunkt maritime Wirtschaft: Neustädter Hafen in Bremen.

Wirtschaftsschwerpunkt maritime Wirtschaft: Neustädter Hafen in Bremen.

Metropolregionen gelten als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, so­­zia­­len und kulturellen Entwicklung. Sie sollen die Leistungs- und Wett­­bewerbs­­fä­­­­higkeit Deutschlands und Europas stärken. Die Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nord­­­­­westen ist 2005 als eine von elf Euro­­­­päischen Metropolregionen in Deutsch­­land von der Ministerkonferenz für Raum­ord­nung anerkannt worden. Doch dieses Netz­­werk wäre mehr als fünf Jahre nach der Vereins­­gründung ohne die ausgeprägte Bereit­­schaft zur Zusammenarbeit nicht so leistungsstark wie heute. In bundesweit ein­­­­zig­­­artiger Weise arbeiten Wirtschaft, Ver­­­­­­wal­­tung, Politik und Wissenschaft zu­­sam­­men, um gemeinsam die Metropole Nord­­west im internationalen Wettbewerb der Regionen aufzustellen und zu entwickeln.

Was haben die Menschen im Nord­wes­ten von ihrer Metropolregion? Durch aktuelle gesellschaftlich-ökonomische Ent­­wick­lun­­gen nehmen die wechselseitigen Ver­­­flechtungen zwischen Städten und ihrem Umland zu. Besonders deutlich wird das im Bereich von Wohnen und Arbeiten, in dem Arbeitsplätze in der Stadt und Woh­nungen in den Nachbargemeinden zu einem problematischen Pendler­auf­kommen und „flächenfressender“ Siedlungs­ent­wick­lung im Umland führen können. Die Stadt ist als zentraler Ort Imageträger für die gesamte Region und versorgt ihr Um­­land mit Leistungen zentraler Infra­­struktur­­einrichtungen insbesondere im Bereich Bildung, Kultur und Gesundheit. Sie verfügt zudem über ein vielfältiges spezia­­li­­siertes Arbeitsplatzangebot. Umgekehrt verfügt aber auch das Umland über attrak­­tive Arbeitsplätze und eine breit gefächerte Wirtschaftsentwicklung. Dar­­über hinaus bietet es Wohnorte, vielfältige Freizeit- und Erholungs­möglich­keiten und hält Flächenpotenziale bereit.

Um negative Entwicklungstrends für die Städte und die Region aufzuhalten, ist ein koordiniertes Vorgehen in gemeinsamer Verantwortung notwendig. Die gemeinsam abgestimmte Vorgehens­­weise in ausgewählten Handlungsfeldern ist das zentrale Anliegen der regionalen Koope­­­ration. Solch interkommunales Zusammen­­wirken wird als effektives Instrument angesehen, um anstehende Stadt-Umland-Probleme besser lösen zu helfen.

Arbeitsplätze und Lebensqualität als Standortvorteil. Die Metropolregion Bremen-Oldenburg bringt auf einer Flä­­che von etwa 13.749 Quadratkilometern rund 2,73 Millionen Einwohner unter ein gemeinsames Dach. Der Mensch im Nord­­westen hat nie kulturell, beruflich oder auf anderen Feldern Grenzen gezogen, wie sie verwaltungsjuristisch und politisch errichtet wurden. Er verhält sich schon seit Jahrzehnten so, als ob es seit eh und je eine Metropolregion geben würde. Für die Bürgerinnen und Bürger ist es letztlich entscheidend, dass sich die Metropolregion für ihre Interessen einsetzt und die Rahmenbedingungen für das Leben und Arbeiten im Nordwesten verbessert werden. An diesem Anspruch lassen sich die handelnden Akteure messen. Die Bildung effizienter Netz­werke sowie die konkrete Umsetzung vieler Projekte stehen hier als Beleg für das konkrete Zusammenwirken der unter­­schiedlichen Interessengruppen – zum Wohle der Menschen im Nordwesten.

LR_Mielke_offizielles_Foto_2012-KopieDer 1959 gebo­­­­rene Jurist war zwischen 1991 und 2013 zunächst als Rechts-amtsleiter und als Dezernent für Bauen, Umwelt, Kultur, Tourismus und zuletzt als Landrat des Kreises Osterholz tätig. Er war Vorsitzender der Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten e.V. und ist seit 2013 Staatssekretär in
der Staatskanzlei des Landes Nieder-sachsen.

Mitglieder des Vereins Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten sind elf Landkreise, fünf kreisfreie Städte beziehungsweise Stadtgemeinden, sechs Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die beiden Bundesländer Bremen und Niedersachsen. Vorstand und Metro­­polversammlung sind jeweils paritätisch mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie der beiden Länder Bremen und Niedersachsen besetzt. Die Interessen­­vertretung der Wirtschaft wird von den IHKs im Nordwesten organisiert, die zur weiteren Unterstützung den Förder­­verein „Wirtschaft pro Metropolregion e.V.“ gegründet haben. Diese starken Partner haben sich zum Ziel gesetzt, die Metro­polregion als innovative nationale und europäische Wirtschaftsregion aufzustellen und die regionalen Wachstums­­potenziale beziehungsweise Zukunfts­­felder zu stärken. Die beiden Länder Niedersachsen und Bremen, die Land­­kreise, Städte und Gemeinden im Nord­­westen arbeiten ver­­trauensvoll und in Augenhöhe fair zusammen. Neben Bran­­chen mit besonderem regio­­nalem Allein­­stellungsmerkmal wie der Ernährungs­wirtschaft und der Nutzung der Wind­energie auf See und an Land verfügt der Nordwesten über herausragende Kompetenzen in der Hafen­­­wirt­schaft und Logistik, der Luft- und Raum­­fahrt, dem Automobilbau, der Ge­­sund­­heits­wirt­­schaft und dem Tourismus. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Zu­­kunft ist die Vernetzung dieser Cluster mit der herausragenden Wissen­­schafts­landschaft der Region, um die regionale Innovationskraft zu stärken.

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Gemeinsam ist der Nordwesten stärker. Die Kooperation ist dabei der Schlüssel für die zukünftige Entwicklung. Seit der Gründung des Vereins Metropolregion Bremen-Oldenburg im Nordwesten sind viele Initiativen und gemeinsame Projekte entstanden, wie das Cluster­manage­ment der Ernährungswirtschaft „Food Nord­west“ oder die Netzwerke „Automotive Nordwest“ oder „Gesundheitswirtschaft Nordwest“. Mit dem Förderfonds der Länder Bremen und Niedersachsen und einem zusätzlichen Projektbudget stehen der Metropolregion Mittel zur finan­­ziellen Förderung von Kooperations­pro­jekten zu Verfügung.

Im europäischen Wettbewerb werden die Regionen als konkurrierende Raum­­größen inzwischen stärker wahrgenom­­men als bisher, so dass auch aus diesem Blick­winkel die regionale Kooperation zuneh­mend eine wichtigere Rolle einnehmen wird. Der Titel „Europäische Metropol­­region“ ist Ausdruck wirt­­schaft­­licher und politischer Entschei­­dungs­kompetenzen und steht für die Bedeutung der Region als wichtige Dreh­­scheibe für den Güter­­umschlag sowie den Waren­­handel von und nach Europa. Bewährte regionale Zusammenarbeit, hohe wissen­­schaftliche und kulturelle Innovationskraft sowie gute infrastrukturelle Anbindung kennzeichnen bei­­spiels­­weise die Metropol­­region Bremen-Oldenburg im Nordwesten.

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Lokale Unterschiede sind erlaubt. Die Zusammenarbeit in Metropolregionen bedeutet keineswegs die Aufgabe lokaler Identität. Gerade in der heutigen Zeit der Globalisierung, die gegenwärtig weit­­gehend geprägt ist von einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, ist es gut, wenn der Mensch einen „Kirchturm“ hat. Wenn respektiert wird, dass sich die Menschen im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung um die Angelegen­­heiten vor ihrer Haustür kümmern und sie regeln – dann ist diese Art des Kirch­­turmdenkens erlaubt und gewollt. Entwick­­lungshemmend wäre diese Denk­­weise nur dann, wenn für eine Problem­­stellung in der Region eine fachlich ver­­nünftige und gerechte Lösung gefunden würde, die Akteure im Anschluss aber ihre persönliche Präferenz geltend machten. Der Wettbewerb von Kommunen etwa um die Ansiedlung von Firmen wird weiterhin herrschen. Gerade weil es unterschiedliche Interessen gibt, ist die Klammer einer Metropolregion so wichtig. Meinungsverschiedenheiten oder Streitigkeiten unter einzelnen Akteuren stellen selbstverständlich nicht das ge­­samte Konstrukt in Frage.

Auch die Interessenvertretung der Region deutschlandweit und damit die Mög­lich­­keit zur Finanzierung von Projekten durch den Bund kann durch eine intensive Zusammenarbeit auf parlamentarischer Ebene und eine Abstimmung der Vor­­haben verbessert werden. Der erste Schritt war die Erarbeitung eines auf den hohen Wachstumsdruck der 90er Jahre reagierenden übergreifenden Regio­­nalen Entwicklungskonzepts (REK). Ziel dieses Entwicklungskonzeptes ist es unter anderem, angesichts leerer Kassen und abwandernder Bevölkerung zu koope­­rieren oder zum Beispiel öffentliche Aufgaben regional abgestimmt besser ausführen zu können. Außerdem erleich­­tert eine solche Zusammenarbeit auch die Interessenvertretung der Region gegen­­über Entscheidungsträgern in Bund, Ländern und Europa.

Bündelung von Kräften und Kapa­­zi­­­täten. Eine Metropolregion dient der Bündelung von Kräften und Kapazitäten und der Herausstellung dessen, was eine Region besonders gut kann. Zu­­sammen­­schlüsse wie die Metropole Nord­­west machen es überflüssig, auf bürokratischer Ebene ständig nach größeren Einheiten zu rufen. Die Metropolregion kann in den definierten Bereichen, die sie in wirtschaftlichen wie kulturellen Belangen und im Marketing nach Ab­­sprache mit den Bundesländern in der Satzung formuliert hat, alle Maßnahmen unterstützen, die mehr als einen Land­­kreis oder mehr als eine Stadt betreffen. Im Nordwesten wurde ein ge­meinsamer Wirtschaftsraum geformt, der sich selbst­­­bewusst dem internationalen Wett­­be­­werb stellt. Hier wird Innovation täg­­lich neu gelebt.