Dr. Herbert Hirschler: Unternehmen fördern und finanzieren – Kurze Wege zur Kreditförderung

Ohne Kredite kein Wirtschafts­wachstum! Wachstum basiert unter anderem auf der Investitions­freude von Unternehmen: die Behaup­tung am Markt, die Umsetzung neuer Ideen und die Ausweitung der Ge­­schäfts­­tätigkeit können aber oft nicht aus eige­­ner Tasche bezahlt werden, häufig wer­­den Bankkredite benötigt. Daher sind Kre­­dite nicht nur in Krisenzeiten ein Para­meter für Wirtschaftswachstum. Gerade Start-ups sind in der Gründungsphase auf eine breite Palette verschiedener Finan­­zie­rungs­­­möglichkeiten angewiesen; dies gilt gleich­­er­­maßen für den Mittelstand bei der Umsetzung seiner Ideen. Pass­genaue Finanzierungskonzepte sind letzt­­end­­lich ausschlaggebend für die wirtschaft­­liche Entwicklung der Unternehmen.

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Das Land Hessen, der Bund und die Euro­­päische Union unterstützen mittelstän­­dische Betriebe mit einer Vielzahl verschie­­dener Förderprogramme. Darunter finden sich auch öffentliche Bürgschaften, die wichtige Hilfestellung geben können. Aufgrund der Fülle der Förderangebote verlieren Unternehmen auf der Suche nach der idealen Lösung schnell die Orien­­tierung. Es ist daher wichtig, dass sich Unternehmen, aber auch Existenz­grün­­der, rasch über für sie passende Förder­­mög­lich­­keiten informieren und so die Versor­­gung ihrer Unternehmen mit Kre­­diten, Bürg­schaften, Zuschüssen und Beteili­gungs­­kapital deutlich verbessern können.
Es gibt für fast jeden Investitionsanlass, aber auch für die Betriebsmittel- und Eigen­­kapitalstärkung Fördermöglich­kei­ten. Mit ihrer Förderberatung hilft die Förder­bank des Landes Hessen, die Wirt­­schafts- und Infrastrukturbank Hessen, Unternehmen und Existenzgründern bei der Suche nach geeigneten Förderprogrammen.

Die Förderprogramme für die Wirtschaft werden im Regelfall durch die Hausbank vermittelt. Daher kann in einem persön­­lichen Beratungsgespräch bei der eigenen Hausbank schnell ermittelt werden, wie viel und wofür ein Unternehmen Geld bekommen kann und ob ein Antrag auf öffentliche Förderung Aussicht auf Erfolg hat. Selbst komplexere Projekte können so zeitnah beurteilt und je nach Vor­­be­­rei­tung auch schon im ersten Durchgang bis zur Entscheidungsreife gebracht wer­­den. Auf jeden Fall kann durch eine gezielte Be­­ra­­tung den Firmen dabei geholfen werden, das für den jeweiligen Finanzierungs­anlass zweckmäßige Programm zu finden.

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Das wichtigste Programm der Wirtschafts­­förderung in Hessen ist das Kreditpro­gramm Gründungs- und Wachstums­finan­­zierung. Damit sind Investitionen im Zu­­sammen­hang mit Existenz­gründun­gen, der Schaf­fung neuer sozialversiche­rungs­­pflichtiger Ausbildungs- und Arbeits­plät­­ze sowie Erweiterungs- und Festigungs­­inves­­titionen förderfähig.
Förderdarlehen aus dem Kredit­pro­gramm Gründungs- und Wachstumsfinan­zie­rung decken den Kapitalbedarf bestehender und neu gegründeter Unternehmen in Hessen bis zu einer Höhe von zwei Mil­­lio­­nen Euro. Voraussetzung ist, dass diese Investitionen einen nachhaltigen wirt­­schaft­­lichen Erfolg erwarten lassen. Auch Betriebsmittel können finanziert werden. Seit dem 1.1.2011 sind darüber hinaus Inves­titionen außerhalb Hessens finanzierbar, sofern der Antragsteller seit mindestens zwei Jahren seinen Sitz in Hessen hat, mit dem Förderdarlehen die Wettbewerbs­fähig­keit langfristig sichert und den Erhalt hessi­scher Arbeitsplätze gewähr­­leistet. Ebenso ist der Bau von Immo­­bilien mit anschlie­­ßender Vermie­tung oder Ver­­pachtung an Dritte zur Er­­haltung oder Schaffung einer so­­zialen Infra­struktur aus dem Programm förder­fähig.

Diese Förderdarlehen sind durch Mittel der KfW-Ban­­kengruppe refinan­­ziert. Die ohnehin schon güns­­tigen Darlehen wer­­den von der Wirtschafts- und Infra­struk­­tur­­bank Hessen zusätzlich mit einer Zins­­ver­güns­­ti­gung um 0,2 und in strukturschwachen Räumen sogar um 0,4 Prozent­­punkte ver­­billigt.

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Unternehmen der gewerblichen Wirt­schaft und freiberuflich Tätige mit bis zu 15 Be­­schäftigten können Kredit­­­mittel aus einem Kredit­­pro­­gramm „Kapital für Klein­­unter­­nehmen“ erhalten. Diese Finan­­zie­­rungs­mit­­tel sollen zur Verbes­serung der Finanzie­rungs­­struktur sowie der Liqui­­ditäts­­­situation bei den Unter­neh­men und Frei­­beruflern dienen und ihnen die Auf­­nah­me zusätz­­li­­chen Fremd­­kapitals ermöglichen.

Darüber hinaus gibt es Förder­­pro­gram­­me im Rahmen der Verbes­­serung der regio­­nalen Wirtschafts­struk­tur. Gefördert wer­­den hier­­bei gewerbliche Investi­tio­nen, die volks­­wirtschaftlich besonders förde­­rungs­­würdig sind, eine besondere An­­­­strengung des Betriebs erfordern und unter anderem im Zusam­men­­hang stehen mit der Errich­­tung oder der Erweiterung einer Betriebs­­stätte oder der Über­­­nahme einer stillgelegten oder von Stilllegung be­­droh­­ten Betriebsstätte. Mit den In­­ves­­ti­­tions­vor­­haben müssen neue Dauer­­­ar­­beits­­­plätze geschaffen oder vor­­han­­de­ne gesichert werden. Vorrangig werden hier Vor­­haben in bestimmten Gebieten Hessens – vor allem in Nord­­hessen – unter­­stützt.

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Mit der Messeförderung wird hessischen mittelständischen Unternehmen sowie Angehörigen freier Berufe die Beteili­gung an Messen und Ausstellungen, über­wie­­­gend auf schwierigen oder weit ent­­fern­ten Märk­­ten im Ausland ermöglicht. Diese För­­de­­run­­gen dienen insbesondere zur Erschlie­­ßung und Festigung neuer Märkte. Die Unterstüt­­zung von Beteiligungen an Messen und Aus­­stellungen im Inland und der Europäischen Union kommt in erster Linie dem Hand­­werk und Klein­betrieben mit bis zu zehn Be­­schäf­­tigten zugute. Ge­­fördert werden Gruppen von mindes­­tens drei Unternehmen. Interes­­­sierte Un­­ter­­neh­­men können sich an die zu­­stän­­di­gen Kammern und Verbände wen­­den. Die Vorhaben werden hessen­weit mit allen Akteuren abgestimmt.

Für Unternehmen in einer vorüber­gehen­­den finanziellen Notlage ist zu empfehlen, möglichst schnell den Dialog mit ihrer Hausbank zu suchen und offen über die betriebliche Situation zu sprechen. Denn nur, wenn sie gut informiert sind, werden Kreditinstitute bereit sein, auch Phasen rückläufiger Erträge und angespannter Liquidität zu begleiten. In der Praxis zeigt sich, dass es vielen Mittelständlern schwer­­fällt, eine strategische Kommuni­kation mit den Banken ohne Hilfestellung zu führen. Um aber weiterhin mit der Haus­­bank gut im Geschäft zu bleiben, müssen Betriebe ein stabiles operatives Ge­­­schäft beziehungs­weise die verläss­liche Aus­­sicht auf eine nachhaltige Bes­­se­­rung der Ge­­schäfts­si­­tu­­ation durch einen fun­­dier­­ten Businessplan nachweisen. Unter­neh­mer, die einen solchen Nachweis aus eigener Kraft nicht führen können, sollten schnellst­­­möglich Hilfe suchen.
Eine erste Anlauf­stelle für eine sol­­che Fragestellung kann die örtliche IHK oder Handwerks­kammer mit ihrem Berater­­netz­werk sein. Um Leistungs- und Wett­­­­­bewerbs­­fähigkeit zu verbessern, Grün­­dungen zu erleichtern und Ge­­ne­­rations­­­­wechsel zu sichern, werden nämlich auch Beratung und Schulung von kleinen und mittleren Unter­­nehmen ge­­för­­dert. In Hes­­sen gibt es eine Viel­zahl von Be­­ra­­­tungs­­stellen (zum Beispiel Kam­­mern, Ver­­bände und so weiter), die eine geför­­derte Bera­­tung durchführen können.

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Bei einer Kreditablehnung sollte ein Unter­­nehmer die Gründe dafür genau analysie­­ren und mit seinem Firmen­kun­­den­­berater be­­spre­­­­chen. Wenn die Kredit­­­­vergabe an mangeln­­den Sicher­­­heiten ge­­scheitert ist, könnten Ausfall­bürg­schaf­­ten eine Unter­­stüt­zung darstellen. Mit der „Bürgschaft ohne Bank“ können Bürg­schaften bis zu einer Höhe von 500.000 Euro direkt bei der Bürg­­schafts­­bank Hessen beantragt werden. Die Zu­­sage einer solchen Bürg­­schaft er­­leich­­tert der Hausbank die Kredit­ver­­gabe und stellt einen wichtigen Bau­stein für ein Finan­zie­­rungs­kon­­zept dar. Für Bürg­­schaften ab einem Bürg­schafts­­obligo von einer Million Euro ist die Wirtschafts- und Infra­­struk­­tur­­­bank Hessen Ansprech­­part­­nerin. Sie er­­arbeitet für den Bürg­­schafts­­­­aus­­schuss des Landes Hessen die Ent­­­­schei­­­dungs­­vorlagen, berät Unter­neh­men, Ban­­ken und Sparkassen bei der Antrag­­stellung und moderiert die unterschied­­lichen Interessen.

Es gibt noch eine ganze Reihe mehr an Fördermöglich­­keiten, die teil­­weise auch an bestimmte Gebiete ge­­knüpft sind, zum Beispiel an den ländlichen Raum. Hier öffnet sich ein weiteres, breit ge­­fächer­­tes Spek­­trum an Förderungen. Jedem interessierten Unter­neh­­men und jedem Existenzgründer sei daher die Förder­beratung der Wirt­schafts- und Infra­struk­­tur­bank Hessen an­­­­em­­­pfohlen, die im Auf­­trag des Lan­­des Hessen un­­ent­­geltlich durch die För­­der­­­mög­­lich­keiten lotst.

LTH_11_fertigDer Autor war von 1991 bis 1999 Vize­präsi­­dent des Re­­gie­rungsprä­si­­diums Darm­stadt und von 1999 bis 2004 Staats­­sekretär im Hessi­­schen Ministerium für Wirt­­­­schaft, Ver­­kehr und Landesent­wick­­lung. Er ist Spre­­cher der Geschäfts­lei­tung der Wirt­­schafts- und Infrastrukturbank Hessen, die 2009 aus der Fusion der Investitions­­bank Hessen und der von ihm seit 2004 geführten LTH – Bank für Infrastruktur hervorgegangen ist.