Dr. Harald Schöning: Der Software-Cluster – Innovationen rund um Unternehmenssoftware

Die Software- und IT-Dienstleistungsbranche ist in Deutsch­land seit Jahren ein starker Wirtschaftsfaktor, dessen Be­­schäftigungswachstum auch während der Wirtschafts­krise überdurchschnittlich hoch war. Insbesondere die Region Südwestdeutschland ist mit dem Software-Cluster ein zentraler Wachstumsmotor des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

 

11.000 Software-Unternehmen sind in der Region Süd­westdeutschland ansässig, die zusammen einen Jahres­umsatz von mehr als 25 Milliarden Euro erwirtschaften. Jeder fünfte Beschäftigte in der deutschen Software- und IT-Dienstleistungsbranche arbeitet rund um die Zentren der Softwareentwicklung Darmstadt, Kaisers­lautern, Karlsruhe, Saarbrücken und Walldorf. Nach aktuellen Rankings der Software und IT-Industrie haben elf der 25 größten deutschen Software-Unter­neh­men ihren Firmensitz in der Region Südwestdeutschland. Neben Unternehmen garantieren exzellente Forschungs­­einrichtungen im Cluster nachhaltiges Wachstum und Qualität.

Der Software-Cluster mit den vier Unternehmensnetz­werken in den Teilregionen (Nord-Baden, Rhein-Main-Neckar, Rheinhessen-Pfalz und Saarland) umfasst Uni­­versitäten, Fachhochschulen, Max-Planck-Institute, Fraun­hofer-Institute und u.a. zwei Standorte des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) mit mehreren tausend Informatik-Wissenschaftlern. Diese Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen sind international hoch angesehen. Das zeigt zum Beispiel der Informatik-Spitzenplatz in der Exzellenzinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Exzellenzcluster in Saarbrücken, Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzinitiative in Darmstadt und Saarbrücken, Exzel­­lenzuniversität Karlsruhe). Die Exzellenz in Informatik reicht innerhalb der genannten Universitäten lange zurück. Sie gehören zu den Gründern und damit Vor­reitern der Disziplinen Informatik und Wirtschaftsin­formatik an deutschen Universitäten. Renommierte For­­schungseinrichtungen sind im Laufe der Zeit um die Universitäten entstanden. Alle drei vom Bundesminis­terium geförderten Kompetenzzentren für IT-Sicherheit sind im Software-Cluster beheimatet.

Der Standort Südwestdeutschland ist damit eine wissensintensive Region, in der Software-Forschung, -Ent­wicklung und -Vertrieb Hand in Hand gehen und aufeinander aufbauen. Die starke akademische Welt mit Welt­klasse-Forschern und die kritische Masse an Software-Unternehmen aller Größenordnungen hat in der Cluster-Region ein Software-Ökosystem mit globaler Bedeutung geschaffen, das auch international ausstrahlt. Durch Neugründungen und Ansiedlungen von Wissenschaft und Wirtschaft wird die Leistungsfähigkeit der Soft­ware-Cluster Region kontinuierlich ausgebaut.

Innerhalb einer Cluster-Struktur werden Innovationen stärker vorangetrieben. Schnelle Kommunikation, inten­­siver Austausch und Wissenstransfer begünstigen den Fortschritt. Trends können schneller aufgegriffen und mit starken Partnern gemeinsam umgesetzt werden. Im Software-Cluster arbeiten Partner aus vier deutschen Bundesländern (Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland) zusammen, denn Netzwerke sind länderübergreifend. In jeder der vier Teilregionen existieren für sich genommen schon be­­deutende Cluster im Bereich IT und Software mit zum Teil wechselnden Schwerpunkten. Verbindendes Element der übergreifenden Cluster-Region ist aber die Kom­­petenz im Segment Unternehmenssoftware. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes werden mit Unternehmens­software und Business to Business-Lösungen erwirtschaftet. Die Innovationen im Segment der Unterneh­menssoftware haben dazu geführt, dass die Region allein 30 Prozent des Weltmarktanteils in diesem Seg­ment hält. Mit Fug und Recht wird die Cluster-Region damit als Wiege der Unternehmenssoftware bezeichnet. In ihr konzentrieren sich innovative Unternehmen sowie führende Informatik-Fakultäten und Forschungseinrich­tungen und machen sie, laut der EU-Studie „Truffle 100 European Clusters” aus dem Jahr 2010, zum Silicon Valley Europas.

Dies ist ein großer Erfolg für die Region, doch ist das Bestreben, weiter zu wachsen deutlich spürbar. Neu­gründungen und weitere Niederlassungen von IT-Unter­nehmen, die sich bewusst für einen Standort im Soft­ware-Cluster entscheiden, nehmen zu. Mit ihnen gibt es weitere Innovationsschübe und neue Kooperations­möglichkeiten. Das Ziel muss weiterhin sein, die Wett­be­­werbsstärke auszubauen, um auch in Zukunft Spitzen­­platzierungen zu erreichen und damit dem Wirtschafts­standort Deutschland zu stärken. Im Zuge der neuen Hightech-Strategie benennt die Bundesregierung „Indus­trie 4.0“ als zentrales Forschungsthema. Genau hierin liegen die Stärken des Software-Clusters. Durch Unter­nehmenssoftware unterstützt die Region die Vision „Industrie 4.0“, indem sie innovative Lösungen für bei­­spielsweise Prozessoptimierungen, Ressourceneffizienz oder Monitoring anbietet. Lösungen, die ihrerseits in den Branchen: verarbeitendes Gewerbe, Verkehr und Lagerei sowie Land- und Forstwirtschaft Anwendungen finden und damit weitere Wirtschaftszweige der Bun­desrepublik ankurbeln können.

 

Der Autor promovierte im Fachbereich Informatik an der Universität Kaiserslautern. Seit einigen Jahren ist er Head of Research der Software AG und aktuell Sprecher des Software-Clusters. Darüber hinaus ist er Mitglied im Board von NESSI (Networked European Software and Services Initiative), Sprecher des Software-Campus und Vorsitzender des BITKOM-Arbeitskreises „Industrie 4.0 – Markt und Strategie“.  Für die Europäische Kommission und mehrere deutsche Bundesministerien ist er als Experte und Gutachter tätig.