Dr. Hans E. Ulrich: Sport und Karriere

Fotolia_77446070_S_copyrightEin Leben nach dem Sport will gut überlegt sein. Doch vielen Athleten mangelt es an Orientierung im Berufsalltag, um effektiv an der Planung der „Karriere nach der Karriere“ zu arbeiten.

Winston Churchill machte es sich einfach, als er das geflügelte Wort „Sport ist Mord“ in die Welt setzte. Tatsäch­lich gel­­­ten viele Sportarten wie Fuß­­ball, Reiten oder Ski­­fahren als besonders ver­letz­ungs­­­­an­­fällig. An­­derer­­­­seits kommt dem Sport als Aus­gleich zur be­­­­we­gungsarmen mo­­­­der­­nen Ar­­­­beitswelt schon lange eine gesunderhaltende Funktion zu. Aber gerade im Hochleistungssport oder bei den professionellen Sportlern sind Verlet­zungen tatsächlich an der Tagesordnung. Bei einer Unter­suchung der Saar-Uni aus der Saison 2004/2005 wurde festgestellt, dass die Verletzungsrate bei allen Fuß­ball-Bundesligisten bei 83 Prozent lag (Tim Meyer)!

Kein Wunder ist es daher, dass eine Karriere als Leis­tungssportler schneller beendet sein kann, als sich das viele vorstellen. Aber selbst wenn die „Knochen“ halten, am Ende der Sportkarriere entsteht für die meisten ein Beschäftigungs- und Finanzierungsloch, das ohne früh­­zeitige Planung einer beruflichen Karriere danach in einem Desaster enden kann. Nur 10 Prozent aller Fuß­ballprofis können von dem Geld leben, das sie aufgrund ihrer Erfolge angespart haben. 25 Prozent haben da­gegen am Ende ihrer Karriere Schulden, so die Ver­ei­nigung der Vertragsfußballspieler (VDV). Und wer kein Profi wird oder in Randsportarten selbst als Olympia­sieger kaum Beachtung findet, muss ohnehin schauen, dass neben Training und Wettkampf Zeit und Energie für Ausbildung und Beruf übrig bleibt. 91 Prozent der A-Ka­der­­-Athleten der Deutschen Sporthilfe fühlen sich nicht gut genug auf die Zeit nach der Sportkarriere vorbereitet (Handelsblatt 10/2014).

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Bekannte Sportler wie Britta Heidemann oder Oliver Kahn schaffen es fast schon naturgemäß, ihre Sport­­lerkarriere nahtlos mit einer glänzenden Berufskarriere zu verweben. Unbekannte Spitzenathleten haben es jedoch sehr schwer, obwohl sich Leistungssportler aufgrund ihrer spezifischen Charaktereigen­­schaften und Persönlichkeitsprofile wie Dis­ziplin, En­­gage­­ment und Sozial­kom­pe­tenz für einen Job in der Wirtschaft, wie die EBS Uni­ver­­sität in einer Unter­su­chung mit über 1.000 Sportlern (Oe­­­strich-Win­­kel 2013) festgestellt hat, besonders empfehlen. Die meisten träumen je­doch von einer Tätigkeit im Sport­management, am liebsten bei Bayern München oder Schalke 04.

Dass diese Arbeitsplätze rar gesät sind und in der bun­­des­­deutschen Sport­­­­­­­­­­ver­eins­­­land­schaft eher sel­­ten zur Ver­fügung stehen, hängt im We­­sent­­lichen damit zu­sammen, dass die meis­­ten der circa 90.000 Sport­vereine in Deutsch­­land ein­fach zu klein sind, um sich einen haupt­amt­­lichen Sportmanager zu leisten. Im Freiburger Kreis, dem größten Zusammen­schluss von deutschen Sportvereinen, sind nur 154 Vereine re­­gistriert, die sich einen bezahlten Geschäftsführer leisten können. Die Proficlubs im Fußball, Eishockey, Basket­­ball und Handball dagegen be­schäf­­tigen annähernd 50.000 Personen. Vieles spricht dafür, dass auch in den deutschen Ama­teur­vereinen professionelles Denken und Handeln Einzug hält. Die Anforderungen der Mit­glieder an Komfort und Qualität der Vereinsangebote wachsen diametral zur nachlassenden Bereitschaft, sich selbst ehrenamtlich in der Vereinsarbeit zu engagieren. Der Ver­­ein wird mehr und mehr als „Dienst­leister“ gesehen. Be­­triebs­wirtschaftliches Know-how ist notwendig, um einerseits die knappen Mittel ökonomisch sinnvoll einzusetzen und andererseits mehr Mittel, zum Beispiel durch Ak­­qui­sition von mehr Zu­­schüssen, Sponsorengeldern, Marketingmaßnahmen und ggf. auch durch Merchan­dising, Fundraising u. ä., zu gewinnen.

Sportmanager oder Vereinsmanager heißen die Er­­folgs­bezeichnungen von Aus- und Weiter­­bil­dungs­angeboten, die über die Landessportbünde und private Bildungs­institute angeboten werden. Die Hoch­­schulen des Lan­des NRW, allen voran die weltweit bekannte Deutsche Sporthochschule in Köln, aber auch die erst 2013 gegründete Düsseldorfer IST-Hoch­schule für Manage­ment sind führend auf dem Gebiet von grundständigen akademischen Qualifizierungen im Bereich Sport­wis­senschaft und Sportökonomie. Die IST-Hochschule auch deshalb, weil sie auf einem Fun­dus an diversen sport­spezifischen Weiterbildungen auf­­baut, die vom IST-Stu­dieninstitut seit 1989 im Bereich des Sportma­nage­­ments, Sportmarketings, Sport­spon­sorings bis hin zum Fußballmanagement und zum Golf­­betriebsmanager angeboten werden. Der große Erfolg des IST gerade im Sport hängt auch damit zusammen, dass dort eine von der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht in Köln kontrollierte Fernausbildungsmethode Verwen­dung findet, die geradezu ideal auf die Bedürfnisse von Leistungs­sportlern ausgerichtet ist. Die Kombination von Fern­lehrheften und variablen Se­­­­­minar­angeboten er­­weist  sich für Teilnehmer, die feste Trainingszeiten haben, Wettkämpfe im In- und Ausland absolvieren müssen und zudem häufig auch noch beruflich engagiert sind, als herausragende Lehr­­methode, die ein flexibles Ler­­­­nen zu den Zei­­ten ermöglicht, wo sich Gelegenheiten bieten. Egal, ob am Abend oder am Wochenende, in der Bahn, am Flughafen oder im Urlaub.

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Zahlreiche Sportler, auch namhafte wie Michael Preetz oder Fredi Bobic, haben in ihrer beruflichen Karriere da­von profitiert. Der Beach­volley­­ball-Olympiasieger Julius Brings war einer der ersten, der sich als Student der IST-Hoch­­­­schule für den Bachelor-Studiengang „Sport­busi­ness-Management“ einschrieb. Er profitiert von der Weiter­­entwicklung der Lernme­thoden beim IST. Neben Stu­dien­­heften und Seminaren gibt es jetzt noch Online-Vor­lesungen und Online-Tutorien, die dem Lern­enden die Möglichkeit geben, interaktiv den Lernerfolg zu über­­prüfen bzw. im virtuellen Klassenzimmer den Professor zu befragen. Auf dem Campus der Schwanenhöfe in Düs­­seldorf betreibt das IST sogar ein eigenes Filmstudio, wo neben den Vorlesungen auch Lernvideos hergestellt wer­­den, die den Studenten zur Verfügung gestellt werden.

Möglichst flexibel zu lernen, ist sicherlich ein Kenn­zeichen des Studienangebots. Doch ein Studien­ab­schluss bedeutet noch keine Berufskarriere. Vor allem der B­­e­rufseinstieg gilt als schwierig. Bei einem IST-Sport­kon­gress zum Thema „Einstieg in die Sportbusiness-Branche“ hatten kürzlich ca. 100 Teilnehmer die Gelegenheit, von Praktikern aus der Vereins- und Agenturlandschaft Tipps zur Karriere in diesem Berufsfeld zu bekommen. Ei­­nige nutzten auch die Möglichkeit zum Speed-Dating mit potenziellen Arbeitgebern. Und wer keine Zeit hatte nach Düsseldorf zu kommen, der konnte mit Hilfe des On­­line-Streaming vom eigenen Ar­­beits­­zimmer bzw. mobil an der Ver­­an­­stal­tung teilneh­­men. Rund 1.000 Per­­sonen nutzten diese zeit- und geld­­spa­­rende Inno­­va­­tion, um sich über Verdienst­­­­­­chan­­cen von Sport­­mana­gern, Zu­­kunfts­­märkte im Sport­­­bu­siness und er­­folg­­reiches Net­­worken zu informieren.

Doch Netzwerke sind nicht alles. Die Deutsche Sport­­­­hilfe versucht zwischen Unter­­­­nehmen und Spitzen­sport­­lern zu vermitteln. Soge­nannte Men­­toren-Paare werden zu­­sam­­mengestellt. Doch wie im rich­­tigen Leben funk­­tioniert Ver­­kupplung nicht im­mer so gut. Erst ein Pärchen hat sich bis jetzt gefunden. Die große Liebe hat wohl ihre eigenen Gesetze.

Foto-®Anké-Hunscha-kopierenDr. Hans E. Ulrich
Der Autor ist promovierter Sport- und Sozialwissenschaftler und gründete 1989 das IST-Studieninstitut. Seit 2013 ist er darüber hinaus Präsident der staatlich an­­erkannten IST-Hochschule für Management in Düsseldorf. Innovative und flexible Bildungsangebote sowie eine Fokussierung auf spannende Zukunftsbranchen zeich­­nen beide Unternehmen seit jeher aus. Mit seinem Buch „Freizeit und Rendite“ setzte Ulrich Maßstäbe für die betriebswirtschaftliche Ausrichtung von multifunk­tionalen Freizeitanlagen.