Dr. habil. Henry Hasenpflug: Die Region Dresden baut aus

Auf neuen Wegen nach Osten – Zur Entwicklung der Verkehrsinfra­struktur im Direktionsbezirk Dresden
Der bedarfsgerechte Ausbau der In­­fra­struktur aller Verkehrsträger ist von zen­­traler Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Als Plan­­feststellungsbehörde und als Bewil­li­gungs­­stelle bei der Förderung von Ver­­kehrsvorhaben ist die Landesdirektion Dresden an der Entwicklung der Ver­kehrsinfrastruktur im Direktionsbezirk Dresden mit beteiligt und übernimmt dabei eine Bündelungsfunktion.

Der Bund und der Freistaat Sachsen se­­hen sich insbesondere für die grund­­le­gen­­­de verkehrliche Erschließung der Re­­gion in der Pflicht. Dabei erlangt die grenz­­überschreitende An­­bindung Ost­­sachsens nach Polen und Tschechien, ge­­rade auch als Aspekt wach­­sender wirt­­schaftlicher Ver­net­zung und Ab­­hän­­gig­keit, zunehmendes Gewicht.

Die konzeptionelle Basis für den Aus- und Neubau der Bundesfernstraßen, der Schienenwege des Bundes und der Bun­­deswasserstraßen bilden der Bundes­verkehrswegeplan 2001–2015 (BVWP), die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit und der Landesentwicklungsplan des Freistaates Sachsen. Ein alle Verkehrs­träger umfassender Inves­ti­tions­rah­men­­plan legt ergänzend die mittelfristige Investitionsstrategie des Bundes zur Umsetzung der Verkehrspolitik für die Jahre 2006 bis 2010 fest und schafft für die Bundesländer die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit.

S-Bahn-vor-Bergkulisse

Nach dem aktuell geltenden BVWP ent­­fallen im Direktionsbezirk Dresden auf Bundesautobahnen und Bundes­stra­ßen im vordringlichen Bedarf sowie im weiteren Bedarf dreißig Vorhaben mit ver­­an­­schlagten Gesamtkosten von et­­wa 626 Millionen Euro. Bei diesen Maß­­nah­­men handelt es sich im Wesentlichen um den Bau von Ortsumgehungen und den Aus­­bau von Autobahn­an­schluss­stel­­len. Ziel der Maßnahmen ist die Be­­sei­ti­gung von Verkehrsengpässen und die Er­­schlie­­ßung strukturschwacher Re­­gio­­nen. Gleich­­zei­­tig öffnet oder verbessert ein erheblicher Teil der Vorhaben Mög­­lichkeiten des re­­gionalen Grenzverkehrs zwischen Sach­sen, Nordböhmen und Niederschlesien oder stellt Anschlüsse an große überre­­gionale Verkehrs­ach­sen her.

Schon in der Vergangenheit zielte eine Reihe von Vorhaben, die die Landes­di­rektion beziehungsweise das Re­­gie­rungs­­­präsidium Dresden als Plan­fest­stel­lungs- und Förderstelle begleiteten, auf die ver­­kehrliche Öffnung des Lan­des über seine östlichen Grenzen hinaus. Exemplarisch dafür ist der Neubau der Bundes­auto­bahn A 17.
Auf deutschem Gebiet hat die Schnell­­straße von Dresden nach Prag eine Län­ge von 44,6 Kilometern, für die das Dresd­ner Re­­gie­­rungspräsidium das Plan­­­fest­­stel­lungs­verfahren durchgeführt hat. Die Verkehrsfreigabe erfolgte am 21. De­­zem­­ber 2006. Damit war eines der be­­deutendsten Verkehrs­­pro­­jekte in der Re­­gion zum Abschluss ge­­bracht worden: Angefangen von der Vor­­ent­wurfs­pla­­nung im Jahr 1995 über den Plan­fest­­stel­lungs­­beschluss im Jahr 2003 bis zur Freigabe hat das Vorhaben das Re­­gie­rungs­prä­si­dium Dresden mehr als zehn Jahre be­­schäftigt.
Auch der bereits dem Verkehr übergebene Abschnitt 1.2 der B 178n zwischen Nostitz und Löbau ist Teil einer wichtigen Verbindung zu den östlichen Nach­­barn. Die Fernstraße wird nach ih­­rer Fer­­tigstellung den gesamten südostsächsischen Raum zwischen Zittau und Löbau an die BAB 4 anbinden und gleich­­zeitig den Anschluss nach Libe­rec und weiter nach Prag herstellen.
Ein weiteres Beispiel der über die Re­­gions- und Landesgrenzen hinaus wirk­samen infrastrukturellen Auf­wer­tung der Region ist der Neubau einer Start- und Landebahn für den Dresdner Flughafen. Im Zuge der Realisierung die­­ses Vor­ha­bens im Jahr 2007 wurde die Piste bei laufendem Flugbetrieb verlegt und verlängert. Das erforderliche Plan­fest­­stell­ungsverfahren führte auch in diesem Falle das Dresdner Re­­gie­rungs­präsidium durch. Der Airport in Dres­den entfaltet inzwischen auch Anzie­hungskraft für Fluggäste von jenseits der Landesgrenzen. 2008 wurden dort fast 37.000 Flugbewegungen re­­gis­triert. Mit 1,86 Millionen Fluggästen erzielte der Dresdner Flughafen dabei im vergan­­genen Jahr erneut einen Re­­kord bei den Passagierzahlen.


Hybridbus-vor-Semperoper

Hinsichtlich ihrer Bilanz im Dienste der Verkehrsinfrastruktur der Region kann sich die Landesdirektion Dresden aber auch mit ihren Leistungen in jüngster Vergangenheit sehen lassen. In den Jah­­­­ren zwischen 2006 und 2008 ha­­ben die Landesdirektion Dresden be­­ziehungs­wei­­se die Vor­gängerbehörde, das bis Juli 2008 bestehende Regierungs­prä­si­dium Dres­­den, in der Region unter an­­derem für folgende Vorhaben durch Plan­­­fest­stel­­­­lungs­­beschlüsse Baurecht ge­­schaffen:

• Bundesstraße 96/Bundesstraße 6 – West­­­­tangente Bautzen: Diese Maß­nah­me zielt auf die Verlagerung des Durch­­­­gangs­­­­verkehr aus der Bautzener In­­nen­­­stadt und führt zu einer Wei­ter­­ent­­wicklung des Stadtrings.
• Neubau Staatsstraße 106, Süd­um­ge­hung Bautzen: Damit gelingt die Ver­knüpfung der auf Bautzen zulaufenden Staats- und Bundesstraßen durch ei­­nen Straßenring und ein schnellerer Auto­bahnzugang.
• Bundesstraße 98, Ortsumfahrung Bi­­schofswerda: Das Vorhaben verspricht eine leistungsfähige Verbindung zwischen Kamenz, Sebnitz, Neustadt und Bischofswerda, garantiert zudem eine schnellere Anbindung der Sächsischen Schweiz an BAB 4.
• Neubau der Bundesstraße 178n, Ab­­schnitt 3.1 zwischen Löbau und Ober­­­­cunnersdorf: Der abschnittsweise er­­folgende Neubau dieser in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Fernstraße ist von überragender Bedeutung für den ostsächsischen Raum; die Trasse bin­­det das Dreiländereck an das deutsche Autobahnnetz an und erschließt da­­bei insbesondere auch den nordböhmischen Raum.
• Neubau der Staatsstraße S 127b, Zu­­brin­­­­­­ger und Grenzübergang Krau­­sch­­witz: Da­­­mit gelingt die Entlastung des in Bad Muskau gelegenen Grenz­­über­gangs, mit­­­­hin die Verbesserung der regionalen Ver­­­kehrsanbindungen von der und in die Republik Polen.
• Ausbau der Bundesstraße B 170 südlich Dippoldiswalde: Leis­tungs­fä­hig­keit und Verkehrssicherheit der Bun­­des­­straße, die als Eu­­ro­­pastraße E 55 eine der wichtigen Ver­­­bindungen der Grenzregion südlich von Dresden mit dem Autobahnnetz anbietet, werden deutlich verbessert; gleich­­zeitig er­­folgt die Anpassung an den er­­­­forderlichen Hochwasserschutz.
• Ausbau der B 156 zwischen Bautzen und der ehemaligen Kreisgrenze Ka­­menz zur Stärkung der Verkehrs­ver­­bindung Baut­­zen – Hoyerswerda und weiter nach Bad Muskau.
• Ausbau der B 115 Görlitz – Cottbus in und südlich von Weißkeißel: Verkehrs­ströme, die aus dem Süden durch die B 178 zunächst bis zur BAB 4 bei Wei­ßenberg geführt werden, kann die leis­tungsfähigere Trasse aufnehmen und als Querspange zu BAB 15 weiterleiten.

A17-Plauenscher-Grund

Gegenwärtig werden für insgesamt 68 weitere Vorhaben Anträge auf Plan­fest­­stellung in der Landesdirektion Dres­­den bearbeitet. Unter diesen Vorhaben sind wieder einige, die auch auf eine bessere infrastrukturelle Vernetzung mit den osteuropäischen Nachbarn zielen.

So läuft für die bereits mehrfach er­­wähn­­te B 178n nun die Planfeststellung für die Abschnitte 3.2 und 3.3, mit denen unter Umgehung des Nadelöhrs Herrn­hut die Neubautrasse bis nahe an Zit­tau heran verlängert werden soll.
Auch für eine neue Erdgasfernleitung, die Sachsen von Nord nach Süd queren soll, ist die Landesdirektion Dres­den als Planfeststeller gegenwärtig tä­­tig. Die­ser OPAL (Ostsee-Pipeline-An­­bin­­dungs-Lei­­­­tung) genannte Energie­strang soll künf­­­­tig dafür sorgen, dass Erdgas aus Russ­­land, unter Umgehung störanfälliger Land­­transite, durch die Ostsee direkt bis nach Deutschland und von dort weiter nach Süd- und West­europa strömen kann. Das Vorhaben hat mithin für die Sicherheit der Ener­gieversorgung der ge­­samten Euro­pä­­­ischen Union Be­­deu­tung.
Aber nicht nur im grenznahen östlichen, sondern auch im westlichen Teil des Di­­rektionsbezirkes beteiligt sich die Lan­desdirektion Dresden mit laufenden Plan­­­­feststellungsverfahren an den Vor­be­rei­­tungen für weitere wichtige Ver­bes­­se­­run­gen der Infrastruktur. Bei­­spiels­­weise kann mit der abschnittsweisen Plan­­fest­­­­stellung für den Neubau der B 169 zwi­­schen Riesa und der BAB 14 für eine leis­­tungsfähige Anbindung der ge­­samten Wirt­­schaftsregion Riesa an das europäische Fernstraßennetz gesorgt werden.

Mobilität wirtschaftlich und ökologisch organisieren – Zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs im Direktionsbezirk Dresden
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) trägt sowohl zur Bewältigung der großen Verkehrsströme in den Bal­lungsgebieten als auch zur mobilen Grundversorgung in den schwächer be­­siedelten Gebieten des Direktions­be­zir­kes Dresden bei. Die Landesdirektion Dresden unterstützt die Bemühungen der Verkehrsunternehmen, Zweckver­bän­­­de und Kommunen um einen at­­trak­ti­ven und bezahlbaren ÖPNV unter anderen durch die Gewährung von För­der­mit­teln. Allein in den Jahren 2007 und 2008 wurden hierfür Zuwendungen von insgesamt etwa 167 Millionen Euro aus­­gereicht.
Einen Schwerpunkt bildete dabei die Fortsetzung des Ausbaus der S-Bahn-Linie zwischen Pirna und Meißen im Be­­reich des Bahnhofs Dresden-Neu­stadt.


Airport-Dresden---Neue-SLB

In der Umsetzung ist die Mo­­der­ni­sie­rung der Eisenbahnstrecke zwischen Bi­­schofs­­werda und Zittau. Mit In­­ves­ti­tio­nen von etwa 85 Millionen Euro wird hier die Voraus­setzung in den Bereichen Ober­bau, In­­genieurbau und Siche­rungs­tech­­nik ge­­schaffen, um die Ent­fernung von Dres­­den-Neustadt nach Zit­tau in weniger als 80 Minuten zu­­rück­zulegen und gleich­­­­zeitig eine schnel­­le Ver­­bin­­dung zu un­­seren tschechischen Nach­­barn herzu­stellen.

2007 wurde auch mit den Arbeiten an der Eisenbahnstrecke zwischen Görlitz und Zittau begonnen, um eine den heu­­­tigen Anforderungen genügende Be­­för­­derungsqualität anbieten zu können. Dies beinhaltet auch den Bau neuer Zu­­­­gangsstellen in Hirschfelde und Ha­­gen­­werder.
Die Landeshauptstadt Dresden bildet nach wie vor einen bedeutenden Schwer­­punkt des Investitionsgeschehens im Verkehrssektor. Mit dem Ausbau des Lennéplatzes wurde eine weitere große Maßnahme der Dresdner Verkehrs­be­triebe AG im Bereich Verkehrsanlagen realisiert. Im übrigen Streckennetz kon­­zentrierten sich die Arbeiten in den letz­­ten Jahren vor allem auf den Abschluss der Beseitigung der Flutschäden des Jahres 2002 sowie die barrierefreie Gestaltung von Haltestellenanlagen.

Höhepunkt des Baugeschehens für die Dresdner Straßenbahn war jedoch die Inbetriebnahme der gemeinsam mit dem Bau der Anschlussstelle der Bundes­stra­ße 173 an die BAB 17 realisierten Verlängerung der Straßenbahntrasse der Linie 7 von Dresden-Gorbitz nach Dresden-Gompitz mit einer Länge von circa 2,7 Kilometern.

Im Bereich der Busverkehrs­unter­neh­men ist die Modernisierung der Be­­triebs­­anlagen abgeschlossen. Hier konzentrieren sich die Anstrengungen nunmehr auf die Einführung neuer Kom­mu­ni­ka­­tions- und Abfertigungstechnik. Im Jahr 2008 beginnend, wird es künftig in Um­­setzung der Ergebnisse des For­­schungs­­vorhabens „intermobil Region Dresden“ ein regionales Betriebs­leit­sys­tem ge­­ben, das sowohl die Verknüpfung der einzelnen Verkehrsmittel sichert als auch der verkehrsträgerübergreifenden Infor­ma­­­tion der Fahrgäste dient.

Dieses System wird umso wirksamer, je mehr und bessere Ver­knüp­­fungs­­stel­­­­len zwischen den einzelnen An­­bietern des ÖPNV einerseits und dem Indi­­vi­­dualverkehr andererseits ge­­schaf­­fen werden. Die In­­ves­ti­tions­pro­gramme der Zweckverbände Verkehrs­verbund Ober­­elbe (ZVOE) und Ober­lau­sitz-Nie­der­­schle­­sien (ZVON), die etwa 60 Vorhaben für Umsteigestellen im Di­­rektionsbezirk be­­inhalten, sollen bis 2010 im Wesent­­lich­­­en abgeschlossen sein. In den letzten zwei Jahren ka­­men die Über­­gangs­­stellen beziehungsweise Busbahnhöfe und P+R­­Anlagen in Glas­­hütte, Dresden-Cosse­­baude, Bi­­schofs­werda, Dürrröhrs­­dorf, Priestewitz, Groß­­hartau, Pulsnitz, Rade­­berg, Otten­­dorf-Okrilla und Pirna hinzu. Im Bau befinden sich Anlagen in Arns­­dorf, Klin­­­gen­berg-Colmnitz und Riesa. Sie werden ge­­meinsam mit den in den nächsten Jah­­ren noch fertig zu stellenden Ver­­knüpfungsstellen dazu bei­­tra­­gen, dass die Zahl der ÖPNV-Nutzer, die trotz des Be­­völkerungs­­rück­­ganges zum Bei­spiel im Jahr 2007 gegenüber dem Vor­­jahr um circa zwei Prozent zunahm, wei­­ter steigt.

Ein moderner ÖPNV wird natürlich auch durch den Einsatz moderner Fahr­­zeuge geprägt. So wurde die För­­der­­ung der Beschaffung von Omnibussen mit jährlich circa sechs Millionen Euro fortgeführt. Die Dresdner Ver­­kehrs­­be­­triebe AG wird ab 2010 in der Lage sein, ausschließ­­lich moderne Nieder­­flur-Straßen­­bahnen aus Bautzen einzusetzen. Be­­reits seit 2007 verkehren im S-Bahn-Bereich Dres­­­­den 53 neue Doppel­­stock­­wagen, die in der ebenfalls neu entstandenen Fahr­zeug­­werk­­statt Dres­­den-­Alt­­stadt ge­­pflegt und instandgehalten werden können.

Ein weiteres Anliegen unseres Hauses ist die Förderung attraktiverer und si­­cherer Haltestellen des ÖPNV in der Re­­gion, stellen diese doch das unmittelbare Bindeglied zwischen Fahrgast und Verkehrsunternehmen dar. In den Kom­­munen wurden mit dem Bau von jährlich 20 bis 30 Haltestellen und Fahr­gastunterständen bereits spürbare Ver­­besserungen erreicht. Gemeinsam mit den Zweckverbänden werden wir diesen Weg weiter beschreiten.

060209shh06Der 1948 geborene Autor hat in Dresden Geografie und Mathematik auf Lehramt studiert. Nach der Promotion habilitier­­te er zu sozial- und wirtschafts­geo­­grafischen Fragestellungen. Von 1992 bis 1998 zu­­nächst im sächsischen Staats­minis­terium des Innern, war Hasen­pflug bis 2000 Prä­si­­dent des Statisti­schen Landesamtes des Freistaates. Er ist Prä­­sident der Landes­­di­rektion Dresden.