Dr. Frank Appel: „GoGreen“ in die Zukunft der Logistik

Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung für Logistiker,
deren Dienstleistung zwar sauber, aber eben auch günstig sein soll.

 

Die Logistik gehört zu den zentralen Treibern des weltweiten Wirtschafts- und Beschäftigungswachstums. In unserer dicht verflochtenen Welt ermöglicht erst das physische Netz­­werk der Logistik­industrie den internationalen Austausch. Ohne Lo­­gistik wären auch Deut­schlands Exporterfolge un­­denkbar. Effi­­ziente Liefer­­ketten sind zugleich ein entschei­­dender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg von Unter­­nehmen. Kurzum: Lo­­gistik verbindet Menschen und Märkte, und mit einem Anteil von etwa neun Prozent des globalen BIP leistet sie einen wichtigen Beitrag zum weltweiten Wohlstand.

Dies zeigt sich auch regional: Leistungs­fähige Logistik ist unverzichtbar für die Stellung Nordrhein-Westfalens als erstrangiger Industriestandort. Moderne und effiziente Lie­­ferketten sind ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil, zu dem ein führender Logistiker wie Deutsche Post DHL maßgeblich beiträgt. Dies kommt Unternehmen vor Ort zugute und stärkt die lokale und regionale Wirt­schaftskraft.

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Wirtschaftlicher Wohlstand ist heutzutage nicht mehr ohne Nachhaltigkeit – insbesondere Klimaschutz – denkbar. Auch hier ist der Beitrag der Logistik ent­­scheidend – zumal der Transport von Gütern zum CO2-Ausstoß beiträgt. Eine effiziente Logistik ist von strategischer Bedeutung, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Denn Lieferketten- und Logistik­prozesse sind tief in die Wert­schöpfung aller Bran­­chen eingebettet. Angesichts der steigenden Nachfrage nach ökologischen Produkten und der strikten regu­­la­­to­­rischen Vorgaben ist die Branche gefordert, einer ökologisch nachhaltigen, CO2-effizienten Wirtschaft den Weg zu bereiten.

Die Logistikindustrie kann in einer zu­­nehmend nachhaltig­­keitsorientierten Gesell­­schaft also viel bewegen. Mit ihrer Expertise und einzigartigen Rolle entlang der gesamten Lieferkette vermag sie viele Branchen auf dem Weg zu einer CO2-armen Wirtschaft entscheidend zu unter­­stützen. Ent­­­sprechend wird Logistik in den kommenden Jahren nicht länger als Massengeschäft angesehen, bei dem allein ein niedriger Preis den Ausschlag gibt.

Um Bewusstsein für „grüne“ Logistik­lö­sungen zu schaffen und die weitere Diskussion anzuregen, hat die Deutsche Post DHL eine umfassende Studie mit dem Titel „Delivering Tomor­­row: Zukunftstrend Nachhaltige Logistik“ veröffent­­licht. Die Studie stützt sich auf um­­fangreiches Datenmaterial und wurde von zahlreichen Spezialisten des Unter­nehmens sowie namhaften Ex­­perten aus Forschungsinstitutionen wie dem Mas­sa­chusetts Institute of Technology (MIT), der Tech­­nischen Universität Berlin oder dem Potsdam-Institut für Klima­folgenforschung (PIK) erarbeitet. Im Rahmen der Studie wird auch eine globale Umfrage bei etwa 3.600 Ge­­­­schäfts­­kunden und Verbrauchern vorgestellt, die eine wachsende Nachfrage nach grünen Services belegt.

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Bereits heute erkennen Geschäftskunden weltweit, wie viel Logistik zu leisten vermag, um die eigenen CO2-Emis­­sionen zu senken und Geschäftsmodelle nachhaltiger zu machen: Wie wir aus einer Befragung von Logistikkunden wissen, sind 63 Prozent der Meinung, dass sich die Lagerung und der Transport von Waren zu einem wichtigen strategischen Hebel entwickeln, um CO2 zu vermeiden. Darüber hinaus halten fast 60 Prozent der Kunden den „grünen“ Trans­­port ihrer Pro­­dukte für ein wichtiges Argument, um eigene Kunden zu ge­­winnen. Die Studie identifiziert sieben Trends, die veran­­schau­­lichen, wie Nachhaltigkeit die Logistikbranche verändern wird.

1. Auf Logistik kommt es an – sie ist kein Massengeschäft. Die Logistik ist nicht nur Motor des weltweiten Handels und strukturell an der Wertschöpfung beteiligt – sie ist auch eine Branche mit strategischer Bedeutung für die Ent­wick­­lung einer CO2-reduzierten Wirtschaft. Durch ihre einzig­­artige Rolle als Netz­werk­industrie, die Unternehmen aller Sektoren und Regionen verbindet, ist die Logistik der natürliche Partner für die CO2-Reduktion entlang der gesamten Lieferkette. Wenn Unternehmen ihre Liefer­kette als Schlüs­­sel­­faktor für die Geschäftsstrategie betrachten, werden sie sich des Verbesserungs­potenzials, das in einer umweltfreund­­licheren Ge­­stal­tung der Lieferkette liegt, stärker be­­wusst. Das umfasst Kostensenkungen ebenso wie höhere Zu­­verlässigkeit und CO2-Reduktion.

2. Technologischer Wandel wird durch den Schulter­schluss von Unternehmen, Finanzinstitutionen und öffentlichem Sektor erreicht. Zwar sind technologische Innovationen entscheidend für die Entwicklung nachhaltiger Lösungen, den­­noch hemmen finanzielle Erfor­dernisse und lange Amortisationszeiten die Inves­­titi­onstätigkeit. Da nur wenige Firmen bereit sind, diese Kosten alleine zu tragen, müssen Unternehmen, Finanz­­insti­tu­tionen und öffentlicher Sektor zusammenarbeiten, um entsprechende Investitionen zu fördern. Gegen­­seitige Unterstützung und die langfristige Planung aller Akteure sind entscheidend.

3. Kooperative Ansätze werden verstärkt als Hebel für Nachhaltigkeit gesehen; selbst Wettbewerber werden enger zu­­sammenarbeiten. Zunehmend entdecken Unter­­­nehmen, dass Nachhaltigkeit ge­­mein­­same Ansätze er­­fordert: Vertikale Kooperation zwischen Kunden, Zulie­ferern und Anbietern gibt es bereits in vielen Branchen. Eine horizontale Kooperation zwischen den logistischen Unternehmen – die in manchen Bereichen sogar Wett­­be­­werber sind – bietet jedoch ebenfalls viel Potenzial zur CO2-Reduzierung. Ge­­mein­­same Läger und kon­soli­dierte Liefer­ungen mindern nicht nur Über­ka­pa­zitäten und senken Kosten, sondern ver­­ringern auch die Emissionen.

4. Die Geschäfts­­mo­delle der Logistik­unter­nehmen ver­ändern sich, da nach­haltige Innovationen neue Ge­­schäfts­chancen eröffnen. Techno­logien und Konzepte, die sich der­zeit über­wiegend auf eine nachhaltigere Ge­­staltung der Log­istik konzentrieren, eröffnen den Logistik­­­unternehmen zu­­gleich auch neue Geschäftsansätze. Dies gilt etwa für den Be­­trieb großer Elektro­flotten, die ein Bestandteil intelligenter Energie­­netze (Smart Grids) werden könnten, wodurch Lo­­gistiker zu „Energie­­managern“ avancieren. Gleichermaßen bietet auch der anhaltende Trend zur Entmaterialisierung – der digitalen Verbreitung von Dokumenten, Büchern und anderen Medien – neue Geschäftschancen. So werden elek­­tronische Briefe heute mithilfe von Lösungen wie dem E-Post­­brief genauso sicher und verbindlich zugestellt wie der klassische Brief.

5. CO2-Kennzeichnungen werden stan­­dard­isiert. Wer für nachhaltige Lösungen mehr bezahlt, verlangt auch mehr Trans­parenz. Der Ausweis des CO2-Verbrauchs erlaubt Kunden einen Vergleich „grüner“ Produkte. So können Ver­­­­braucher durch ihre Kaufentscheidungen Verän­derungen her­­beiführen. Regierungen unterstützen diese Ent­­wick­­lung, indem sie internationale Standards für eine verbesserte Trans­­parenz der CO2-Emissionen fördern.

6. CO2-Emissionen werden bepreist. Die zunehmende Bedeutung von CO2-Redu­zierung wird die Forderung nach einem Preis für Emissionen verstärken. Durch die Bepreisung entwickeln sich CO2-Emissionen ebenso zum Faktor in der Kal­kulation und Entscheidungsfindung von Unterneh­men wie Kosten für Be­­schaffung oder Personal. Hierdurch ent­­­­steht ein wichtiger Anreiz für eine nachhaltigere Ge­­stal­­tung von Geschäfts- und Logistikprozessen.

7. Die CO2-Bepreisung wird zu strikteren regulatorischen Maßnahmen führen. Eine der großen Heraus­forderungen im Zusammenhang mit den genannten Maß­­­nahmen ist die Schaffung fairer Wettbewerbs­bedingungen. Erforderlich sind gemein­­­same Standards und Regeln für alle Akteure in der Branche. Für neue Regulierungen gilt: je inter­­nationaler, desto effektiver. Insbesondere bei politischen Maß­­nahmen wie Emis­sionshandelssystemen oder regula­­torischen Vorgaben ist eine globale Reichweite für eine weltweit tätige In­­dustrie wie die Logistik vorzuziehen.

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Diese sieben Trends sind in vielfacher Weise miteinander verzahnt. Fort­schritte in einem Bereich fördern den Fort­­schritt in anderen Bereichen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studie zur nach­­haltigen Log­­istik aber auch, dass auf dem Weg hin zu niedrigeren CO2-Emissionen noch einige Hürden zu überwinden sind. Es gibt keine technologische Wunder­­waffe, durch die sich alle Probleme über Nacht lösen ließen. Der Schlüssel für die Redu­­zierung der CO2-Emis­­­­sionen des Transport- und Logistiksektors liegt in einem Mix an Lösungen und Technologien, die bereits auf dem Markt sind oder kurz vor der Markt­reife stehen.

Führende Logistiker zeigen bereits heute durch zahl­reiche Maßnahmen, wie Nach­­­haltigkeit – allen voran die Min­derung der CO2-Emissionen – zu einem zentralen Aspekt des unternehmerischen Handelns werden kann. So hat Deutsche Post DHL mit dem GoGreen-Programm Pionier­­­ar­beit ge­­leistet: als erster Anbieter CO2-neu­traler Sen­­dungen und als erstes Log­is­tik­unter­nehmen, das sich ein konkretes CO2-Effizienzziel ge­setzt hat. Auf diese Weise kann Logistik zu Nach­hal­tigkeit beitragen.

dp-dhl_appel18Dr. Frank Appel
Der 1961 geborene Autor hat Chemie an der Universität München studiert. 1993 promovierte er in Neurobiologie an der ETH Zürich in der Schweiz. Seit 1993 war er zunächst Berater und ab 1999 Mitglied der deutschen Geschäfts­führung bei McKinsey & Co. Seit 2000 ist er bei der Deutschen Post AG tätig. 2002 wurde Dr. Frank Appel Mitglied des Vorstandes; seit 2008 ist er Vor­stan­ds­vorsitzender.