Dr. Andreas Wendt: Industrielle Exzellenz vom Manager bis zum jüngsten Lehrling

Ein Automobilhersteller, der ausschließlich Marken­­pro­dukte der Premiumklasse produziert und im Wett­be­werb vermarktet, muss nicht nur glaubwürdig erscheinen, er muss es sein. Das ist nur möglich, wenn alle Pro­zesse und Aktivitäten auf höchste Qualität ausgerichtet sind und jeder Mitarbeiter dabei mitgenommen wird. Beginnend bei For­­schung und Entwicklung, über die Produktion bis hin zum Marketing, Vertrieb und Aftersales setzt die BMW Group deshalb in höchstem Maße auf Produkt- und Prozessqua­lität bei ihren Fahrzeugen (Kundenperspektive), auf Wirt­schaftlichkeit (Shareholderperspektive), auf Attraktivität als Arbeitgeber (Mitarbeiterperspektive) und auf Nachhal­­tigkeit (Gesellschaftsperspektive).

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BMW Werk Regensburg – Erfolgsfaktor in Ostbayern.Das BMW Werk Regensburg leistet mit der Produktion der 1er Reihe (5-Türer, 3-Türer), der 3er Limousine, dem 4er Cabrio und dem Z4 sowie den dazugehörigen M-Varianten einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Gesamtunter­­nehmens. Rund 9.000 Mitarbeiter, darunter über 300 Aus­zubildende, stellen jeden Tag über 1.100 Fahrzeuge her, die an Kunden in aller Welt aus­­­geliefert werden. 2013 wurden 295.417 Automobile gebaut, seit dem Produk­tionsstart im Jahr 1986 rollten über 5,5 Millionen Fahr­zeuge im ostbayerischen Werk vom Band. Investiert hat das Unternehmen für den Werksaufbau und kontinuierlichen Ausbau bisher rund vier Milliarden Euro. Damit ist die Ansiedlung von BMW in Regensburg ein wichtiger Treiber für den wirtschaftlichen Auf­schwung der ganzen Region gewesen. Denn im Zuge der Werks­grün­dung haben sich auch zahlreiche Zuliefer- und Dienstleis­tungs­unter­­nehmen im Umfeld niedergelassen und dort ebenso an die 15.000 Arbeitsplätze geschaffen. Neben der wirt­­­schaft­lichen Rolle ist das Werk Regensburg auch ein wich­­tiger gesellschaftspolitischer Faktor der Region. Mit seinem Engagement für Kultur, Sport, Bildung, Umwelt und So­­ziales setzt sich BMW für eine hohe Lebensqualität der Menschen in ganz Ostbayern ein.

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Zukunftsbild als Leitfaden für Führungskräfte und Mitarbeiter. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Re­­gensburg im internen und externen, gerade aber auch im internationalen Umfeld sichern zu können, ver­­folgt das Werk einen strategischen Ansatz gemäß dem Exzellenzgedanken: Das gesamte Werk soll sich deutlich vom Wettbewerb abheben. Die Einstellung aller Mitar­beiter, die Prozesse und letztlich die fertigen Produkte müssen exzellent sein. Der Anspruch lautet: Wir begeis­­tern Kunden – serienmäßig. Im Produktionsnetzwerk werden wir das flexibelste Werk mit herausragender Anlauf­kom­­petenz und höchster Kosteneffizienz.

Zusammengefasst dargestellt ist dies im „Zukunftsbild 2017“ des Werkes, das wiederum abgeleitet ist von der Unternehmensstrategie Number ONE und der Funktional­strategie des BMW Group Produktionsressorts. Es wurde erarbeitet von Führungskräften und Mitarbeitern am Standort und ist das Leitbild für sämtliches Handeln. Das „Zukunftsbild“ besteht aus verschiedenen Ebenen: Im Mittelpunkt stehen die Mitarbeiter. Zugleich werden das Warum, das Wie und das Was des Handelns im Werk erläutert. Um das Zukunftsbild sind die Kunden und re­­levanten Stakeholder (Öffentlichkeit, Presse, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Bildungs­ein­rich­tungen etc.) des Standorts verortet. Denn diese sind mit ihrer Kaufentscheidung bzw. ihrer Einstellung zum Stand­­ort maßgebliche Parameter für den Erfolg des BMW Werkes.

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Es ist wichtig, dass alle Beschäftigten diese Zusammen­hänge verstehen, damit der Exzellenzanspruch durchgängig erfüllt werden kann. Voraussetzung dafür ist die Über­zeugung der Führungskräfte und ein intensiver Dialog zwi­schen Führungskräften und Mitarbeitern. Damit wird sicher­­gestellt, dass alle Beschäftigten am Standort „mitgenommen“ werden, und alle gemeinsam „an einem Strang ziehen“.

Schritt für Schritt zur Unternehmensexzellenz. Für den Erfolg ist ein ganzheitliches Denken und Handeln im Sinne der unternehmerischen Verantwortung unerlässlich. Ziel ist die wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Unternehmens im Einklang mit Kunden, Mitarbeitern, Anteilseignern und der Gesellschaft. Die Führungsmannschaft des Werkes Re­­gensburg gestaltet den Weg in die Zukunft mit Hilfe des Managementmodells der European Foundation for Quality ­Management (EFQM), dabei geht es um Befähiger und Ergebnisse. Auf Befähigerseite stehen Leistung und Rolle der Führungsmannschaft, der Beschäftigten, der Prozesse,­ von Partnern und des strategischen Ansatzes. Demgegen­­über stehen auf Ergebnisseite die messbaren, vergleichbaren und nachvollziehbaren Resultate für Kunden, Mit­­ar­­beiter, Gesellschaft und Unternehmen. In regelmäßigen Verbesserungszyklen nach PDCA (Plan, Do, Check, Act) sollen nachhaltige Ergebnissteigerungen auf allen Feldern erzielt werden.

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Regelmäßige interne und externe Überprüfungen machen den Status quo transparent. Gemessen werden Wahr­nehmungen von Kunden, Rückmeldungen aus der Gesell­­schaft und von Werksbesuchern sowie des internen Cont­­rollings von Geschäftszahlen. Überdies nutzt das Werk die Fremdsicht von Assessoren der EFQM. Auf diese Weise erhält das Werk objektive und wertvolle Anregungen für Stärken und Potenziale. Dass sich das Werk in jüngster Ver­­gangenheit bis an die Spitze des deutschen und europä­­ischen Exzellenzniveaus verbessert hat, machen mehrere Preise bei den EFQM-Awards und der Gewinn des Ludwig-Erhard-Preises 2013 deutlich.

Flexible und kosteneffiziente Fahrzeugproduktion nach Kundenwunsch. Wesentliche Erfolgstreiber für den Stand­ort Regensburg sind die Themen Anlaufkompetenz, Flexibilität und Kosteneffizienz. Das Werk legt durch herausragende Anlaufkompetenz, d.h. die Fähigkeit, neue Modelle mit ihren Produkt- und Prozessinnovationen ohne Sonder­aufwände in den Serienprozess zu integrieren, die Grund­­lage für fehlerfreie Produkte bereits ab dem ersten Fahr­­zeug. Dies ist zugleich Basis für eine große Varianten­vielfalt mit zyklusbedingt häufigen Anläufen und Aus­läufen von Modellreihen.

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Flexibilität bedeutet für das Werk, seine Produktionszahlen den Marktanforderungen anpassen und mehr (oder weniger) Fahrzeuge bauen zu können, und viele (derzeit sieben und zukünftig noch mehr) unterschiedliche Fahrzeug­­varianten auf einer Produktionslinie fertigen zu können. Mit dieser Volumen- und Variantenflexibilität geht auch eine hohe Flexibilität der Mitarbeiter einher. Sie benötigen laufend neue Kompetenzen und Qualifikationen, zudem wechseln je nach Anforderung Arbeitszeiten und Schicht­­modell. Gerade die hohe Flexibilität ist ein maßgeblicher Wettbewerbsvorteil des Standorts.

Nicht zuletzt spielt auch die Kosteneffizienz eine wichtige Rolle: zum einen ist der Kunde nur bereit, für Wert­schöp­f­ung und damit Leistung zu zahlen, zum anderen ist Profitabilität das Fundament für die Zukunftsfähigkeit und für das Wachstum des Werkes Regensburg sowie der gesamten BMW Group.

Damit diese strategischen Ansätze in der Praxis angewendet werden können, sind die Produktionshallen im Werk Regensburg entlang des Wertstroms angeordnet. Die Prozesskette stellt die Produktion eines Fahrzeuges von der Stahlrolle (Presswerk) bis zur Auslieferung des fertigen Fahrzeugs, d.h. der Fahrzeugübergabe an den Vertrieb, dar. Der Wertstrom ist dabei in vier Bereiche (Technologien) gegliedert, vom Presswerk über Karos­seriebau und Lackiererei bis zur Montage des Gesamt­fahrzeuges. Unterstützt wird die Produktion von der Pla­nung, der Qualitätssicherung und vor allem der Logistik. Sie sorgt dafür, dass die Teile zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge am Verbauort in der Montage bereit­­liegen. So können die Mitarbeiter serienmäßig Fahr­­zeuge in Premium-Qualität bauen und die Kunden begeistern. Denn letztlich sind die Mitarbeiter für den Erfolg verantwort­­lich. Ohne motivierte, qualifizierte und kompetente Be­schäf­­tigte kann diese Erfolgsgeschichte nicht fortgeschrie­­ben werden. Daher baut das Werk Regensburg auch auf den eigenen Nachwuchs und ist einer der größten Aus­­bildungs­­betriebe der Region. BMW setzt eben auf Exzellenz: vom jüngsten Lehrling bis zum Manager!

BMW_WerkleiterDrAndreasWendtDer promovierte Maschinenbauer trat 2002 in die BMW AG, München ein. Von 2003 bis 2006 leitete er die Produktion der „Fahrwerks- und Antriebskomponenten“ in Landshut, Dingolfing und Berlin. Dr. Andreas Wendt war von 2006 bis 2009 Geschäftsführer der BMW Motoren GmbH, Steyr in Österreich und leitet seither das BMW Werk Regensburg.