Dr. Andreas Spillmann: Einblicke in die Geschichte der Eidgenossenschaft

Das Schweizerische Landesmuseum in Zürich wurde 1898 offiziell er­­öffnet. Das Projekt des jungen Zür­cher Architekten Gustav Gull hatte sich im Wettstreit um den Standort eines Na­­tionalmuseums durchgesetzt. Der Bau zeichnet sich durch die Ver­wendung ver­­schiedener his­­to­ri­scher Stil­ele­mente aus, die zu einem neuen Ganzen ver­­schmelzen und den Zeit­geist des Histo­­rismus widerspiegeln. Schon nach we­­ni­­gen Jah­ren ist das Mu­seum mit vielen Neuerwer­bungen an­­ge­wachsen.

Auch wurden dem Sitz in Zürich weitere Mu­­­­­­seen angegliedert. Im Jahre 1912 er­­folg­­te die Schenkung von Schloss Wild­­egg im Kanton Aargau. 1998 ging der West­schweizer Sitz des Landesmu­se­ums fürs Publikum auf: Château de Prangins.

1975 erwerben die Kantone Genf und Waadt das Schloss und schenken es der Eid­ge­nos­sen­­schaft. Das Forum der Schwei­­­zer Ge­­­schich­­te in Schwyz, 1995 eröffnet, ist Mu­­se­um und Erlebnisort zu­­gleich. Seine Dauer­aus­stellung gibt viel­­fältigen Ein­blick in die Lebens­um­stände der Alten Eid­genossen­schaft.

1.

Diejenigen Objekte, die nicht im Rah­men einer Ausstellung gezeigt werden, sind im seit 2006 eröffneten Sammlungszen­trum in Affoltern am Albis auf rund 10.000 Qua­­dratmetern unter einem Dach vereint.
Nebst dem ein­­­­­­­drück­li­chen De­­pot für den rund 820.000 Objekte um­­fas­­­sen­den Sam­m­lungs­­­­­be­­stand fin­­­den sich im Samm­­lungszen­trum die Labors, Werk­stätten und Ateliers für die wertvolle Arbeit der Konservato­ren­­­Res­tau­ra­toren.

Kontinuierlich wird im Landesmuseum ausgewählt, ausgehan­delt und aufgebaut. Es gilt, eine neue Dauer­­ausstellung zur Schwei­zer Geschichte zu realisieren.
Seit Sommer 2009 präsentiert das Schwei­­ze­ri­­sche Landes­mu­se­um in der um­­fas­­send neu sanierten Ruh­mes­halle, dem ar­­­­­chitek­­to­ni­­schen Herz­stück des Mu­­seums, und in den ihr angegliederten Aus­stel­lungsräu­men zwei neue Dauer­­aus­­­­stel­lungen. Sie tragen die Titel „Ge­­schichte Schweiz“ und „Ga­lerie Sam­m­lungen“.

Château-de-Prangins

In der über 100-jährigen Ge­­­­schich­te des Mu­­­­se­­ums ist es erst die vierte Neu­ein­rich­­tung einer Dauer­­­­aus­­stel­lung. Den Blick auf die ge­­genwärtige Schweiz rich­tend, ha­­­ben die Aus­­­­stel­lungs­­ver­­­ant­­­wort­­­­­­lichen von „Ge­­schich­­te Schweiz“ nach intensiven Studien und Diskus­sio­nen vier Fra­gen fo­­kussiert:
Wie spiel­­­ten Ein- und Aus­wan­der­ung früher auf dem Ge­­biet der Schweiz zusammen? Wa­­rum leben in der Schweiz Refor­mierte und Katho­­liken auf engem Raum zu­­sammen? Was förderte die Ausbildung von Demo­kratie und Konkor­­danz? Und wem verdankt die Schweiz ihren aktuellen Wohlstand? Die Aus­stel­lung zeichnet kein in sich geschlossenes Bild, sondern rich­tet den Blick auf die in den Fragen ange­­sprochenen The­­men­felder.

8.

So wird die Schweizer Geschichte von der Ur- und Früh­ge­­schichte bis in die Gegen­wart thematisiert. Erstmals kommen prä­­­gende As­­­pekte der neuen Zeit­ge­schich­te, etwa die Schweizer Wirt­schafts­­ge­schich­te oder der Weg zur direk­­ten Demokratie, zur Dar­­­stel­lung. Erzählt wird auch von der Siedlungs- und Migra­tions­ge­schichte so­­wie von Schwei­zer Mythen. Parallel zu die­­ser umfassenden Dar­stel­lung der Schweizer Geschichte zeigt das Mu­­seum die neue Ausstellung mit dem Titel „Ga­­lerie Samm­­lungen“, die über die Samm­lung und die Sam­mlungs­­­tätig­keit mit Fokus auf das kunsthandwerkliche Schaf­fen in der Schweiz be­­richtet. Anhand von zwanzig ausgewähl­­ten Schau­sammlun­gen gewährt die Aus­­stellung einen re­­prä­­sen­ta­ti­ven Über­blick über die vielfältigen Be­­stän­­de. Zu sehen sind kunst­­­­hand­werk­liche Erzeug­nisse wie Skulp­tu­ren, Gold­schmiede­­ar­bei­ten oder Schu­­he und Klei­dung. Die zeitliche Ein­­ord­­nung spannt den Bogen vom Mittel­alter bis hin zum 20. Jahr­hundert. Das Schwei­ze­ri­sche Lan­­des­museum ist da­­mit in der viel­­fältigen eidgenössischen Museums­­land­­schaft ein wichtiges Schau­fenster für den Standort Schweiz und seine kulturellen, po­li­­tischen Prägungen und Be­­son­derheiten.

Porträt-Spillmann_2-KopieDr. Andreas Spillmann (Jahrgang 1959) hat Schau­spiel und Volks­wirtschaft stu­­diert. Er hat unter anderem als Schau­­spieler in München, als For­­schungs­­­as­­sis­tent in Ba­­sel und Zürich, als volks­­wirtschaft­licher Berater, als Kulturbeauf­tragter des Kan­tons Basel-Stadt und als Direktor des Schauspiel­hau­ses Zürich ge­­wirkt. Er ist seit 2006 Direktor des Schweizerischen Landes­museums.