Diplom-Volkswirt Lotar Schmidt: Ein Wirtschaftsstandort mit Ideen – Thüringer Technologiedreieck setzt auf Qualität

Jena, Erfurt, Weimar, Ilmenau – jede dieser Städte steht für eine besondere Erfolgsgeschichte in den Bereichen Tech­­­nologie, Kultur oder Bildung – zu­­sammen ergeben sie eine Region, die als Wirtschaftsstandort nicht nur be­­sondere Potenziale hat, sondern vielmehr voller Ideen, Innovationen und Er­­­folgsgeschichten steckt.

In ihrem quantitativen, aber besonders auch in ihrem qualitativen Wachstum zeigt sich die ganze Kraft dieser Re­­gion, die schon immer von ihrem technologischen Wissen und Können gelebt hat und auf das ganze Land ausstrahlt.
Als Beispiel sei nur die Gründung des „Thüringischen Technikums“ im Jahre 1894 genannt – heute Technische Uni­versität Ilmenau – die als private Initia­tive die technologische Entwicklung ge­­­nau im Blick hatte, obwohl Ilmenau im 19. Jahrhundert keine Hochburg des Maschinenbaus und der Elektrotechnik war, vielmehr war es eine Stadt, die von der Glas- und Porzellanherstellung lebte. Aber man setzte schon damals auf Zukunft!
Daran hat sich nichts geändert, auch heute zielt die Entwicklung der gesamten Region auf moderne Industrien.


Kamera

Die Bildungslandschaft in diesem Tech­­nologiedreieck gibt dazu die besten Ausgangsbedingungen für einen Tech­no­­logiestandort per excellence.
Und die Unternehmen profitieren da­­von. Schon heute ist die Unter­neh­mens­dichte in Thüringen größer als in den meisten anderen Ländern, die durchschnittliche Größe der Unternehmen ist mit 80 Beschäftigten zwar noch sehr übersichtlich (im Vergleich zu Deutsch­land mit 127 Beschäftigten je Betrieb), aber das stetige Wachstum steht auf soliden Füßen.
Der Mittelstand, der in Thüringen wie in kaum einem anderen Bundesland das wirtschaftliche Profil gibt, ist zu­­kunftsorientiert und innovativer Motor.
Die mittelständischen Unternehmen beschäftigen 90 Prozent aller Ar­­beit­nehmer, über 75 Prozent aller Pa­­tent­anmeldungen kommen von ihnen und bei der Ausbildung sind sie die Spitzen­reiter.

Vor allem im Hochtechnologiebereich werden von diesen Unternehmen die wirklichen Erfolgsgeschichten mit den alten Thüringer Tugenden und Spe­zia­litäten geschrieben, indem kleine Se­­rien passgenau für die jeweiligen An­­forderungen und individuelle Lösungen für jedwedes Problem ausgetüftelt wer­­den.
Die Großhersteller mit ihren riesigen Serien findet man hier nur vereinzelt, dafür aber hochproduktive mittelständische Unternehmen, die mit originellen und innovativen Problemlösungen für Aufsehen sorgen.

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Der Begriff Thüringer Kernland für den größten Teil des Gebietes, das als Tech­­nologie-Dreieck beschrieben wird, ist nicht nur in geographischer Hinsicht richtig.
Auch im übertragenen Sinne ist Kern­land die genau passende Bezeichnung für das Stück Thüringen, das seit jeher die Rich­tung der Entwicklung bestimmte und auch weiter bestimmen wird.
Die hohen Investitionen und die An­­streng­ungen zur Markteroberung zeigen allerdings jetzt ein Problem: Man braucht mehr Mitarbeiter. Über die ei­­gene Aus­bil­dung gewinnen die Un­­ternehmen vor allem die Mitarbeiter für Produktion und Verwaltung.

Ingenieurtechnisches Personal ist hingegen weit schwieriger zu finden und erst recht für die kleinen Unternehmen, die weder mit ihrem Markennamen noch mit hohen Gehältern locken können.
Aber hier ist auch mehr gefragt als nur ein hohes Gehalt.

Das frühzeitige Betreuen der Studenten über erfolgsabhängige Stipendien, das Zur-Verfügung-Stellen hochwertiger Prak­­­­tikumsplätze, das Aufzeigen echter Pers­­pektiven im Unternehmen und die Be­­treuung von Diplomthemen – das alles wird gemacht und bringt erste Erfolge.
Dazu kommt bei vielen Unternehmen die hohe Familienfreundlichkeit, um vor allem auch den gut ausgebildeten jungen Frauen die Chance auf einen hochwertigen Arbeitsplatz zu ermöglichen, ohne auf Kinder verzichten zu müssen.
In diesen Themenfeldern leistet auch das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft wertvolle Unterstützung für Unterneh­men (www.bwtw.de).
Die Beteiligung am Unternehmen über bestimmte erfolgsabhängige Sonder­zah­­lungen, flexibel gestaltete Arbeitszeit­modelle, Begrüßungsgeld für neu ge­­borene Kinder oder die Übernahme der Kinderbetreuungsgebühren durch den Betrieb – es gibt so viele individuell ge­­staltete Modelle, die genau auf die Be­­dürfnisse der Mitarbeiter ausgerichtet sind, wie es Unternehmen gibt.
Hier zeigen die kleinen Unternehmen ebenso wie bei ihren Produkten ihre große Stärke, ihre Flexibilität und ihren Einfallsreichtum.


Glasbeschichtungsanlage

Erfolg verspricht auch das Frühstudium, das im Herbst beginnen soll.
Es ist ein in seiner Art in Deutschland bis­­her einmaliges Konzept, das als ge­­­­mein­sames Pilotprojekt des Spra­chen­­­­gym­nasiums Salzmannschule Schnepf­­­­­­­en­­thal, der Technischen Universität Il­­me­nau und der IWT Institut der Wirt­­­schaft Thü­ringens GmbH, Erfurt, um­­gesetzt wird.
Dabei soll begabten und leistungswilligen Schülern ein strukturiertes Früh­stu­dium angeboten werden, das während der Klassen zehn bis zwölf der gymnasialen Oberstufe den Lehrstoff der ersten beiden Semester der wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Studiengänge der TU Ilmenau vermittelt. Die erworbenen universitären Fach­­abschlüsse werden in Form von Leis­tungspunkten bewertet und bei Auf­nahme des Studiums von der Uni­ver­sität übernommen. Die Schüler haben damit die Möglichkeit, das spätere Stu­­dium um bis zu zwei Semester zu verkürzen.
Da die Vergabe der Leistungspunkte dem ECTS (European Credit Transfer Sys­tem) entspricht, kann ein anschließendes Studium nicht nur an der TU Il­­menau, sondern prinzipiell auch an anderen europäischen Hochschulen auf­­genommen werden. Doch selbst bei Aufnahme einer anderen als der wirtschaftswissenschaftlichen Studien­rich­­tung schlägt ein Gewinn an Wissen und Kenntnissen für das spätere Berufs­le­ben zu Buche.
Die besondere Attraktivität des jetzt vorbereiteten Frühstudiums liegt in der Kombination hervorragender Sprach­kennt­­nisse der künftigen Absolventen der Salzmannschule in Schnepfenthal – neben den „klassischen“ Fremdspra­chen Englisch, Französisch oder Spa­nisch auch die für die Zukunft so wichtigen Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder Arabisch – mit wirtschaftswissenschaftlichen Fächern.

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Das ist eine einmalige Chance für die Wirtschaft Thüringens, die globalen Ex­­­portmärkte noch intensiver bedienen zu können, weil man die Sprache des Vertragspartners beherrscht.
Die Übernahme von Projektpa­ten­schaf­­­­ten du­­rch Unternehmen, die al­­­­len Schü­­lern, die es gern möchten – un­­abhängig von ihrem sozialen Status – durch Ein­schalten des Fördervereins des IWT (www.iwt-foerderverein.de) die Teil­nah­me am Frühstudium er­­möglichen soll, fördert gleichzeitig eine frühe Bindung der Schüler an Un­­ternehmen.
Eine Reihe von Patenschaften wurde schon erklärt und der Erfolg liegt auch hier in der Flexibilität der Unternehmen, ihrem Ideenreichtum und dem gesamten Engagement.
Denn nach dem erfolgreichen Start die­­­ses Pilotprojektes sollen weitere Früh­studiengänge in den mathema­tisch-na­­turwissenschaftlichen Studienrich­tung­en folgen.

Und auch das Projekt Frühstudium be­­weist: Thüringens „Wirtschafts­kern­land“ steht für ein Konzept von Moderne und Tradition, von Flexibilität und Konti­nui­tät und es steht für soliden Erfolg.
Ein größeres Kompliment kann man dieser Region gar nicht machen.

Zahlenmaterial
IWT-Institut der Wirt­schaft Thüringens Gmbh (www.iw-thueringen.de)­

SchmidtBuntDer 1945 geborene Autor hat in Mar­burg Volkswirt­schaft studiert. Seinen beruflichen Werdegang begann er in Kas­sel beim Arbeit­geber­verband Metall. Nach verschiedenen Tätigkeiten bei Ar­­­­beit­ge­­­berverbänden ist er seit 1996 Haupt­­ge­schäftsführer des Verbandes Metall- und Elektro-Industrie in Thüringen, des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Thü­­rin­gen und Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringens.