Dipl.-Kfm. Holger Strehlau: Vom Krankenhaus zum Gesundheitskonzern

Die Dr. Horst Schmidt Kliniken GmbH (HSK), die sich vor vielen Jahren aus den Städ­ti­schen Kliniken der Stadt Wies­­baden zu einer eigenständigen GmbH ent­­wickelt haben, haben in den letzten zwölf Jah­ren eine wesentliche Entwick­lung hin zu ei­­nem umfassenden Ge­­sund­­heits­kon­zern vorgenommen, der mittler­­weile nahezu alle Bereiche der Daseins­vorsorge be­­in­­haltet. Zielset­zung ist es hierbei, für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Wies­­baden unter dem Dach des Gesundheits­­konzerns für alle Fra­gen rund um die Gesundheit und der ambulanten und sta­­tionären Versorgung, in­­klusive der Alten­­heimversorgung, einen entsprechendes Angebot anzubieten. In den HSK werden jährlich circa 45.000 Patienten stationär und circa 150.000 Patienten ambulant behandelt. Mit die­­sen Patientenzahlen und dem gesam­­ten Leistungs­port­fo­­lio, gehören die HSK zu den Maximal- oder Zen­­tral­kran­ken­häu­­sern in Deutschland.
Die Herausforderungen der Gesund­heits­­politik und der Verteilung der knappen Ressourcen haben dazu geführt, dass sich das Leistungsspektrum der HSK in den letzten Jahren wesentlich differenziert und spezialisiert hat. Neben dem um­­fas­­senden Leistungsspektrum im stationä­­ren Bereich bieten die HSK mittlerweile Leistungen an, wie sie zum einen nur in wenigen Regionen in Deutschland an­­ge­­boten werden und zum anderen noch einzigartig in der Bundesrepublik sind. Insofern tragen die HSK dazu bei, dass der Gesundheitsstandtort Wiesbaden ein kom­­munales Krankenhaus der Maximal­versor­­gung vorhält und darüber hinaus einzelne Segmente im Gesundheitswesen abbildet, welche Vorreiterfunktion haben. Nachfolgend sollen einige dieser As­­pek­­te vorgestellt werden, um deutlich zu ma­­chen, dass hierdurch auch die Wirt­schafts­­kraft der Stadt Wiesbaden gestärkt wird.

mc-plus
Die Veränderung in der Kranken­ver­si­­ch­­erungsgesetzgebung und die Mög­lich­­keit vielfältiger Wahltarife, die die ge­­setz­­li­­chen Krankenkassen heute anbieten, haben dazu geführt, dass die HSK sich mit ei­­nem speziellen Patienten- und Kun­­den­bin­dungs­­programm auch um die Fi­­nan­­­zie­rung der Gesundheitsleistungen küm­­mern. Somit ist es gelungen, in den letz­­ten zwei­­einhalb Jahren ein Programm und Pro­­dukt zu entwickeln, das den Bür­ge­­r­­innen und Bürgern der Stadt Wies­­ba­­­den die Möglichkeit gibt, neben der ge­­­setz­­lichen Krankenversicherung auch eine Zu­­satzversicherung für Wahl­leis­tun­­­­­gen im Krankenhaus abzuschließen, die auf ein­zel­­ne Leistungsanbieter kon­­zen­­­triert ist. Neben den stationären Wahl­leis­­­­­tungen wer­­den umfangreiche Prä­ven­­­tiv­­­leis­tungen an­­geboten, die dazu führen, dass mc-plus als der Gesundheits­ma­­na­­ger für die Be­­völkerung angesehen wer­­den kann.
Neben einem freiwillig durchzuführenden Gesundheitscheck wird eine Gesund­­heitsakte angeboten, in der sämtliche Da­­ten der Versicherten datenschutz­recht­­lich geprüft sowie sicher und voll­­ständig aufbewahrt werden können.
Die­­ses stellt einen Vorteil dar, wenn es da­­rum geht, schnell vollständige Infor­ma­tio­­nen über den Krankheits- und Ge­­sund­­heits­­zustand des Menschen zu erhalten.
Darüber hinaus kann das mc-plus-Mit­­glied über ein umfangreiches Kompe­tenz­­netz verfügen, das es ihm erlaubt, in schwieri­­gen Fragen die richtigen Ant­­wor­­ten zu finden. Mittlerweile haben sich über 1.500 Mitglieder für dieses Programm entschie­­den. Zurzeit wird dieses Pro­gramm, wel­­ches in Wiesbaden entwickelt worden ist, anderen Krankenhäusern vor­­gestellt und findet eine außerordentlich positive Re­­sonanz. Zielsetzung ist es, ein Netz von mc-plus-Partnerkran­ken­häu­sern aufzubauen, so dass die Bürger­in­nen und Bür­­­ger der Stadt Wiesbaden auch die Mö­g­­lichkeit haben, Krankenhäuser in an­­de­ren Städten aufzusuchen und dort die Zusatzleistungen von mc-plus zu er­­hal­­ten. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Bürgerinnen und Bürger der Städte, die ebenfalls mc-plus-Partner­kranken­häuser vorhalten. Langfristig wird hierdurch auch eine Stärkung der Kranken­häuser im Wettbewerb erwartet.


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Ambient Assisted Living
Die HSK Rhein-Main GmbH hat an einem Wettbewerb um Forschungsmittel teilge­­nommen, bei dem das Bundes­­minis­te­­rium für Wissenschaft und Forschung (BMBF) Modelle unterstützen will, mit denen es gelingt, die älter werdende Be­­völkerung möglichst lange in ihrem häus­­lichen Umfeld zu belassen und dennoch den Gesundheitszustand und die sozialen Lebensqualitäten konstant zu erhalten beziehungsweise zu erhöhen. Die HSK hat in Kombination mit der Robert-Bosch-GmbH und dem Fraunhofer-Institut in Dortmund als auch weiteren Partnern insgesamt als Konsortialführer ein För­dervolumen in zwei Stufen von circa zwei Millionen Euro erhalten. In Kombination mit den bereits vorgestellten mc-plus-Leis­­tungen werden gemeinsam mit der ge­­­­­meinnützigen Wohnungswirtschaft Wies­­baden GWW GmbH Mieterinnen und Mie­­ter beworben, um zum einen mc-plus-Leistungen in Anspruch zu nehmen und zum anderen telemedizinische Möglich­keiten der Begleitung der Mieter bei chro­­nischen Krankheiten zu ermöglichen. Die­­ses Modell stellt ein einzigartiges Mo­­dell in Deutschland dar und ist wiederum ein Beweis, dass sich die Kur­stadt Wies­ba­den längst zu einem Gesundheits­stand­­ort entwickelt hat, der mit innova­­tiver Tech­­nologie und mit smarten Lö­­sun­­gen zu einer Innovationsstadt für Ge­­sund­­heit bei­­­­trägt.

Partner-Service-Zentrum
Im einem speziellen Organisations­modell ist es der HSK gelungen, darzustellen, dass die Versorgungskette der Patien­ten von der Wohnung über bestimmte ambulante und stationäre Einrichtun­gen wieder hin in die Wohnung anders ge­­ma­n­­agt werden müssen, als dieses in der Ver­­gangenheit der Fall war. Durch ge­­eigne­­te Integrationsverträge wird es in der Zu­­kunft gelingen, Patienten mit möglichst wenig Schnittstellen in der Versorgung zu betreuen und dennoch dazu beizutragen, dass die Kosten im Gesundheitswesen nicht explodieren.

Altenheimversorgung
Es entspricht der Verantwortung der HSK Rhein-Main GmbH, nicht nur die Akutbe­­handlung optimal zu leisten, sondern sich auch um die weitere Versorgung der an­­vertrauten Patienten zu kümmern. Inso­­fern ist die Partnerschaft mit der Stadt Wiesbaden, ein spezielles Altenheim auf dem Gelände der HSK zu gründen, ein weiterer Baustein zur Schließung der Ver­­sorgungskette von der Geburt bis zum Ende des Lebens. Auch hierdurch wird gewährleistet, dass Patienten, die aufgrund der gesundheitspolitischen Rah­menbedingungen möglichst schnell das Krankenhaus verlassen müssen, nicht in ein Versorgungsdefizit geführt werden, sondern die HSK geeignete stationäre und auch ambulante Einrichtungen (am­­bulante Pflege) zur Verfügung stellt.


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HSK-Plus
Die HSK sind als sogenanntes klassenloses Krankenhaus gegründet worden, so dass der Ausbau der Komfortleistungen, neben den medizinischen Leistungen, nicht im gleichen Umfang stattgefunden hat, wie dies in anderen Krankenhäusern, auch in Wiesbaden, möglich war. Inso­fern ist der Anteil der Privatpatienten in den HSK deutlich unterrepräsentiert, trotz der maximalen medizinischen Kapazitäten und auch nachweislichen Erfolge, die vor­­gehalten werden. Insofern hat die HSK Rhein-Main GmbH in den letzten Jah­ren eine Privatklinik innerhalb der HSK ausgebaut, die dazu geführt hat, dass 25 Prozent mehr Privatpatienten be­­han­­delt werden können, als dies in der Ver­­gangenheit möglich war. Dieses zeigt, dass sowohl der Ausbau des medizinischen Portfolios als auch der Ausbau des Komfortbereiches Säulen sind, die für den wirtschaftlichen Erfolg der HSK au­­ßer­­ordentlich wichtig sind.

Insofern sind die HSK aus dem Stadt­bild und der Versorgung der Region Wies­ba­­den und des Rhein-Main-Gebie­tes nicht mehr wegzudenken. Neben vielfäl­tigen Forschungsaufgaben, die von der Me­­dizin wahrgenommen werden, haben die HSK inzwischen in Deutsch­land einen Ruf, der neben der medizinischen Kom­­petenz auch durch die innovativen Ver­­sor­­gungsansätze gekennzeichnet ist.

Strehlau310309069Der Autor ist Sprecher der Geschäfts­füh­­rung der HSK Rhein-Main GmbH und Präsident der Hessischen Kranken­haus­gesellschaft. Zuvor war er in der Lei­­tung des Finanz- und Rechnungs­we­­sens in der Verwaltungsdirektion meh­­­­r­­erer Kran­­kenhäuser, als Geschäfts­führer des Kran­­ken­haus­bera­tungsunter­neh­mens Gebera und der Vi­­­vantes Netzwerk für Gesund­heit GmbH tätig.