Dipl.-Ing. Wilfried Klose & Dipl.-Kfm. Matthias Lux: Innovativ und leistungsstark in Halle

Die Stadtwerke Halle sind nicht nur der zuverlässige und günstige Ver- und Ent­­sorger vor Ort, sondern beweisen mit in­­telligenten Lösungen ihre Innovations­fä­higkeit. Ob mit dem Verfahren zur be­­darfsgerechten Chemikalien­dosierung ge­­gen Kanalgeruch oder mit der Fort­­setzung des Projektes „Kurzum­triebs­plantage“ – die Unternehmen des Stadt­­werke-Verbundes weisen mit ihren Pro­­jekten in die Zukunft.


Huttenstraße

Intelligente Lösungen gegen Kanal­­ge­­ruch
Gesetzt den Fall, es stinkt aus dem Ka­­nal, helfen meist herkömmliche Mittel gegen die Geruchsbelästigung: Che­mi­kalien, die dem Abwasser zugesetzt oder Biofilter, die im Kanaldeckel angebracht werden.
Beide Verfahren sind kostenintensiv, trotz­­dem setzt die Hallesche Wasser und Abwasser GmbH, ein Unternehmen der Stadtwerke Halle, insbesondere auf den Einsatz von Chemikalien. Doch wie kön­­nen diese wirklich auch bedarfsgerecht dem Abwasserstrom und damit um­­welt­­schonend weil sparsam beigemischt wer­­den? Zu dieser Frage nach der Opti­­mie­­rung der Dosierung der Chemikalien ar­­­beitete das Unternehmen mit halleschen Wissenschaftlern der ECH Elek­tro­che­mie Halle GmbH und IFT Institut für Flu­­id­­tech­­nologien Halle GmbH zusammen. Die Wissenschaftler entwickelten ein neu­­artiges Analyseverfahren und die entsprechende Messtechnik.

Klausbergsammler_Boot
Schwefelwasserstoff wird hier nun erst­­malig als Indikator für den Kanalgeruch messtechnisch sowohl im Abwasser als auch in der Umgebungsluft erfasst. Da­­rin besteht das tatsächlich Neue des „SULPHOX-4-Verfahrens“. Der Analy­sa­­tor misst bereits geringste Spuren Schwe­­felwasserstoff.
Besonders am Übergabepunkt von Druck­­­leitungen in den Frei-Spiegel-Kanal kam es permanent zu Geruchs­beläs­tigun­gen. Über eine H2S-Messung im Zulauf des Bauwerkes und in der Luft wird nun die Zudosierung einer Eisensalzlösung vor­­genommen. Der Daten-Logger gibt dann über ein Steuerprogramm Signale an die Dosierpumpen für die Reaktions­che­mi­­kalie mit dem Ergebnis, dass die Do­­sierung punktgenau entsprechend des Bedarfs erfolgt. Eine Überdosierung, die beispielsweise häufig im Regenfall eintrat, wird nun vermieden. Seit Einsatz der intelligenten Dosierung ist keine Ge­­ruchsbelästigung mehr zu verzeichnen. Und das Entscheidende: Die Behand­lungs­­kosten werden deutlich reduziert und Bauwerksschäden durch biogene Schwefelsäurekorrosion vermieden.


Kurzumtrieb_2008

Mit Biomasse erneuerbare Energien gewinnen
Auf der Silberhöhe errichtete die Stadt­­wirtschaft Halle, ein Unternehmen der Stadtwerke, gemeinsam mit der Hal­­le­­schen Wohnungsgesellschaft mbH und der Bau- und Wohnungs­ge­nos­sen­­schaft Halle-Merseburg e. G. auf ehema­­ligen Ab­­rissflächen die nunmehr drit­­­­te Kurz­­um­­triebsplantage. Dieser so ge­­nannte „En­­er­­giewald“ besteht aus schnell wachsenden Bäumen, die innerhalb we­­niger Jahre geerntet und zu Biomasse verarbeitet werden können. So kann Energie oder Wär­­me komplett regenerativ er­­zeugt werden. Zusätzlich begrünen die Plan­­ta­­gen das Wohnumfeld auf der Sil­­ber­­höhe und stehen nicht in Kon­­kur­­renz zur Nah­­rungs­mittel­er­zeu­gung, da die Plan­­ta­­gen in Halle auf ehemaligen Plat­tenbau-Ab­­riss­­flächen ent­­stehen und nicht auf landwirtschaftlich genutztem Boden. Dieses Pro­jekt ist ein Bestand­­teil des Auf­­baus von Bio­­masse-Kern­kom­pe­tenz in der Re­­­gion Halle und Saale­kreis.
Dass uns fossile Brennstoffe wie Kohle oder Erdgas nur begrenzt zur Ver­fü­gung stehen, ist allerorten bekannt. Deshalb ist die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahrzehnte. Die Stadtwerke Halle stellen sich diesem Thema neben Öko-Strom, Solar- und Wasserkraft auch im Bereich Biomasse: Die Stadt­wirt­schaft Halle nutzt und erforscht diesen Energieträger und setzt das Er­folgs­pro­­­jekt „Kurzumtriebsplantagen“ fort.
Bereits 2007 und 2008 errichtete die Stadtwirtschaft zwei „Energiewälder“ in Halle-Neustadt im Bereich Lüneburger Bogen und Osnabrücker Straße. Die er­­s­­te Plantage wurde mit 18.000 kleinen Balsampappelstecklingen bepflanzt, die jetzt eine Höhe von 1,5 bis 3,5 Metern erreichen. Frühestens im Winter 2009/ 2010 könnten sie geerntet werden. Die zweite Plantage wurde mit 9.000 Bal­­sampappelstecklingen und 1.000 Ro­­bin­­i­­enstecklingen bepflanzt. Die Stecklinge erreichen derzeit Kniehöhe und könnten bei jetzigem Aufwuchs frühestens im Winter 2011/2012 genutzt werden. Mit den gewonnenen Erfahrungen wird nun die dritte Kurzumtriebsplantage auf der Silberhöhe entlang der Willi-Bredel-Stra­­ße auf einer 9.000 Quadratmeter großen Abrissfläche mit 8.000 Steck­lin­­gen betrieben.

Kurzumtrieb1_2009

Die Stadtwirtschaft will zukünftig verstärkt Biomasse nutzen, um die energe­­tische Verwertung anderer geeigneter Materialien noch effektiver zu gestalten. Für die Wohnungsunternehmen hat die Errichtung eines solchen Energiewaldes große Bedeutung im Sinne der zukünftigen Gestaltung von Flächen am Ran­de einer Großwohnsiedlung.

 

Wilfried-KloseDer Autor ist seit Juni 2005 Vor­­sit­­zen­der der Geschäftsführung der Stadt­­werke Halle GmbH. Er ist Ge­­schäfts­­führer der Stadt­wer­­ke-Toch­­ter Halle­sche Wasser und Ab­was­­ser GmbH und der Ab­­fall­wirtschaft GmbH Halle-Lochau. Klose studier­­te Was­serwirtschaft an der Technischen Uni­­ver­sität Dresden und ar­­beitete als Di­­plom-In­­­­genieur von 1966 bis 1989 in un­­ter­schied­lichen Bereichen des VEB WAB Halle.

 

 

Matthias-LuxDer Autor ist Ge­­schäfts­­führer der Stadt­werke Halle GmbH und kaufmännischer Ge­schäfts­führer der Stadt­­­­wirt­schaft GmbH Halle. Vorher war der Diplom-Kauf­­­mann Leiter des Konzern­controllings und Re­­fe­r­­ats­leiter Konzern­projekte bei den Stadt­­­werken Halle. Nach seinem Studium an der Universität Göt­tingen war er als Ge­­schäfts­­­feld­leiter bei der Wirtschafts­prü­fungs­­ge­­sell­schaft Rödl & Partner Nürn­­berg tä­­tig.