Dieter John: Schnell, sicher, nachhaltig – Aspekte der Mobilität

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Der öffentliche Personennahverkehr ist ein wesentlicher Faktor für den Wert von Wirtschaftsstandorten. Und diese sind gut beraten, ­die Mobilität von Morgen schon heute im Blick zu haben.

Die Zukunft moderner Metropolen hängt von intelligenten Mobilitätslösungen ab. Sie sind der Schlüssel für ökonomische Vitalität, Flexibilität und Lebensqualität. Megatrends wie Urbanisierung und Klimawandel stellen die Metropolen überall auf der Welt vor große Herausforderungen. Bereits rund vier Milliarden Menschen leben in Städten und diese Zahl wird in den kommenden 20 Jahren auf mehr als sechs Milliarden Menschen steigen. Damit es in der Folge nicht zu Verkehrskollaps und steigender Umweltverschmutzung kommt, müssen sichere und smarte Mobilitätskonzepte etabliert werden.

Berlin ist in vielen Bereichen Trendsetter – auch in Sachen Mobilität. Vor allem ist die Hauptstadt in Bewegung. Statistisch absolviert jeder Berliner drei Strecken pro Tag und braucht dafür rund 70 Minuten. Der eigene Pkw verliert dabei immer mehr an Bedeutung. In keiner anderen deutschen Millionenstadt fahren so wenige Autos pro Einwohner. Vor allem in der Innenstadt boomt das Carsharing. Der Trend, auf das eigene Auto zu verzichten, hat verschiedene Gründe: Parkplatzsuche, Stau, Kosten, Emissionen. Wer das nicht will, steigt um – neben dem öffentlichen Personennahverkehr auch aufs Fahrrad.

Wer in Berlin von A nach B will, hat immer mehrere Mö­glich­­keiten. Im Zeitalter der Digitalisierung hilft die passende App dabei, sofort die Fahrzeiten, Preise und Verfügbarkeit aller Verkehrsmittel zu vergleichen – des Autos, des Fahrrads oder des ÖPNVs. Der kleine Computer in der Hand revolutioniert unsere Mobilität. Individualität bedeutet heute nicht mehr, im eigenen Auto zu sitzen, sondern aus einer Vielzahl von Verkehrsmitteln wählen zu können und sie schlau zu kombinieren – passend zum aktuellen Anlass.

Lösungen für die Mobilität von morgen

Der öffentliche Personennahverkehr passt sich den neuen Bedingungen an, entwickelt sich weiter. Gebraucht wird er mehr denn je. Berlin hat heute etwa 3,4 Millionen Ein­­wohner. Setzt sich der Zustrom weiter fort, muss die Stadt bis zum Jahr 2030 weitere 300.000 bis 600.000 Zuzügler verkraften – so viele Menschen wie in Stuttgart leben. All diese Menschen wollen wohnen, arbeiten und mobil sein. Die meisten und größten Wohnungsbauprojekte entstehen deshalb in den Randbezirken – dort, wo die Menschen heute schon vor allem die S-Bahn nutzen. Dass hier die Fahrgastzahlen weiter ansteigen, ist absehbar.

Berlins „Stadtschnellbahnen“ greifen auf ein einmaliges, engmaschiges und systematisches Netz zurück. Die Voraussetzungen hierfür wurden bereits vor 140 Jahren geschaffen, denn schon im 19. Jahrhundert verband man die Kopfbahnhöfe mit der Ringbahn und der Stadtbahn: die Geburtsstunde des S-Bahn-Fadenkreuzes. In den 1930ern wurde es mit einem Nord-Süd-Tunnel komplettiert. Zuletzt erhielt Berlins Verkehrsnetz 2006 eine völlig neu gestaltete Mitte – und erstmals einen echten Hauptbahnhof. Auf mehreren Ebenen kreuzen sich hier Fern- und Regionalzüge, S- und U-Bahnen sowie Busse.

Die Weitsicht der Verkehrsplaner im öffentlichen Personennahverkehr zahlt sich bis heute aus: kurze Wege, wenige Umstiege, dichte Taktung. 1,3 Milliarden Fahrgäste fahren in Berlin jedes Jahr mit den Öffentlichen, Tendenz steigend.

Von Berlin aus die Welt auf Schienen setzen. Als eines der großen Drehkreuze Europas blickt Berlin auf eine interessante Eisenbahngeschichte zurück, die bereits ab dem späten 19. Jahrhundert viele Innovationen für den öffentlichen Verkehr hervorbrachte. Bombardier Transportation hat den öffentlichen Nahverkehr wesentlich mitgestaltet. Von Straßenbahnen und U-Bahnen über S-Bahnen bis hin zu Regionalzügen – mehr als die Hälfte aller Bahnen stammen von Berlin-Brandenburgs größtem Fahrzeughersteller oder seinen Vorgänger­unternehmen. So schreibt Bombardier Transportation fast 180 Jahre Bahnbaugeschichte fort. Vor diesem einzigartigen historischen Hintergrund wollen wir die Mobilität von morgen prägen. Wir bauen die Produkte dafür – aus Berlin heraus für die ganze Welt.

Mit dem größten und hoch innovativen Produktportfolio in der Schienenverkehrstechnologie ist Bombardier Transportation einer der Marktführer. Unser europaweit größter Entwicklungs- und Produktionsstandort ist das Werk Hennigsdorf im Norden von Berlin. Das Werk ist mit über 2.900 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in der Region. Zudem sind wir stolz darauf, unser globales Geschäft von Berlin aus zu steuern. Seit 2002 sitzt die Konzernzentrale von Bombardier Transportation in der deutschen Hauptstadt. Im traditionsreichen Gebäude der ehemaligen königlich-preußischen Eisenbahndirektion arbeiten heute rund 600 Menschen aus über 40 Ländern. In unmittelbarer Nachbarschaft haben mit der Deutschen Bahn und der städtischen BVG zwei der größten Ver­­kehrsunternehmen Europas ihren Sitz – dazu wichtige Zulieferer, impulsgebende Start-ups und zahlreiche Forschungseinrichtungen.

Nicht nur anders, sondern smart. Eine Stadt ist immer nur so modern wie ihr Verkehrsangebot. Berlin verfolgt das Ziel, lebenswertere und klimaneutrale Hauptstadt zu werden. Auf dem Weg zur smart City spielen umweltfreundliche und geräuscharme Transportmittel eine zentrale Rolle. Ab Sommer 2015 elektrifiziert eine neue Bombardier-Innovation den Straßenverkehr in Berlin. Dann startet der Testbetrieb leistungsfähiger, lautloser und umweltschonender E-Busse „ohne Strippe“. Die Busse werden kabellos per Induktion an den Endstationen geladen. Dies ist ein Novum im Innenstadtbereich europäischer Hauptstädte. Damit unterstreichen Berlin und Bombardier ihre innovativen Vorreiterrollen und fügen ihrer langjährigen Partnerschaft und gemeinsamen Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzu.

Dieter_John09Dieter John
Der Autor ist Diplom-Betriebswirt mit mehreren Abschlüssen und seit Juli 2014 bei Bombardier Transportation Präsident für die Region Mitteleuropa, Osteuropa, Russland und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Zudem ist er Vor­sitzender der Geschäftsführung der Bombardier Transportation GmbH.