Cornelia Yzer: Berlin: Starker Wirtschaftsstandort auf der Überholspur

In der Gründerstatistik weist das Land Berlin die höchste Gründerquote auf.  Die Hauptstadtregion – und als Nucleus Berlin – offenbart eine beeindruckende Dynamik.

 

In Berlin werden mehr Unternehmen gegründet als in jedem anderen Bundesland. Mit 40.000 neuen Unter­nehmen pro Jahr und einer Selbstständigenquote von 14 % ist Berlin unangefochten Deutschlands Gründer­hauptstadt. Besonders die digitale Wirtschaft ist mit ihren Applikationen und Diensten, die vom Online-Marketing bis zum Cloud Computing reichen sowie ihren E-Commerce-basierten Endkunden-Angeboten ein zentraler Treiber der Berliner Gründerszene. Die Gründe dafür sind mit Händen zu greifen: Eine hervorragende Forschungsinfra­struktur, eine inspirierende kreative Szene, Möglichkeiten für Vernetzung und Synergien, hochqualifizierte Fach­kräfte. Das sind Assets, die wir weiterentwickeln und fördern.
Jährlich entstehen in der Berliner Digitalwirtschaft rund 500 neue junge, innovative Technologiefirmen, die sich sowohl durch ein breites, innovatives Themenspektrum als auch durch eine hohe Eigendynamik auszeichnen. Mittlerweile kann die Branche zahlreiche Erfolgs­­ge­schich­­ten von IT- und Internet-Start-ups erzählen, die sich als Unter­­nehmen in Berlin etabliert haben: Die Startup-Schmiede Rocket Internet, der Modehändler Zalando, der Lieferservice Delivery Hero oder die Musikplattform Soundcloud sind sicherlich die schillerndsten Beispiele einer durchweg erfolgreichen Standortentwicklung.

Die lebendige und erfolgreiche Startup-Landschaft Berlins sorgt weltweit für Aufsehen und weckt bei internationalen privaten Kapitalgebern großes Interesse. Im ersten Quartal 2015 sammelten die Unternehmen in der Hauptstadt mit 876 Millionen Euro mehr Wagniskapital ein als alle anderen europäischen Metropolen.

 

Keine Frage: Insbesondere durch die Dynamik der Digitalen Ökonomie erlebt Berlin zurzeit eine neue, die Wirtschaft der Stadt prägende und vorantreibende Gründerzeit. Diese durchweg positive Entwicklung passt sich nahtlos ein in das großstädtische Flair Berlins. Die Stadt ist international, vielseitig, pulsierend, multikulturell und vor allem offen. Offen in dem Sinne, dass sie Raum zur Verwirklichung von Ideen bietet. Das zieht Macher, Kreative, Talente und Fachkräfte aus Deutschland, Europa und aus aller Welt an. Wer heute die Mitte Berlins durchstreift, spürt diese Dynamik, die Internationalität und das Neue, das die Stadt mehr und mehr prägt.

Das alles trägt dazu bei, dass die Stadt mit hoher Dynamik wächst: Mit einem Plus von 2,2 Prozent in 2014 liegt Berlin erneut beim Wirtschaftswachstum deutlich vor dem Bundesdurchschnitt. Mit 45.000 neuen Einwohnern im vergangenen Jahr und einem prognostizierten Zuwachs von 300.000 Neuberlinern im nächsten Jahrzehnt wächst Berlin so schnell wie keine andere deutsche Stadt. Ein solch starkes Wachstum wird ohne Frage alle stadtpolitisch relevanten Themenfelder tangieren.

Berlin stellt sich dieser Herausforderung offensiv mit einer ambitionierten Smart-City-Strategie. Ein zentraler Aspekt in dieser Strategie ist es, die Verbindung von Industrie mit Forschung und Entwicklung unter dem Aspekt „smart production“ für Berlin gezielt voranzutreiben. Denn Industrieproduktion wird in Zukunft mehr denn je von hoch­­entwickelter Software und spezieller Sensorik abhängen. Industrie 4.0 und die Digitalisierung werden sämtliche Arbeits-, Produktions-, Vertriebs- und Marketingprozesse verändern. Hier ist Berlin gut aufgestellt. Viele der Lösungen der Industrie 4.0 sind bereits heute „Made in Berlin“. Berlin hat damit das Potenzial, sich zum führende internationalen „Think Tank Smart Production“ zu entwickeln. Wichtige Ideen- und Lösungsgeber dabei sind neben den innovativen Berliner Unternehmen vor allem die zahlreichen umtriebigen Forschungsinstitute, wie Fraunhofer IPK oder Fraunhofer FOKUS. Gleichzeitig haben große deutsche und auch internationale Unternehmen, wie zum Beispiel Deutsche Telekom, Deutsche Post, Bertelsmann, ProSiebenSat.1, Otto Group, Daimler, Vattenfall, E.ON, Klöckner oder Google diese kreativen Potenziale erkannt und setzen mit ihren Inkubatoren und Acceleratoren, Digitalen Units und Shared Service Centern zusätzliche Innovationsimpulse in der Stadt.

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Wirtschaftspolitisch arbeiten wir kontinuierlich daran, die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Engage­ment in Berlin zu verbessern und zukunftsgerecht ­aus­­­­zu­­gestalten. Neben einem ausgefeilten Wirtschafts­förderinstrumentarium, das gezielt auf die Belange der hier agierenden und für den Standort planenden Unternehmen ausgerichtet ist, bieten wir Unter-nehmen mit dem „Einheitlichen Ansprechpartner“ in der Senats­ver­­waltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung eine Navigationshilfe bei allen administrativen Prozessen. Das Team um den Einheitlichen Ansprechpartner ermöglicht es Unternehmen, sämtliche Forma-litäten und Anträge in elektronischer Form online umzusetzen – und das rund um die Uhr. Im Rahmen des Vergaberechts haben wir jetzt dafür gesorgt, dass die Bürokratie zurückgedrängt und eine deutlich schnellere Auftragsvergabe ermöglicht wird. Mit der Idee der Ausgestaltung von Zukunftsorten knüpfen wir an die Erfolgsstorys des führenden europäischen Technologieparks in Adlershof und dem Biotech Campus Berlin-Buch an, um an weiteren lokalen Technologieschwerpunkten neue Synergiepotenziale aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zu aktivieren.

Berlin hat nach Jahren der Neuausrichtung der Wirtschaft auf die Überholspur gewechselt. Das höhere Tempo tut der Stadt gut und bringt sie im internationalen Wettbewerb zügig voran. Wir werden auf der Überholspur bleiben.

offizielles-Foto-300dpi©SenWTF-LopataCornelia Yzer
Die 1961 in Lüdenscheid geborene Autorin hat Rechts- und Wirtschafts­wissenschaften in Münster und Bochum studiert und ist seit 1990 zugelassene Rechtsanwältin. Nach Stationen bei der Bayer AG und dem Verband forschender Arzneimittelhersteller ist sie seit 2012 Berliner Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung.