Christopher Grätz: Crowdlending – Finanzierung digital denken!

Nach der Musikindustrie und dem Verlagswesen steht mit der Finanzindustrie die nächste Branche vor der vollständigen Umwälzung. Technologien wie das Internet, soziale Medien und Mobile Banking haben neue Geschäftsmodelle auf den Plan gerufen, die das Bankwesen der vergangenen Jahrhunderte vollständig revolutionieren werden. Die Finanzierungsform Crowdlending bietet kleinen und mittelständischen Unternehmen ganz neue Möglichkeiten und Privatanlegern eine transparente Zinsanlage.

 

Ob Zwei-Personen-Betrieb oder eine Firma mit 500 Ange­stellten. Ob Gastronom, Bauunternehmer, Metallbauer oder IT-Dienstleister – sie alle benötigen Kapital. Kapital um Ma­­ter­­ial zu beschaffen, Fahrzeuge in stand zu setzen, neue Ma­­schinen zu kaufen oder die eigene IT-Infrastruktur aus­­zu­­bauen. Aber nicht jeder Unternehmer erhält bei seiner Bank den gewünschten Firmenkredit. Die Ablehnung des Finan­­zierungswunsches kann dabei ganz unterschiedliche Gründe haben, die nicht immer beim Kreditnehmer zu suchen sind.

Oftmals lehnen Banken den Finanzierungswunsch mit dem Hinweis auf die zu starke Risikokonzentration der Bank in einer bestimmten Branche ab. In anderen Fällen ist der grund­­­sätzliche Kreditspielraum der Bank bereits erschöpft. Den Unternehmer lässt die Absage der Bank oft ratlos zurück. Die Motivation mit den Kreditunterlagen von Bank zu Bank zu laufen ist naturgemäß äußerst gering. Nahezu jeder zweite Unternehmer stellt die Suche nach einem Firmenkredit nach der Absage seiner Hausbank vollständig ein.

Der neue Weg. Die digitale Revolution hat hier mit der Finan­­zierungsform des Crowdlendings ganz neue Wege geschaffen. Beim Crowdlending handelt es sich um über Internet-­­Plattformen vermittelte Kredite, die von Privatpersonen an Unternehmen ausgegeben werden. Die Vorteile für den Unternehmer liegen auf der Hand. Er kann seinen Firmen­­kredit bequem online vom eigenen Schreibtisch aus realisieren. Über Crowdlending-Plattformen meldet der Unterneh­mer sein Finanzierungsvorhaben an und übermittelt die nötigen Daten und Dokumente wie Registrierung, Geschäfts­­ab­­schlüsse, Businesspläne und Kreditbedarf online. Inner­­halb von drei Tagen gibt es ein entsprechendes Kreditangebot. Crowdlending bietet Unternehmern also einen unbürokratischen, schnellen und sehr einfachen Prozess.

Der digitale Marketing-Effekt. Das ist aber längst nicht alles. Crowdlending ist weit mehr als nur eine Finanzierungs­alter­na­­tive zum Bankkredit. Crowdlending-Plattformen bieten dem Unternehmer Zugang zu einer Spielwiese individueller Darstellungs- und Marketingmöglichkeiten. Denn wer mit seinem Geschäftsmodell und Finanzierungsprojekt auch andere Menschen begeistern möchte und sich für die digitale Finanzierungsform entscheidet, der erhält neben der Finanzierung einen kostenlosen Unternehmensfilm. Unter­­nehmer können so zusätzlich Reichweite erzielen und Inves­toren und potentielle Geschäftspartner mit einem professionellen Auftritt überzeugen.

Gerade auch im Bereich der Neukundengewinnung ist die Online-Kommunikation per Video-Format ein hervorragendes Instrument. Schließlich dürften die meisten Menschen die Frage, auf welchen Sinnesreiz sie am ehesten reagieren, mit der visuellen Wahrnehmung antworten. Nicht umsonst gehören Online-Video-Portale wie Youtube oder MyVideo zu den beliebtesten Seiten im Internet. Videos nehmen so­­gar den größten Anteil an der Web-Nutzungsdauer von Privat­­leuten ein – noch vor textbasierten sozialen Netzwerken.

Warum also nicht Bewegtbilder als Online-Kommunikations­­mittel mit potentiellen Neukunden einsetzen? Online-Videos zu Marketingzwecken können im Zeitalter des Storytellings und Content Marketings ihre Stärken ausspielen. Da die Aufmerksamkeitsspanne der Online-Konsumenten im Inter­net jedoch meistens sehr kurz ist, sollten die Marketing­videos einen überschaubaren Zeitrahmen nicht überschreiten.

Aus dem anonymen Finanzierungsprozess bei der Bank wird so per Crowdlending eine individuelle Projektfinanzierung mit privaten Anlegern als Kreditgebern, die an das Ge­­schäfts­­­­mo­dell glauben, ergänzt um einen professionellen Marketing-Effekt, der sich auch bei der Akquise von Neukunden einsetzen lässt. Vorrausetzung dafür allerdings ist, dass Unternehmer bereit sind, neu und zukunftsgerichtet zu denken – im Sinne der Finanzierung und als erster Schritt zur Digitalisierung.

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ie logische Antwort. Die privaten Anleger haben den ersten Schritt bereits getan und sich dieser alternativen Anlageform nachhaltig geöffnet. Auslöser dafür sind sicherlich mehrere Komponenten, die seit der Finanzkrise 2008 zusammenkom­men: Niedrige Zinsen, komplizierte und intransparente An­­lage­­­­produkte mit einem schwer kalkulierbaren Risiko, mangel­­haf­­tes Vertrauen in die Finanzindustrie und eine heftig schwan­­kende Börsen. Zinsanlagen per Crowdlending als Beimisch­­ung für das Anlageportfolio sind für viele Anleger eine echte Perspektive.

Und auch hier sind die Vorteile klar zu erkennen. Jederzeit und an jedem Ort können sich die Anleger online über Kredit­­projekte mittelständischer Unternehmen informieren. Durch die ausführliche Darstellung der Kreditprojekte in Text und Film können sie zudem unabhängig und selbst entscheiden, wem sie ihr Geld anvertrauen und für welches Kreditprojekt es verwendet wird.

Jedes Kreditprojekt, das als Finanzierungsmöglichkeit vorgestellt wird, hat im Vorfeld einen mehrstufigen und strengen Prüfprozess durchlaufen. Je nach Ergebnis dieser Überprüf­ung werden die Kreditprojekte in unterschiedliche Risiko­­klassen eingeteilt und anschließend mit allen relevanten Daten vorgestellt. Für den Anleger bedeutet das, die Risiken und die Sicherheit der jeweiligen Anlage vergleichsweise gut einschätzen und kalkulieren zu können.

Fälle der Vergangenheit, bei denen Sparguthaben ohne Wissen der Anleger von ihren Banken beispielsweise in amerikanische Schrottimmobilien investiert wurden, sind bei Crowdlending nicht möglich. Crowdlending ist für Anleger die logische Antwort auf die Fehlentwicklungen, die zur Finanzkrise 2008 geführt haben. Und für den Unternehmer sollte Crowdlending zukünftig die logische Antwort auf die Frage nach der Verbindung von Finanzierung und Digitalisierung sein.

Christopher-Grätz_2015Christopher Grätz
Christopher Grätz ist Gründer und CEO der kapilendo AG. Zuvor war er fünf Jahre als Management Consultant der KPMG AG im Bereich Strategy & Operations – Financial Services tätig und hat zahlreiche deutsche und internationale Großbanken und DAX-30 Industrieunternehmen beraten. Christopher Grätz hat einen Mastertitel der renommierten University of St Andrews. Seine berufliche Laufbahn begann Christopher Grätz mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Privatbank Weberbank AG in Berlin.