Andrea Adams: Rheinland-Pfalz – Landwirtschaftlicher Vollsortimenter

Von Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln über Obst, Gemüse sowie Milch, Eier und Fleisch bis hin zu hervorragenden Weinen und Tabak: Die Vielfalt der ­­landwirtschaftlichen Produktion in Rheinland-Pfalz ist bundesweit einzigartig.

Die Bauern- und Winzer­­familien in Rheinland-Pfalz sorgen mit ihren Erzeugnissen für eine gesunde und genussvolle Ernährung mit qualitativ hochwertigen Produkten aus der Re­­gion. Mit dem „Gemüsegarten RheinPfalz“ liegt das größte zusammenhängende Gemüseanbaugebiet Deutsch­­lands in Rheinland-Pfalz. Auf über 19.000 ha wachsen hier insbesondere Radieschen (nahezu vier Fünftel der bundesweiten Produktion!), Bundzwiebeln, Möhren/Karotten, Speisezwiebeln, Spargel, Blumen­kohl und Feldsalat. In den sechs rheinland-pfälzischen Weinanbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen stehen auf 64.000 ha Weinbergen 320 Millionen und damit zwei Drittel aller deutschen Rebstöcke.

Die Landwirtschaft und der Weinbau in Rheinland-Pfalz sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In gut 17.500 Betrieben arbeiten mehr als 44.000 ständig Beschäftigte und zusätzlich 46.500 Saisonarbeitskräfte. Auf 410.000 ha Ackerland, 225.000 ha Grünland und 70.000 ha Dauerkulturen (Rebfläche und Obstanlagen) wird ein Produktionswert von ca. drei Milliarden EUR erzielt und eine Bruttowertschöpfung von über einer Mil­­liarde EUR erwirtschaftet. Darüber hinaus schafft und erhält der Berufs­­stand mit seiner täglichen Arbeit eine Kultur­land­­schaft, die Rheinland-Pfalz nicht nur für seine Be­­wohner lebens- und liebenswert, sondern auch für Touristen aus Deutsch­­land und aller Welt zu einem attraktiven Reiseziel macht. Dazu tragen nicht nur die Steillagen an Mosel, Ahr und Mittelrhein, sondern auch die Rhein­­ebene, das hügelige Rheinhessen und die von Vieh­haltung und Grünland­wirtschaft geprägten Mittelgebirgslagen bei.

Familiengeführte Be­­triebe und kleinteilige Struk­turen sind typisch für Rheinland-Pfalz und ermöglichen die oben beschriebene Vielfalt. Gleichzeitig bilden modernste Pro­­duktionsmethoden, hervorragend ausgebildete Be­­triebs­­leiter und das Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber Natur, Umwelt sowie den nachfolgenden Generationen die Grundlage eines nachhaltigen Wirt­schaftens. Dabei agieren die Unternehmen unter an­­spruchs­­vollen und sich ständig ändernden Rahmen­be­dingungen, die eine kontinuierliche Anpassung erforderlich machen: Globalisierung in Verbindung mit Struk­­tur­­wandel und volatilen Märkten, sich wandelnde An­­sprüche von Gesellschaft und Politik, Klimawandel, Digi­­tal­­isierung sowie Einschränkungen in der Produktion durch entsprechende Gesetzgebung. Um diese Heraus­forderungen erfolgreich meistern zu können, bedarf es einer starken berufsständischen Vertretung. Im südlichen Rheinland-Pfalz setzt sich der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) mit Sitz in Mainz als agrar- und weinbaupolitische Interessen­­vertretung für die Belange des Berufsstandes ein. Der BWV entstand 1990 aus der Fusion zwischen dem Bauern­­verband Rheinhessen und der Pfälzischen Bauern- und Winzerschaft und hat heute ca. 12.000 Mitglieder aus Rheinhessen und der Pfalz.

Verschärftes Ordnungsrecht, ausufernde Bürokratie und immer mehr Auflagen beschleunigen den Struktur­­wandel, gerade in kleinstrukturierten Gebieten und erhöhen die Produktionskosten. In der Folge sinkt die Rentabilität mancher Kulturen, bis sich deren Anbau nicht mehr lohnt. Da­­durch ist auch die Vielfalt der Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz mittelfristig bedroht. Vor diesem Hinter­grund ist die agrar- und weinbaupolitische Willens­­bildung die zentrale Aufgabe des BWV. Oberstes Ziel ist dabei nicht nur der langfristige Erhalt der Be­­triebe in Rheinland-Pfalz, unabhängig von Produktions­ausrichtung und Größe, sondern auch der Erhalt der Entscheidungsfreiheit in deren Anbauplanung. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt sich der BWV als Landesbauern­verband vordergründig mit allen die Landwirtschaft und den Weinbau betreffenden Politikbereichen auf Landes­ebene auseinander. Aber auch im Hinblick auf eine immer weitreichendere Verlagerung der Agrar- und Weinbau­politik auf Bundes- und insbesondere auf EU-Ebene, ist die Bündelung regionaler Interessen von großer Bedeu­tung. Denn nur durch abgestimmte und einheitliche Positionen ist es noch möglich, regionale Ansprüche durch­­zusetzen, die den Produktionsbedingungen und den berechtigten Ansprüchen der Betriebe vor Ort gerecht werden. Gelingt dies nicht, bergen Entscheidungen auf einer höheren Verwaltungsebene die Gefahr, Partikular­­interessen zu unterlaufen mit teilweise erheblichen Folgen für einzelne Regionen.

Zudem erfordern die bereits sehr hohen und weiter steigenden produktionstechnischen und marktwirtschaftlichen Anforderungen an die Landwirte und Winzer in Rheinland-Pfalz verlässliche Informationen und belastbare Aussagen. Die umfassende Beratung der Mit­glieder zu verschiedenen aktuellen Themen und Neu­e­­r­ungen rund um Landwirtschaft und Weinbau gehört deshalb ebenso zu den Kernkompe­tenzen des BWV wie die Betreuung der Betriebe in den Bereichen Buchführungs-, Rechnungs- und Steuerwesen.

Durch diese Unterstützung trägt der BWV aktiv zur Zukunftsfähigkeit der rheinland-pfälzischen Betriebe und damit zur landwirtschaftlichen Vielfalt ­­­bei. Dieser Vielfalt kommt auch der Trend hin zur Regionalität entgegen. Bei einer steigenden Anzahl von Verbrauchern spielt die Herkunft der gekauften Produkte wieder eine größere Rolle, insbesondere im Bereich Ernährung. Mit seiner umfangreichen Palette an landwirtschaftlichen und weinbaulichen Erzeugnissen wird Rheinland-Pfalz diesem Anspruch im Bereich der Lebensmittel mehr als gerecht und ist damit gerüstet für das wachsende Interesse für Produkte aus der Heimat. Rheinland-Pfalz: Landwirtschaftlicher Vollsortimenter mit Zukunft!

Andrea Adams
Die Autorin stammt aus einer Landwirtschaftsfamilie, hat Agrarwirtschaft mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft studiert und ist seit 1999 beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. in Mainz beschäftigt. Im Jahr 2005 wurde sie zur stellvertretenden Hauptgeschäftsführerin ernannt, bevor sie 2014 zur Hauptgeschäftsführerin des Verbandes berufen wurde.