Alexander Schaper: SmartHome und SmartLiving – Die Zukunft des Wohnens

In den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich das Leben der Gesellschaft in Bezug auf Vernetzung und die Verwendung digitaler Inhalte radikal verändert. So wie die Themen der Informationstechnik und Telekommunikation immer weiter zusammengewachsen sind, vollzieht sich eine Vermengung, Überschneidung und Verzahnung der smarten Themen.

 

Egal ob AAL (alltagsunterstützende Assistenz-Lösungen), Telemedizin, Unterhaltungselektronik (CE), Gebäudeau­tomation, Smart Grid + Metering, SmartHome etc.; die Inhalte werden facettenreicher und komplexer. Der Ver­­knüpfung dieser artverwandten Themenfelder liegen einerseits enorme Chancen und andererseits große Hand­lungsdrücke zugrunde. Die beiden größten Heraus­forderungen sind der demografische Wandel und der nachhaltige Wandel im Umgang mit Energie.

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Die Auswirkungen betreffen jeden, die unteren Einkom­mensschichten sogar in besonderer Weise. Strom und Hei­­zung werden in absehbarer Zeiten nicht billiger und auch die Pflegesituation wird sich eher verschärfen als entspannen.

Demografischer Wandel und SmartHome? Was hat das miteinander zu tun? Die Anzahl der Menschen im be­­rufsfähigen Alter nimmt kontinuierlich ab. Menschen, die nicht mehr oder noch nicht im Berufsleben stehen, werden die Mehrheit bilden. Zusätzlich ist die durchschnittliche Lebenserwartung gestiegen. Eine weitere Tatsache: Menschen im hohen Alter benötigen mehr me­­dizinische Versorgung, mehr Pflege und -hier kommt das SmartHome ins Spiel – mehr Assistenz –.

 

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Unsere heutigen Pflegemethoden sind sehr personal­intensiv. Unter anderem bedingt durch den demografischen Wan­­del werden die benötigten Pflegekräfte nicht mehr zur Verfügung stehen und alte Menschen werden einen Teil der Pflege selbst leisten müssen. Technische Assistenten können und werden ihnen helfen. Sie unterstützen und assistieren bei der „Eigenpflege“.

Die Forschung hat sich seit vielen Jahren mit technischen Assistenzsystemen beschäftigt. Es gab und gibt Prototypen bzw. Pilotinstallationen und die Ergebnisse sind immer die gleichen: Ja, es funktioniert. Ja, viele der betroffenen Menschen nehmen die Hilfen an.

Steigende Energiepreise, Energiewende und Smart­Home. Ebenso wie die Folgen des demografischen Wan­­dels lassen sich die steigenden Energiepreise und -kosten nicht wegdiskutieren. Hinsichtlich der Tatsache, dass in den kommenden Jahren mehr finanzielle Mittel für Pflege und deren Begleiterscheinungen durch die Privat­haus­halte und den Staat aufgebracht werden müssen, er­­scheint es naheliegend, über potenzielle Einsparmög­lich­­keiten an anderen Stellen nachzudenken. Energie in Form von Strom, Gas und/oder Öl ist in unser aller Leben als Kom­­fort und „Kostenstelle“ allgegenwärtig. Neben vielen kleinen Stell­­schrauben an den Kosten bietet uns der in der Regel verhältnismäßig große Kosten­block „Energie“ auch be­­merkenswerte Einsparmöglich­keiten, unter ande­rem durch den Einsatz von smarten Anwendungen.

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Möglichkeiten von und mit SmartHome. Wie auch immer SmartHome definiert wird – eines steht fest: Die heute zur Verfügung stehenden und(!) funktionierenden Tech­no­lo­gien können uns ganz allgemein im normalen Alltag im Sinne von Komfort, Ener­giemonitoring und -ma­nage­ment, Sicher­heit und Entertainment unterstützen und begeistern. Auch zur Bewältigung der oben genannten Heraus­forderungen bieten die technischen Möglichkei­ten ein großes Potenzial, welches wir in den kommenden Jahren in Ver­­bin­dung mit klaren Anfor­de­rungen von jeweils fachlicher Seite (Gesund­heits-, Pflege- und Sicher­­­­heits­­dienste, Kesselhersteller, Her­steller von regenerativen Ener­giequellen, Gebäudeplanung, Daten­schutz und -sicher­­­heit, Rechtsex­perten für neu entstehende Ge­­schäfts­­mo­delle etc.) aktivieren können und müssen.

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Besonders in den letzten vier bis fünf Jahren hat sich auf technischer Seite durch innovative und für den Mas­­sen­markt erschwingliche Pro­dukte einiges im Sinne einer realistischen Verbreitung von SmartHome- bezie­hungs­­weise Assistenzsys­­temen getan. Überwie­gend kommen die Pro­dukte und oft vielseitigen Lösungen von kleinen und mittleren Unterneh­men aus dem deutsch­sprachigen Raum (siehe zum Beispiel http://www.smarthome-­­
deutsch­land.de/smarthome-award). Die Angebote haben sich zwar häufig einem Themen­feld verschrieben, lassen sich allerdings durch das gute Pro­duktdesign über verbrei­­tete Schnitt­stellen und sogenannte Gateways zu ganzheitlichen und den Anforderun­gen des jeweiligen Lebens­­abschnitts ent­­sprechenden Lösungen kombinie­ren. Initiativen wie bei­­spiels­weise das „Zertifizierungspro­gramm SmartHome“ vom BMWi sorgen dafür, dass zukünftige Generati­onen von Hard- und Soft­ware weitestgehend interoperabel werden. Durch die Interoperabilität der Teillösungen lassen sich je nach Budget, Anforderung(en), Wün­­schen des Kun­den und(!) Erfahrung des Dienst­­leisters schöne, nützliche und energieeffiziente Ge­­samtsysteme zusammenschnüren. Neben der Be­­­achtung des Kostenrahmens ist es dabei allerdings sehr wichtig, die Technik am Konzept und nicht das Konzept an der Technik auszurichten. Ein Schlüssel zu einem er­­folg­reichen SmartHome-Projekt ist nämlich das Ver­ständnis dafür, dass die Technik nur Mittel zum Zweck ist. Genau genommen ist technisch gesehen heute fast alles mög­lich, aber dazu bedarf es einer intelligenten Planung, die sowohl die vorhandenen Mittel/Geräte als auch die gewünschte Lösung und sogar ein zukunftsfähiges Konzept berücksichtigt und realisiert – hier müssen leider noch viele die „Schulbank“ drücken.

SmartHome und SmartLiving – Die Zukunft des Woh­nens. Der Wandel hin zum SmartLiving ist bereits voll im Gang, viele Bereiche „versmarten“ Tag für Tag. Ein neues Be­­triebs­system hier eine nützliche App dort; ein paar Daten in die Cloud, ein Song aus dem Online-Store. Bis unsere Häuser und Wohnungen allerdings wirklich „smart“ sind werden noch viele Jahre vergehen. Noch ist der Hand­lungsdruck nicht groß genug, das Handwerk ist mit Auf­­trägen ausge­lastet und der Standard in den Köpfen in Bezug auf Elektro­installationen ist leider noch auf normale Kabel „genormt“.

Aber: Seit 2013 verspürt der Markt ein gestiegenes Inte­­resse an smarten Lösungen; meist getrieben aus dem Wunsch heraus, Energie zu sparen. Andere wiederum finden Ge­­fallen an der Steuerung verschiedener Dinge via Tablet-PC oder Smartphone und möchten keine Bas­­tel­lösung, sondern echte Systemlösungen. Die Kunden haben damit begonnen, Handel und Handwerk sehr gezielt an­zufragen und besitzen zunehmend den Mut, „mal einen anderen Handwerker“ zu fragen. Damit entstehen Impulse der Veränderungen, die den Markt ver­­ändern werden. „Das“ SmartHome wird es dennoch in ab­­sehbarer Zeit nicht geben, da jede An­­frage anders ist und vor allem einem max. Budget und individuellen Wünsche entspricht.

Vor dem SmartHome, welches plötzlich ein Eigenleben führt muss niemand Angst haben. Das wäre zwar denkbar, aber es wäre auch unerschwinglich teuer – so viel Intelligenz muss man sich erst einmal leisten können…

 

Alexander Schaper ist hauptberuflich Senior Berater für Innovations- und Strategie­themen bei der I-MA Consulting GmbH und Mitbegründer der SmartHome Initiative Deutschland, die er als Geschäftsführer vertritt. Mit vernetzten Gebäuden und Ge­­werken beschäftigt er sich seit Mitte der 1990er Jahre. Sein Schwerpunkt liegt in der strategischen und nachhaltigen Geschäftsentwicklung rund um SmartBuildings und deren „smarten“ Begleiterscheinungen.